Politischer Aschermittwoch: SPÖ-Lercher teilte gegen ÖVP und FPÖ aus

Viel verbale Prügel für Türkis und Blau, ein wenig für Grün, aber auch selbstkritisches zu Zustand und Orientierungslosigkeit der eigenen Partei bot der frühere SPÖ-Bundesgeschäftsführer am politischen Aschermittwoch.

Lercher verteilte in seiner Rede reichlich Seitenhiebe.
© ERWIN SCHERIAU

Judenburg – Der frühere SPÖ-Bundesgeschäftsführer Max Lercher - "Ideengeber des politischen Aschermittwoch", wie er Mittwochnacht im Oberweger Stadel im obersteirischen Judenburg angekündigt wurde, bot den über 200 Gästen, was man von einer politischen Büttenrede erwartet: Viel verbale Prügel für Türkis und Blau, ein wenig für Grün, aber auch selbstkritisches zu Zustand und Orientierungslosigkeit der SPÖ.

Der vom Moderator als "unser maximaler Max Lercher" angekündigte Abgeordnete ließ sich denn auch nicht lange bitten. Nach Bierfassanstich und Musik der fünfköpfigen "Dampflgeiger-Musi" trat er in Trachtengilet und steirischer Krawatte auf das Podium und begann mit einem Geständnis, im Rückblick auf seinen ersten politischen Aschermittwoch vor einem Jahr, nachdem er als Bundesgeschäftsführer abgesägt worden war: "Ihr habt mir vor einem Jahr die Kraft gegeben, wieder in die Politik zurückzukehren. Sozialdemokratie beginnt immer bei der Basis."

Seitenhiebe an alle Parteien

Die Seitenhiebe auf jetzige und vergangene Minister waren aufgelegt, so hieß es u.a.: "Die Kabarettisten sind todtraurig, denn Beate Hartinger-Klein ist uns verloren gegangen. Auch die Kegelvereine freuten sich nicht, so wie die Grünen umgefallen seien, werde das auch nicht bald einer tun. Sebastian Kurz stehe angeblich für Veränderung. Aber unter den viel zitierten Leistungsträgern verstehe er nur seine Spender. "Seine Minister tun sich schwer, auf Fragen bei Armin Wolf zu antworten. Und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner - die ist vom Bauernbund zum Bundesheer, also in eine demokratischere Organisation gewechselt", rief Lercher. Wäre Kanzler Kurz "auf einer Dating-Plattform, bei dieser Halbwertszeit seiner Regierungen, dann wäre er ein gekennzeichneter Hochrisikokandidat. Da wirst du irgendwann von der Plattform gesperrt."

Zu den Grünen sagte Lercher: "Werner Kogler gibt ihnen gewisse Bodenständigkeit, er ist eben Steirer. Aber wenn man hinter den Werner blickt, dann sieht man dieselben Oberlehrer wie immer. Besser wäre es gewesen, dass sie die Weisheit, die sie immer predigen, ins Regierungsprogramm gebracht hätten."

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Lage der SPÖ "tut weh"

Dann widmete sich der Obersteirer der Lage der Sozialdemokratie: "Es tut weh, wie es gerade ist, denn die Sozialdemokratie ist viel mehr als reine Taktik und Geschwurbel. Wir brauchen als Partei und als Bewegung wieder Klarheit." Man müsse sich wieder bewusst werden, dass "die Sozialdemokratie viel größer als wir selbst ist. In diesem Wissen haben wir zu handeln, es geht nicht um Posten, sondern um die Auseinandersetzung, die uns Kraft gibt, wieder Wahlen zu gewinnen."

Lercher nahm auch zur Mitgliederbefragung Stellung: "Streiten kann man, ob es der richtige Zeitpunkt dafür ist oder ob andere Wege besser wären. Aber das hilft uns nicht, zu fragen, ob wir die Befragung brauchen, denn sie ist da. Deshalb haben wir mit der Situation verantwortlich umzugehen. Wir dürfen die Kritik nicht an einzelnen Personen festmachen, auch nicht an der Parteivorsitzenden, sondern wir müssen abstimmen, ob es passt oder nicht. Wenn die Beteiligung gut ist und die Vorsitzende gestärkt wird, dann müssen wir hinter ihr stehen. Wenn das nicht der Fall ist, braucht die Partei einen schnellen Neustart mit allen Konsequenzen." Die Bewegung brauche ein Ende der Selbstbeschäftigung, Statutenfragen seien intern wichtig, interessierten aber die Wähler recht wenig.

Es brauche Klarheit und Einigkeit, um das zu erkämpfen, wofür man gegründet worden sei, nämlich Gerechtigkeit. "Wir müssen auch einen Kulturwandel in der Parteistruktur herbeiführen - einige reden von Arbeitern wie von Fabelwesen." Abschließend meinte Lercher: "Zeigen wir, dass Österreich ein Land ist, in dem die groß gemacht werden, die es sich verdienen. Man habe bei jenen zu stehen, die in der Lebensrealität stünden, nicht bei irgendwelchen intellektuellen Debatten. "Dann wird die Sozialdemokratie wieder groß, und der Rest wird klein. Freundschaft. Prost", endete Lercher. "Endlich sagt einer, was schon lange niemand mehr gesagt hat", kommentierte ein Besucher zum Abschluss der Lercher-Rede, der auch Ansprachen von FSG-Chef Rainer Wimmer und der Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik folgten. (APA)


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