Hurra, der Kobold mit dem roten Haar: Pumuckl ist wieder im Fernsehen

Schokoladenpuddeling, Siebzehnzwanzig und ein knödelrunder Mond - Pumuckl kann sehr poetisch sein. Und sehr frech, zur Freude der Kinder. Nun kehrt die alte TV-Serie ins BR Fernsehen zurück und lädt zu einer unterhaltsamen Nostalgiereise ein.

Der Pumuckl kommt endlich wieder zurück ins Fernsehen.
© dpa

München – Er ist frech, spielt Streiche und dichtet für sein Leben gern – der Pumuckl. Die Hörspiele über den rothaarigen Kobold genießen ebenso Kultstatus wie die Fernsehserie aus den 1980er Jahren. Nun kehren die 52 Folgen nach den Geschichten von Ellis Kaut ins BR Fernsehen zurück, nach neun Jahren Pause. Am Sonntag (1. März) um 9.30 Uhr geht es los mit „Spuk in der Werkstatt“, gefolgt von Klassikern wie „Das Schlossgespenst“ oder „Die abergläubische Putzfrau“, weitere Sendungen im Radio und im Fernsehen des Bayerischen Rundfunks (BR) folgen.

„Meister Eder und sein Pumuckl“ entführt auf eine Nostalgiereise, zeigt die Serie doch ein München, das es in der Form nicht mehr gibt. Die Schreinerei samt Wohnung und roten Geranien vor dem Fenster – abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Kleine Handwerksbetriebe in den Hinterhöfen – verschwunden. Das alteingesessene Wirtshaus mit Stammtisch und Schweinsbraten – durch ein schickes Lokal ersetzt. Und Kinder, die unbeaufsichtigt in Hinterhöfen, Straßen und Kellern spielen – eine Rarität, sei es, weil die Zeit dazu fehlt oder weil besorgte Eltern zu viele Gefahren wittern. Eine Idylle, so scheint es, oder auch ein leicht verklärter Blick durch die Nostalgie-Brille.

Ganz real dagegen die Auftritte so mancher Prominenter, etwa „Monaco Franze“-Darsteller Helmut Fischer, dem Volksschauspieler Toni Berger oder Wolfgang Völz. Nicht zu vergessen Gustl Bayrhammer als Meister Eder, der mit seinem gemütlichen Bairisch einen Münchner verkörpert, der zwar gerne mal grantelt, aber auch ein großes Herz besitzt. Star der Serie: Hans Clarin, der den Kobold unnachahmlich spricht.

Doch Nostalgie hin oder her – würde man „Pumuckl“ heute drehen, wäre vieles anders. Nicht zuletzt die Tatsache, dass der Kobold gerne Bier trinkt, stößt manchen Kritikern sauer auf. Und tatsächlich – neben Schokolade, „Puddeling“ und Wurst liebt Pumuckl Bier, so wie Meister Eder, der sich gern ein Helles gönnt. Der Kobold besitzt sogar einen Maßkrug in Schnapsglasgröße, so wie ihn früher viele Kinder in Bayern hatten, auch wenn der Krug bei ihnen meist mit Limo gefüllt war.

„Kinder können mit dem Pumuckl lernen”

Heute unvorstellbar – doch zu Zeiten, als die Serie gedreht wurde, nicht ungewöhnlich. „Biertrinken gehörte abends dazu, das war eine andere Zeit“, sagt Maya Götz vom Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) in München. Inzwischen sei das anders: „Jede Darstellung von Alkohol würde man sich heute genau überlegen“.

Deswegen „Pumuckl“ verbannen? Auf gar keinen Fall, findet der Münchner Familientherapeut Klaus Neumann. „Kinder werden durch diese Figur und ihr Verhalten nicht zu Alkoholikern“. Zudem würden sie das auch aus der Werbung kennen: „Da trinken Leute hocherfreut ein Bier“. Das bemängelte vor längerer Zeit auch die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Durch den Einsatz bekannter Persönlichkeiten und eingängiger Melodien vermittele die Werbung Szenerien unbeschwerten Lebens und attraktiver Lebensstile, heißt es darin.

Meister Eder hat seinen Pumuckl ganz fest ins Herz geschlossen, auch wenn er manchmal recht grantig ist.
© AP (Archiv)

Das ist beim Pumuckl anders. Wenn er – wie in einer Hörspielfolge – Schnaps trinkt, wird ihm fürchterlich übel. Und als er an einer Zigarette zieht, hustet er fürchterlich und schwört mit schwacher Stimme: „Mir ist so schlecht, ich kann nie mehr Zigarette riechen.“ Eine Einordnung, die Götz gut findet. Die Medienwissenschaftlerin ermuntert Eltern, mit ihren Kindern über den Konsum zu sprechen. „Die Kinder können mit dem Pumuckl lernen. Sie wissen, das ist nicht richtig und sie sehen auch, dass das negative Konsequenzen hat.“

Bleibt der aus heutige Sicht manchmal autoritäre Erziehungsstil des Schreinermeisters. Götz findet das nicht dramatisch. „Es ist schön, dass wir ideale Mütter und Väter sein wollen, aber im Normalfall sind Eltern doch auch mal mürrisch und setzen Grenzen, wo sie vielleicht nicht nötig sind“, sagt sie. „Aber das Schöne ist, egal was passiert, der Meister Eder hat den Pumuckl tief in sein Herz geschlossen, er steht immer zu ihm.“ Zudem könnten Eltern ihrem Nachwuchs erklären, dass Kinder vor mehr als 30 Jahren anders erzogen wurden, als heute.

Familientherapeut Neumann findet Pumuckl gerade wegen seiner Ecken und Kanten gut, gerade weil er nicht frei von Fehlern sei. „Das ist ein fantastisches pädagogisches Konstrukt“, meint er. Und auch Götz hält nichts davon, die Serie aus pädagogischen Erwägungen zu verbannen: „Es wäre schade, wenn man den Kindern ein so wertvolles Stück Fernsehen, so viel Fantasie und Liebe wegnehmen würde, nur um es klinisch sauber zu machen“. (dpa)


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