Coronavirus: Skurrile Check-Ins und hohe Stornoquoten im Tourismus

In Italien und Frankreich sind die Buchungen vielerorts um bis zu 80 Prozent eingebrochen. Auch beliebte Fernreiseziele wie die Malediven und Seychellen kämpfen mit zum Teil massiven Rückgängen. In Österreich leidet die Hotellerie ebenfalls unter der stark gedämpften Nachfrage.

Manche Hotels in Tirol konnten ihre Auslastung auf Grund des Coronavirus sogar steigern. (Symbolbild)
© Thomas Böhm

Innsbruck, Rom, Paris – Die weiteste Verbreitung des Coronavirus in Europa ist derzeit in Italien, speziell Norditalien, festgestellt worden. Italiens Premierminister muss in diesen Tagen ständig schlechte Nachrichten verkünden: immer wieder neue Coronavirus-Infizierte, Todesfälle, Sperrzonen, Warnungen vor erheblichen wirtschaftlichen Einbußen. Ob in Venedig, Mailand, Südtirol oder Sizilien – bei Hoteliers im ganzen Land hagelt es Absagen. Der Verband der italienischen Reise- und Tourismusvereinigungen schätzt die kurzfristige Stornoquote auf rund 70 Prozent, berichtet die Internetplattform Wellness Heaven.

Für eine realistische Betrachtung der Auswirkungen von Corona auf Österreichs Tourismus hat die Österreichische Hoteliervereinigung ihre Mitglieder nach Buchungsrückgängen und Stornierungen befragt. An der Befragung nahmen binnen kürzester Zeit mehr als 500 Betriebe teil, das Ergebnis ist repräsentativ für die Qualitätshotellerie. 59 Prozent berichten von Buchungsrückgängen, 63 Prozent von Stornos im Zusammenhang mit Corona. „In der absoluten Mehrzahl der Fälle liegen die Summen im vierstelligen Euro-Bereich. Es gibt aber auch sehr stark betroffene Unternehmen“, verweist ÖHV-Generalsekretär Dr. Markus Gratzer auf Hotels mit Einnahmeausfällen im mittleren sechsstelligen Bereich. Allerdings seien die Ergebnisse eine Momentaufnahme: „Morgen kann die Situation schon ganz anders aussehen.“

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Auch Frankreich erlebt gerade einen Einbruch im Tourismus-Segment. Zwischen 30 und 40 Prozent weniger Touristen als erwartet seien zurzeit im Land, sagt Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire. „Das hat natürlich bedeutende Folgen für die französische Wirtschaft." Der Tourismus sorgt für rund zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts und mehr als drei Millionen Arbeitsplätze. 130 Corona-Fälle in Frankreich sind bereits bekannt, davon sind aktuell zwei Tote zu beklagen.

Auch auf den Malediven und den Sychellen grassiert die Angst vor dem Virus. Maledivische Behörden haben Flüge von und nach Festlandchina seit dem 30. Januar 2020 ausgesetzt. Auch allen Kreuzfahrtschiffen ist es nun untersagt, das Territorium der Malediven zu befahren oder in einem Hafen anzulegen. Ein Einreiseverbot gilt auch für Personen, die zuletzt den Iran oder Südkorea besucht haben. Rund 280.000 Chinesen haben 2019 die Malediven besucht, somit ist der Tourismussektor der Malediven von chinesischen Touristen stark abhängig.

Wer in den letzten 14 Tagen Festland-China, Hong Kong, Macao, Südkorea oder Italien besucht hat, dem wird die Einreise auf die Seychellen verweigert. Bestätigte Fälle gibt es derzeit aber weder auf den Malediven noch auf den Seychellen. (TT.com, hu)

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Ein Hotelier aus Österreich plant, alle Gäste über strenge Hygienevorschriften nach dem Check-In zu informieren. So soll ein Mindestabstand zu anderen Gästen von mindestens einem Meter eingehalten werden. Dies sei von der WHO angeraten. Auch werden die Gäste aufgefordert, Whirlpools möglichst nicht gleichzeitig zu nutzen. Gäste mit Krankheitssymptomen sollen im Zimmer bleiben und über die Rezeption den telefonischen Kontakt zu einem Arzt herstellen lassen. Quelle: Hotelier / Wellness Heaven

Der Direktor eines 5-Sterne-Hotels in Tirol berichtet von einer höheren Auslastung durch das Coronavirus. Sein Klientel sei gewöhnlich in internationalen Gefilden in Hotels unterwegs, gerade in den Faschingsferien. Aufgrund drohender Grenzschließungen, Einreisesperren und Infektionsherden bei internationalen Flügen hätten viele ihre Fernreise storniert und dafür sein Tiroler Hotel spontan gebucht. Dabei handele es sich insbesondere um Stammgäste, die das Hotel bereits kannten, und durch kurzfristige Buchung die Auslastung auf 98 Prozent während der Faschingswoche erhöhten. Quelle: Hotelier aus Österreich / Wellness Heaven

Ein Hotel bestehend aus Luxusvillen auf den Seychellen berichtet uns von einem skurrilen Checkin. Ein gesund wirkendes Ehepaar aus Asien sei letzte Woche mit einem gasdichten Druckluft-Schutzanzug angereist. Auch wollte das Ehepaar vom Management des Seychellen-Hotels erfahren, ob die Nutzung des privaten Pools mit dem Schutzanzug gefahrlos möglich sei. Quelle: Hotelier aus den Seychellen / Wellness Heaven

Ein Hotelier aus Deutschland erzählt, dass an verschiedenen Orten seines Wellnesshotels nun 20 Desinfektions-Stationen aufgestellt wurden. Es sei schwierig gewesen, diese Stationen mit Handdesinfektionsmitteln kurzfristig zu kaufen, nur über einen befreundeten Arzt sei dies überhaupt möglich gewesen. Quelle: Hotelier aus Deutschland/Wellness Heaven

Ein Hotelier aus Italien berichtet von einer hohen Stornoquote. 80 Prozent der Aufenthalte für die nächsten zwei Wochen seien bislang storniert worden. Dabei nehmen Reisende die Stornogebühren in Kauf, die teilweise in der Höhe des gesamten Reisepreises liegen. Der Hotelier versucht über seine Website zu informieren, dass bislang keine Fälle des Coronavirus in der Region rund um das italienische Hotel bekannt sind. Quelle: Hotelier aus Italien/Wellness Heaven

Ein bekanntes Luxushotel auf den Malediven berichtet von einer Stornoquote von 75 Prozent für März 2020. Die meisten Stornierenden würden das Coronavirus als Grund angeben, obwohl bislang keine Infektion mit dem Virus auf den Malediven bestätigt sei. Das Hotelmanagement überlegt, Hotelmitarbeiter kurzfristig ohne Bezahlung freizustellen, um den hohen Kostendruck auf das Hotel zu reduzieren. Quelle: Hotelier aus den Malediven/Wellness Heaven

Ein maledivischer Luxushotelier weiß dagegen vom Coronavirus nur Positives zu berichten. Eine Familie aus Mailand zähle seit Mitte Februar zu seinen Gästen, und habe den Aufenthalt seitdem bereits zweimal verlängert. Die Familie wolle partout nicht nach Mailand zurückreisen und nutze sein Eiland quasi als "Quarantäne-Insel". Quelle: Hotelier auf den Malediven/Wellness Heaven


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