Der Pooletarier schiebt Paaranoia: Das war die finale „Bachelor“-Folge

In seinem bisherigen Leben hat Knasti-Basti bloß ein paar Knochen gebrochen. Jetzt muss er zwangsläufig Herzen brechen. Wem erspart der „Bachelor“ eine liebeslängliche Freiheitsstrafe? So viel sei verraten: Der „Abholer“ ist auch im Finale nicht der Bringer. Sein Kopf ist jedenfalls nicht das Einzigste, wo raucht. Eine TV-Kritik.

Eine „Bachelor“-Staffel ist wie ein ausgiebiges Fast-Food-Menü: Erst fühlst du dich „mega“ und dann ekelst du dich plötzlich vor dir selbst.
© TVNOW / Stocker

Von Tamara Stocker

Innsbruck – Das Coronavirus kann mich mal. Ich hab echt schon Schlimmeres überlebt. Meinen Ex-Freund zum Beispiel. Fußpilz. Strache als Vizekanzler. Oder eben die aktuelle „Bachelor“-Staffel. Ich hab' ja echt geglaubt, die sonntägliche Peinlichsendung Pocher vs. Wendler hätte mich für das Rosenfinale abgehärtet – aber nein. Basti vs. Deutsche Sprache ist und bleibt das härteste Intellekt-Duell, das das deutsche Qualitätsfernsehen je gesehen hat. Punkt.

Und so viel sei schon mal verraten: Kindergatte Wendler ist unserem Basti haushoch überlegen. Denn für den „Bachelor“ war die Partnersuche alles andere als ein Kinderspiel. Wie gut, dass ihm seine „Mamutschga“ [sic!] kurz vor knapp noch einmal gut zuspricht: „Du bist auch nicht perfekt, also samma uns mal ehrlich.“ Hach, wie schön. Mutterliebe. Das ist übrigens jene Frau, die wo ihm so mega reden gelernt hat. Da bekommt das Wort Muttersprache nochmal eine ganz andere Bedeutung.

„Wio hat nachgelassen“

Wie schon vor 29 Jahren muss Cornelia auch heute nehmen, was sie kriegt und nimmt das von General Oral auserkorene potenzielle Schwiegermaterial am gemieteten Gammel-Gartentisch in Mexiko in Empfang. „Und, hast du schon so richtig Herzklopfen oder Magenkribbeln?“, will sie von ihrem zungenzwirbelnden Zögling wissen – und ja, was soll ich sagen: Zumindest bei Wioleta hat sein Magen vergangene Woche heftigst gekribbelt. So sehr, dass er sein Bungaklo alleine einweihen musste und Wios Bunga-Bunga-Träume somit im Darmkeim erstickte – der Plumps-Kloß in ihrem Hals war auch am Morgen danach nicht runterzuspülen.

ANGETRETEN! General Oral lädt zum Vorstellungsgespräch im Garten.
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Wios Tränen gingen Basti mächtig auf den Sack. „Sie hat nachgelassen. Bei ihrem egoistischen Verhalten ist's mir vergangen. Ich hab mich nur verguckt.“ Also erstens glaube ich, dass es eher die RTL-Redakteure waren, die sich bei der Wahl des heurigen „Bachelors“ verguckt haben und zweitens – Wio, heul' gefälligst leise, wenn der Basti dabei ist. Gefühle verstecken ist schließlich das A und O in jeder funktionierenden Beziehung.

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Liebes Fragebuch, ...

Aber, nichtsdestotrotz: „Wio sieht mega aus. Und hat gute Werte“, diktiert Basti, als hätte er bei einer Runde Autoquartett gerade den Supertrumpf vom Stapel gezupft. Jedenfalls scheint ihr Warnblinksystem nicht richtig zu funktionieren, ansonsten hätte sie wohl schon längst das Weite gesucht. Nachdem „Mamutschga“ den Ferrari kurz Probefahren durfte und Wio als „annehmbar“ einstufte, beschwört unser smarte Alpha-Romeo auf der Bettkante die nächste Fragödie herauf:

  • Was meinst du, wo wir so gefühlstechnisch stehen?
  • Wie empfindest du mich so als Mann?
  • Pass ich so in dein Schema eigentlich?
  • Wenn du über deine Gefühle von mir nachdenkst, kannst du da weiter ins Detail gehen?
  • Na, wie geil findest du mich auf einer Skala von eins bis mich?
  • Warst du schon mal länger auf als bis um Mitternacht?
  • Warum liegt hier eigentlich Stroh in meinem Kopf rum?

Okay, die letzten drei waren erfunden, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass er Wio gleich an den Lügendetektor schnallt; oder sie zur Sau macht, weil sie die Frechheit besitzt, ohne Powerpoint-Präsentation über ihre momentane Gefühlslage zum letzten Date aufzukreuzen. „Was fragst du denn für Fragen???“, bringt sie stellvertretend für alle Zuschauer ihre Überforderung entgeistert-starrend zum Ausdruck. Nur leider gab es darauf seit Folge eins noch keine Antwort.

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Und das bleibt auch so; zwar wird standesgemäß kurz rumgeleckt (nicht! im! Pool!), Basti aber muss sich mit einem „Ich kann mir mehr mit dir vorstellen“ zufriedengeben, was in seiner Sprache allerdings einem „ich empfinde nichts für dich“ gleichkommt, was aaaabsolut logisch ist, weil er sich nicht vorstellen kann, dass Wio sich was mit ihm vorstellen kann, weil man sich ja immer mehr vorstellen kann. Versteht ihr? Ok, gut. Ich nämlich auch nicht.

Dafür kann ich Diana umso mehr verstehen. Mit dem übergesunden Lifestyle des pumpösen „Bachelors“ weiß sie nämlich wenig anzufangen: „Ich kann das schon, aber es ist nicht so, dass ich da groß darauf achte.“ „Dieses gesunde Leben, das sie momentan noch nicht führt“ [sic!] ist für den Fitness-Fanatiker jedenfalls schon jetzt ein Scheidungsgrund – was will man schließlich mit einer Partnerin, die einen zwar liebt, lustig und treu ist, aber mit der man nicht gemeinsam im flackernden Kerzenlicht Proteinshakes inhalieren kann? Also ich persönlich hab' ja mehr Bock auf Sekt anstatt auf so 'ne Sekte – aber mich fragt ja wie immer keiner.

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Lippen nicht mit Kippen teilen

Mama Conny stellt in Abstinenz ihres Sohnes („Ich geh' mal einen Pfeil schieben“; was auch immer das heißt, vermutlich muss er schon wieder kacken), jedenfalls die wirklich wichtigen Fragen und will wissen, ob Diana raucht. Die Esstremsportlerin verneint nicht – und das Kippenbekenntnis löst bei Mutti umgehend den Rauchmelder aus: „Ich sag's dir gleich: Ich kenn' niemanden, wo so ein Gegner ist vom Rauchen wie der Sebastian, weil's ihn so ekelt.“ UND ICH KENNE VERDAMMT NOCHMAL NIEMANDEN, WO SO EIN GEGNER VON DER DEUTSCHEN SPRACHE IST WIE DIESE FAMILIE!!!!

Mama Cornelia ist maximal genervt: „Ich wünsche mir, dass er vielleicht auch mal aufs Herz hört anstatt nur auf den Kopf.“
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Ok, geht wieder. Wobei ... was jetzt kommt, ist härtester Tabak-Tobak. „Für mich ist es im Leben ein ernsthaftes Problem, wenn man scheußlich mit seiner Gesundheit umgeht“, unkt Tabakgegner Basti in Richtung Diana, schließlich hat sein verstorbener Bruder auch geraucht. Crack nämlich. Und das ist natürlich 1:1 vergleichbar. Weil nämlich Bastis Ruf kaputt geht, net deiner!!!111! !

Und er führt seine Schwadronagen sogar noch weiter ad absurdum(m): „Ich versuche, Jugendlichen auf die Beine zu helfen und da hab ich 'ne mächtige Vorbildfunktion. Da kann ich nicht mit einer Partnerin durch die Straßen gehen, die 'ne Kippe im Mund hat.“ JAAA NE, IS KLAR. Man ist natürlich mehr Vorbild als abschreckendes Beispiel, wenn man vom Ex-Knacki zum „Bachelor“ aufsteigt, vor einem Millionenpublikum alles ableckt, was sich bewegt und da kommt es natürlich gar nicht gut, dass Diana ab und an raucht, mal ein Gläschen trinkt und sich was Ungesundes in die Figur schiebt, aber Hauptsache der Knatterknabe selbst ernährt sich seit zwei Monaten ausschließlich von Batida de Coco und den Speichelflüssigkeiten der Kandidatinnen – aber Tabakterien sind natürlich ein absolutes No-Go.

Wenn er dich plötzlich vorwurfsvoll anmeckert, weil du dreifach Käse auf deine Pizza kippst.
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Leute, was bin ich eigentlich für ein Glückspilz? Ich bin zwar keine Aschenpute, aber lebe immer noch ungesund genug, dass der „Bachelor“ und ich niemals Freunde werden können. Und falls ich ihm in ein paar Wochen bei seiner hochkarätigen Discotour in der Innsbrucker Mausefalle über den Weg laufen sollte, stecke ich mir einfach neben ihm 20 Zigaretten gleichzeitig in den Mund, leg' mir ein saftiges Nackensteak auf den Kopf und bestell mir eine Pulle Doppelkorn. PROST!

Immerhin zeigt sich Qualm-Queen Diana kompromissbereit: „Ich bin jetzt nicht mega abhängig. Wenn ich Zeit mit Basti verbringen würde, könnte ich auch zwei bis drei Tage nicht rauchen.“ Hach. Irgendwie schon schön, dass sie die Dauer der potenziellen Beziehung mit dem „Bachelor“ so realistisch einschätzt. Jedenfalls glaubt sie, dass Basti „voll der gute Partner ist“, weil ihr Ex-Freund war zwar auch toll, aber: „Wenn ich den Basti sehe, dann weiß ich, wie viel mehr ein Mensch haben kann.“ Na bumm, der Ex muss ja wirklich ein ganz toller Hecht gewesen sein.

Basti, das personifizierte Mannko

Diana steht bei Mommy Conny jedenfalls „ganz oben“, was nicht sonderlich verwundert, schließlich scheint sie selbst jeden Tag eine Zigarettenschachtel zu frühstücken. Was folgt, ist eine hitzige Mutter-Sohn-Diskussion. Weil er so „absolut geisteskranke Ansprüche“ stellt, rückt sie ihrem Nachkommen mal ordentlich den Kopf zurecht, so wie er es normalerweise nur bei Schwänen macht. Und dann spricht sie die wahrhaftigsten Worte dieser Staffel: „Man wird keinen perfekten Menschen kriegen, so einen muss man schnitzen, das geht garnicht, sowas bekommt auch er nicht und er ist ja auch nicht perfekt, samma uns ehrlich.“

AMEN! MAMMA MIA! Also wenn das jetzt nicht seine Mutter wäre, würd' er sie wahrscheinlich auch noch mit einem zünftigen Zungenhieb zum Schweigen bringen. Kleinlaut gibt der meckernde Makel-Makler Conny kontra: „Ich suche keinen perfekten Menschen.“*

* sondern nur eine, der ich wann immer ich will die Zunge reinrammen kann, die kein Botox im Gesicht hat, Sport macht, keine Silikonbrüste hat, Gefühle versteckt, Gefühle zeigt, einen Bauernschnäuzer kann, Sport macht, nicht raucht, gut riecht, sich gesund ernährt, Sport macht, mich beim Pumpen für Instagram ablichtet, über meine schlechten Popelwitze lacht, nicht böse dreinschaut, gerne schwimmt, für mich kocht, sodass ich mich wie ein richtiger Mann fühle.

Es fällt ihm „so schwierig“

Wenn du endlich chillen kannst, weil die Scheiße endlich vorbei ist und du genug Instagram-Follower gesammelt hast.
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Unter vier Augen hakt Basti dann nochmal auf altbewährte, entspannte Art nach, wie's denn bei Diana jetzt gefühlstechnisch so aussieht: „Könntest du dir 'ne Beziehung mit mir vorstellen?“ – STOP! Das ist doch jetzt eine Fangfrage, oder? ODER? (Kleiner Tipp am Rande: Gefühle entwickelt man nicht, indem man die ganze Zeit über sie redet.) Die bachelor'sche Gefühlswelt sieht einen Abend vorm Finale jedenfalls so aus: „Es herrscht viel Unklarheit.“ „Es fällt mir so schwierig. Ich schäme mich.“ „Beide sind mega gut, aber ich spür' kein Verliebtsein.“ – Warte ... WAS? Da fordert er von beiden Bettdiensteten quasi ein emotionsschwangeres Ehegelübde à la Laura Müller (Oh Babyyyy, isch lübbe disch so sehr Schadziii) ein und will, dass jede in mindestens 3000 Worten erklärt, wie geil sie ihn findet – und er selbst nur so: EGAL! Was ist das eigentlich für eine eklige Ego-Kacke?

Generell führt er sich auf, als käme die letzte Rose einem Heiratsantrag gleich: Er will keine Beziehung, weil man sich ja gleich danach wieder trennen könnte. Funfact: Man lebt auch, obwohl man stirbt. Total verrückt, ich weiß. Aber dass sich Basti jetzt den Kopf über zwei potenzielle Partnerinnen zerbrechen muss, ist eigentlich nicht weiter schlimm, denn das entspricht meinen Berechnungen zufolge eh ziemlich genau einer Frau pro Gehirnzelle. „Ich mag beide Mädchen sehr, aber irgendwas fehlt mir“ – joa, ähm: Anstand, Respekt, ein Deutschkurs, eine Fahrkarte, um das Jahr 1952 zu verlassen ∞

Wio zieht alle Register und mimt den „sterbenden Schwan“, um Basti doch noch von sich zu überzeugen.
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Ein Pseudo-Happy-End

Und dann passiert etwas, das es in zehn „Bachelor“-Staffeln noch nicht gab: Die finale Rose bleibt unberührt, weil keine von beiden in sein vorgefertigtes Raster passt. Der paaranoide Kickboxer entscheidet sich also, sich für keine zu entscheiden – das ist ehrlich und aufrichtig, aber er tut dies natürlich nicht, ohne sich vorher nochmal im Geredeturnen zu verrenken.

Warmschmalzig wurstelt sich der Wortgewalttäter durch seine letzten Rosen-Monologe: „Wenn man dich sieht geht die Sonne auf. Du bist gut vorangekommen und stehst mit deinen 28 Jahren gut da“, stellt er etwa der brautkleidtragenden Wio ein erstklassiges Arbeitszeugnis aus. Und anstatt Diana in ihrem „Black Swan“-Gedächtnis-Dress einfach zu sagen „Verpiss dich du faule Sau, du stinkst nach Tschick“ lässt er sie wissen: „Du bist für mich mega gut. Ich liebe es, mit dir Spaß miteinander teilhaben zu können.“ Äh. Ich lass das jetzt einfach mal unkommentiert ...

So sehen Sieger aus, fiderallalalala! Übrigens: Wenn man sich den „Bachelor“ rückwärts anschaut, sieht man, wie Frauen einem schmierigen Typen die Rosen zurückgeben und sich von ihm abwenden. Wenn das mal kein Happy End ist ...
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Ich bin untröstlich. Diana geigt dem „Bachelor“ zwar noch die Meinung („(...) du hättest dir vieles sparen können“), ehe er sie pfötchenhaltend über den Teppich zum Auto schleift („Muss das sein?“), ein richtiger Abschiedsbeef sieht aber anders aus. Uns wird aber auch gar nichts vergönnt. Da verschwendest du neun Wochen deiner Lebenszeit und dann gibt es am Ende statt zweimonatiger Fake-Beziehung gleich zwei Gewinnerinnen. Beziehungswaise Basti jedenfalls darf jetzt aus dem Zungenspieleparadies abgeholt werden. Das Staffel-Fazit des Deppressiven: „Die Zeit mit den Frauen fühlte sich an wie zehn Jahre beim Psychologen.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.


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