Walser-Triumph auf allen Linien: Präsident bleibt Bürgermeister

Mit knapp 80 Prozent haben Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser und der VP-Wirtschaftsbund die gestrige Kammerwahl in Tirol dominiert. Die Grünen konnten die Freiheitlichen von Platz zwei verdrängen. Die NEOS landeten noch vor dem roten Wirtschaftsverband auf Platz vier.

WK-Direktorin Evelyn Geiger-Anker und WK-Präsident Christoph Walser freuen sich über die Steigerung der Wahlbeteiligung.
© Die Fotografen

Von Peter Nindler und 
Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Seit November 2018 ist Christoph Walser Wirtschaftskammerpräsident. Sozusagen aus dem Stand heraus hat der Thaurer Bürgermeister bei der Kammerwahl nicht nur das Ergebnis für den ÖVP-Wirtschaftsbund auf knapp 80 Prozent hinaufgeschraubt, sondern auch die Wahlbeteiligung auf rund 40 %. Ist alles zu 100 Prozent aufgegangen? „Viele haben mein Ziel von 40 Prozent Beteiligung als unerreichbar bezeichnet. Jetzt sind wir bei 39,51 Prozent“, freut sich Walser über dieses wichtige Signal. „Darauf werden wird uns aber nicht ausruhen, weil es eben erst 40 Prozent sind.“ Dass Tirol als einziges Bundesland an der Wahlurne zugelegt hat, ist für Walser jedoch eine Genugtuung.

📽 Video | ÖVP-Wirtschaftsbund großer Sieger bei WK-Wahl

Doch in der Stunde des Jubels und der Euphorie spürt Walser auch die um sich greifende Unsicherheit unter den Wirtschaftstreibenden. Der angekündigte Stellenabbau bei Swarovski in Wattens und die Folgen des Coronavirus drücken aufs Gemüt. „Ich freue mich über das Wahlergebnis, aber die aktuelle Situation belastet die Wirtschaft.“ Man habe schon Anfang des Jahres gemerkt, dass die Konjunktur nachlasse, jetzt werde diese Entwicklung durch Corona verstärkt. Vor allem Unternehmen wie Swarovski, die massiv im asiatischen Raum aktiv seien, würde es besonders hart treffen, sagt Walser. „Das alles ist natürlich ein Wermutstropfen, deshalb müssen wir alle zusammenhelfen und hoffen, dass Corona schnell wieder vorbeigeht. Heute gab es erneut viele Stornierungen im Tourismus und es steht durchaus eine schwierige Zeit bevor.“

Ändern will Walser seine politische Linie nicht. „Ich werde meinen Stil beibehalten und bodenständig bleiben. Unterschiedliche Meinungen sind in einer Demokratie wichtig, es wird deshalb keinen anderen Walser geben als vor der Wahl. Ich will weiter mit allen zusammenarbeiten.“ Aber fühlt man sich nach einem Wahlerfolg auf allen Linien nicht richtig bärenstark? Walser: „Zuerst einmal ist es ein Erfolg meines gesamtes Teams im Wirtschaftsbund und in der Kammer. Ich will mir den Erfolg nicht alleine umhängen. Was ich schon mitnehme, ist, dass wir gestärkt aus der Wahl gehen. Die Interessenvertretung ist gestärkt worden, auch gegenüber der Politik.“

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Vor einem Jahr verzeichnete die Arbeiterkammer ein historisches Tief bei ihrer Kammerwahl, jetzt die Zuwächse bei der Wirtschaftskammerwahl. Die Wirtschaft ätzte damals über die Legitimation von AK-Präsident Erwin Zangerl. Und heute? „Mir geht es darum, dass wir die Sozialpartnerschaft stärken. Dafür sind Wahlbeteiligungen von 34 Prozent nicht unbedingt so toll. Deshalb ist für mich die Wahlbeteiligung im ersten Moment entscheidender als das Ergebnis für meinen Wirtschaftsbund.“ Walser hofft, dass die anderen Interessenvertretungen ebenfalls höhere Wahlbeteiligungen erzielen, um generell die Sozialpartnerschaft zu untermauern.

Wirtschaftskammerchef, Bürgermeister, Unternehmer und Familienvater – wird das Walser nicht zu viel? „Um es gleich klar zu sagen: Ich bleibe Bürgermeister und werde 2022 noch einmal kandidieren.“ Seine Funktion als Bürgermeister sieht Walser als Grundlage für seine politische Tätigkeit. „Da bist du geerdet und an der Basis. Man bekommt mit, was die Menschen bewegt und wo sie der Schuh drückt.“

Am 5. Mai erfolgt im Wirtschaftsparlament die offizielle Wahl zum Präsidenten. Und da kündigt Walser schon Neuerungen an. Martin Felder ist bereits vor ein paar Monaten als Vizepräsident aus dem Präsidium ausgeschieden, Wirtschaftsbundobmann NR Franz Hörl wird ebenfalls nicht mehr als Vizepräsident zur Verfügung stehen. „Über die Nachfolge werden noch Gespräche geführt, weil es ja einen Ausgleich unter den Sparten benötigt“, erklärt Christoph Walser.

VP-Wirtschaftsbund stärker denn je

Der Dank von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser galt diesmal auch Franz Hörl. Dieser hatte im Frühjahr 2016 Jürgen Bodenseer in einer Kampfabstimmung als Wirtschaftsbundobmann abgelöst. Hörl führte eine Verjüngung durch, „so einen großen Zusammenhalt wie heute hat es schon lange nicht gegeben“, lobte Walser den Wirtschaftsbundobmann. Um 2,6 Prozentpunkte konnte der Wirtschaftsbund zulegen und 777 Mandate erreichen.

Mehr Stimmen, aber weniger Prozente gab es für die Grüne Wirtschaft. Trotzdem reichte es mit 55 Mandaten und einem Respektabstand von 72 Prozent zum Wirtschaftsbund zu Platz zwei. Noch vor der Freiheitlichen Wirtschaft mit 54 Mandaten (-3,9 Prozent), die Freitag der große Wahlverlierer war. In der Landesgruppe ziehen deshalb bereits die ersten Gewitterwolken auf.

Nach dem tristen Wahlergebnis wird wohl kein Stein auf dem anderen bleiben. Bereits im Vorfeld der Wahl gab es heftige Kritik an Obmann Winfried Vescoli, seine Zeit dürfte endgültig vorbei sein. NR Peter Wurm und Bundesrat Christoph Steiner werden als Nachfolger gehandelt.

Für die NEOS wachsen in der Kammer die Bäume nicht in den Himmel, dennoch konnten sie 3,15 Prozent oder 16 Mandate pink einfärbeln. „In der Hotellerie sind wir auf Anhieb auf Platz zwei gelandet. Das haben uns viele nicht zugetraut“, freut sich NEOS-Landessprecher Dominik Oberhofer. NEOS

UNOS-Spitzenkandidat Stefan Gleinser wurde jedoch vergeblich bei der Verkündigung des Wahlergebnisses gesucht.

Und der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband? 1,72 Prozent und neun Mandate sind das mit Abstand schlechteste Ergebnis seit Jahren. Allerdings hat sich Spitzenkandidat Michael Kirchmair schon zu Jahresbeginn von der SPÖ losgesagt. (pn, mami)


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