Coronavirus: Influenza und Covid-19 im Vergleich

Schwere bis lebensbedrohliche Verläufe gibt es nach bisherigen Auswertungen bei Covid-19 häufiger als bei der Grippe. Interessant ist auch, dass Kinder für die Übertragung bei Influenzaviren eher als "Treiber" gelten, beim Coronavirus stecken sie sich aber seltener und hauptsächlich über Erwachsene an.

Ein Schild mit der Aufschrift "Infektionsgefahr" hängt an einer Tür im Labor
© APA/dpa/Kästle

Genf – Bei der Diskussion um Maßnahmen gegen eine Covid-19-Pandemie wird oft die Grippe zum Vergleich herangezogen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt nun wichtige Gemeinsamkeiten und Unterschiede:

Ähnlich ist demnach die Ausprägung der Infektionskrankheiten. Beide sind von einem Virus verursachte Atemwegserkrankungen, deren Verlauf sehr unterschiedlich sein kann – von symptomlos oder mild bis hin zu sehr schwer, mitunter gar tödlich. Beide Erreger werden vorwiegend über Tröpfchen etwa beim Sprechen oder Husten oder auch direkten Kontakt übertragen. Darum greifen bei beiden auch die gleichen Vorsichtsmaßnahmen: gute Handhygiene, in den Ellbogen oder ein Taschentuch husten, Kontakt zu Infizierten vermeiden.

Unterschiede bei Ausbreitungsgeschwindigkeit

Unterschiede gibt es laut WHO bei der Ausbreitungsgeschwindigkeit. Influenza habe eine kürzere Inkubationszeit zwischen Ansteckung und der Ausbildung erster Symptome, zudem erfolgten die Ansteckungen in den Infektionsketten rascher aufeinander. Bei Covid-19 liege dieses Intervall bei etwa fünf bis sechs Tagen, bei Influenza bei drei Tagen. Das bedeute, dass sich Influenza rascher verbreiten kann als Covid-19.

Hinzu komme, dass bei Influenza oft schon vor der Ausprägung von Symptomen weitere Menschen angesteckt würden. Bei Covid-19 seien zwar Übertragungen 24 bis 48 Stunden vor dem Auftreten von Symptomen bekannt, sie seien aber nach derzeitigem Kenntnisstand anders als bei der Grippe selten und spielten für die Weiterverbreitung kaum eine Rolle.

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Sowohl bei Covid-19 als auch bei Influenza kann man mit einer gründlichen Handhygiene vor einer Ansteckung vorbeugen.
© AFP/Bonaventure

Ein weiteres wichtiges Kennzeichen ist die Ansteckungsrate. Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 wird nach WHO-Daten von einem Infizierten im Mittel an zwei bis zweieinhalb weitere Menschen weitergegeben – und damit an mehr als bei Influenza. Wegen der unsicheren Datenlage und verschiedenen den Wert beeinflussenden Effekten sei ein Vergleich bei diesem Aspekt aber nur eingeschränkt möglich, heißt es von der WHO.

Deutliche Unterschiede bei Kindern

Erhebliche Unterschiede gibt es im Bezug auf Kinder: "Kinder sind bedeutsame Treiber für die Übertragung von Influenzaviren in der Gemeinschaft", so die WHO. Für den Covid-19-Erreger zeigten erste Auswertungen, dass Kinder weniger betroffen sind als Erwachsene und nur selten deutliche Symptome entwickeln. Vorläufige Daten lassen demnach zudem annehmen, dass Kinder sich vor allem bei Erwachsenen anstecken – Erwachsene aber umgekehrt kaum bei Kindern.

Laut bisherigen Erkenntnissen verlaufen Ansteckungen mit Covid-19 schwerer und lebensbedrohlicher als bei der Grippe.
© SAM PANTHAKY

Schwere bis lebensbedrohliche Verläufe gibt es nach bisherigen Auswertungen bei Covid-19 häufiger als bei der Grippe. Der WHO zufolge ist der Verlauf bei 15 Prozent der Infizierten so schwer, dass eine zusätzliche Versorgung mit Sauerstoff nötig wird. Bei fünf Prozent der Infizierten ist demnach künstliche Beatmung nötig. Auch die Todesrate liegt wohl höher als bei der normalen saisonalen Grippewelle – exakte Angaben lassen sich dazu aber derzeit kaum machen.

Als besonders von schweren Verläufen betroffene Risikogruppen gelten bei Influenza Kinder, Schwangere, Ältere sowie Menschen mit chronischen Krankheiten oder geschwächtem Immunsystem. Bei Covid-19 gehören Kinder und Schwangere nach derzeitigem Wissensstand nicht zu den Risikogruppen.

Zu beachten ist auch der Unterschied bei den Möglichkeiten für Behandlung und Vorsorge. "Zwar gibt es bereits eine Reihe klinischer Tests von Medikamenten in China, und es sind mehr als 20 Impfstoffe gegen Covid-19 in der Entwicklung, bisher aber gibt es keine zugelassenen Impfstoffe oder Therapien für Covid-19", berichtet die WHO. Bei Influenza hingegen gebe es sowohl schützende Impfungen als auch zugelassene antivirale Medikamente. (APA/dpa)

Vergleich: 37 Coronavirus- und 129.000 Grippe-Infektionen in Österreich

Derzeit gibt es landesweit 74 bestätigte Corona-Fälle, gleichzeitig laborierten vergangene Woche 129.000 Menschen an "Grippe" – Influenza und viralen Infekten.

Dabei ist die Influenza-Saison – im Gleichklang mit der Witterung und steigenden Temperaturen –schon im Abflauen. Heuer sei im Vergleich zu 2018 eine "stärkere Welle" zu verzeichnen, "aber keine sehr starke Virusaktivität", erläuterte Monika Redlberger-Fritz vom Zentrum für Virologie an der MedUni Wien bei einem Pressegespräch in der Bundeshauptstadt.

Mit Stand vom vergangenen Mittwoch sind in der gesamten Saison bisher rund 245.000 Menschen an Influenza, also an der "richtigen" Grippe, erkrankt. Vergangenes Jahr gab es am Ende der Saison insgesamt 145.000 Influenzafälle, 2017/18 hingegen habe es eine starke Welle mit rund 440.000 Fällen gegeben.


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