Coronavirus: "Schocktherapie" in Italien mit Folgen für Österreicher

Ganze Regionen in Norditalien sind abgeschottet, Südtirol setzt Maßnahmen – und das alles wirkt sich auf Österreich aus. Der Verkehr in Richtung Italien hat deutlich abgenommen, Tausende Österreicher sind in Norditalien betroffen.

Von den Folgen der Epidemie waren in Italien auch Gefängnisse betroffen.
© CARLO HERMANN

Rom, Wien – 110.041 Menschen haben sich laut Johns Hopkins Universität bisher mit dem neuen Coronavirus infiziert, 112 laut Gesundheitsministerium in Österreich. Italien hat sich im Kampf gegen die Verbreitung eine "Schocktherapie" mit weitreichenden Sperren verordnet. Das Verkehrsaufkommen von Österreich in Richtung Italien ist in den vergangenen Tagen bereits deutlich zurückgegangen, meldete die Asfinag.

Im Raum Norditalien sind derzeit rund 4.000 Österreicher von den Maßnahmen betroffen, die von den italienischen Behörden gesetzt worden sind, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Das sagte der Sprecher des Außenministeriums, Peter Guschelbauer, auf APA-Anfrage. Urlauber, die in ihre Heimat zurückkehren wollen, sollten damit vorerst keine Probleme haben. Im Moment habe man keine Informationen, "dass es Schwierigkeiten beim Rauskommen gibt".

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Strafrechtliche Folgen für Menschen, die Sperrzonen verlassen

Norditalienern, die die Sperrzone in der Lombardei und in anderen 15 norditalienischen Provinzen ungerechtfertigt verlassen, drohen dagegen strafrechtliche Folgen. Wie Italiens Regierungschef Giuseppe Conte betonte, sind Ausnahmen nur bei nachgewiesenen dringenden beruflichen oder familiären Verpflichtungen und in gesundheitlichen Notfällen vorgesehen.

Conte kündigte an, die Absperrung weiter Regionen im Norden des Landes werde nicht die letzte Maßnahme gegen das Virus sein. "Wir werden eine massive Schocktherapie anwenden. Um aus dieser Krise herauszukommen, werden wir alle menschlichen und wirtschaftlichen Mittel aufbringen", sagte er der Zeitung "La Repubblica". Italien hat 7.375 bestätigte Infektionen und 366 Todesfälle durch das Coronavirus gemeldet. Es ist die zweithöchste Zahl von Todesfällen nach China, wo die Epidemie im Dezember ausgebrochen war.

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Ärzte fühlen sich an Kriegssituation erinnert

Ärzte in der Sperrzone beklagten unterdessen chaotische Zustände in den mit Coronavirus-Patienten überfüllten Krankenhäusern. "Wie in Kriegssituationen entscheidet man je nach Alter und Gesundheitslage über die Therapie", sagte der Anästhesist Christian Salaroli im Gespräch mit der Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera. Viele Kollegen würden unter dieser Situation leiden.

In italienischen Strafanstalten ist eine Revolte aus Protest gegen Restriktionen aufgrund der Coronavirus-Epidemie ausgebrochen. Bereits in 27 Gefängnissen des Landes kam es zu gewaltsamen Unruhen. In Modena starben dabei sechs Insassen. Weitere vier Sträflinge in Modena kamen in kritischem Zustand ins Krankenhaus. Drei Gefängniswächter und sieben Sanitäter wurden leicht verletzt. 50 Insassen flüchteten von der süditalienischen Strafanstalt von Foggia.

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Im österreichischen Strafvollzug hat man unterdessen auf die jüngsten Entwicklungen in der Corona-Krise und den Anstieg der Infektionen mit SARS-CoV-2 reagiert. In der Justizanstalt Wien-Josefstadt – mit durchschnittlich 1.150 Insassen das größte Gefängnis des Landes – wurden weitere Präventivmaßnahmen gesetzt.

Mehr als Tausend mit SARS-CoV-2 Infizierte in Deutschland

In Deutschland hat die Zahl der nachgewiesenen Infektionen mit dem Coronavirus die Tausender-Marke überschritten. Das Robert-Koch-Institut in Berlin meldete am Montag insgesamt 1.112 Infizierte, nachdem es am Sonntag noch 902 Fälle gewesen waren. In Köln wurde wegen eines mit dem Virus infizierten Soldaten ist eine Kaserne geschlossen worden.

In der spanischen Ortschaft Labastida nahe der Hauptstadt im Baskenland, Vitoria, schließen die Behörden die Schulen für mindestens 14 Tage. In der Region wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörden nahezu 150 Virus-Infizierte bestätigt. In ganz Spanien wurden 999 Fälle gemeldet, die meisten davon in zwei Gebieten um Madrid und in der Umgebung von Vitoria.

Tschechien hat laut Zeitungsbericht mit Kontrollen von Einreisenden an den Grenzen zu Österreich und Deutschland begonnen. Seit Montag um 7.00 Uhr messen Feuerwehrleute mit Atemschutzmasken an zehn ausgewählten Grenzübergängen stichprobenartig die Körpertemperatur. Unterstützt werden sie dabei von Polizei und Zoll.

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Johnson: Noch Eindämmungsphase, Virus wird sich ausbreiten

Der britische Premierminister Boris Johnson hat nach eigenen Angaben eine Krisensitzung abgehalten, in der eine Reihe von Maßnahmen zur Eindämmung und Verlangsamung des Coronavirus-Ausbruchs besprochen wurden. Man befinde sich noch in der Eindämmungsphase, aber müsse jetzt akzeptieren, dass sich das Virus erheblich ausbreiten werde.

Der stark betroffene Iran ließ wegen des Coronavirus-Ausbruchs rund 70.000 Gefangene frei. Die Zahl der Infizierten im Iran stieg binnen 24 Stunden um 595 auf 7.161, die Zahl der Virus-Toten um 43 auf 237.

Entwicklung der Covid-19-Epidemie.
© APA

Situation in China und Südkorea entspannt sich vorerst

China und Südkorea meldeten unterdessen einen Rückgang der Neuinfektionen. Aus China außerhalb der Provinz Hubei, wo die Epidemie ausgebrochen war, wurden am Montag den zweiten Tag in Folge keine neuen Ansteckungen berichtet. Südkorea, das nach China am stärksten betroffene asiatische Land, meldete 165 neue Infektionen und damit die wenigsten seit elf Tagen sowie einen neuen Todesfall. Damit stieg die Zahl der Ansteckungen auf 7.478 und die der Toten auf 51.

59 Österreicher sitzen auf der zu den Malediven gehörenden Insel Kuredu fest, da in ihrem Hotel bei mehreren italienischen Gästen Verdacht auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus besteht. Die Quarantäne dürfte für 14 Tage gelten. Die Regierung der Malediven hat dem Außenministerium in Wien zufolge signalisiert, die Kosten zu übernehmen. (APA/Reuters/dpa/AFP)


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