Asselborn will Aufnahme von Kindern aus griechischen Lagern konkretisieren

Der luxemburgische Migrationsminister will die Aufnahme unbegleiteter Minderjähriger aus den griechischen Insellagern vorantreiben. Das Coronavirus könnte die Initiative aber gefährden.

Flüchtlingskinder im heillos überfüllten Camp Moria auf Lesbos.
© LOUISA GOULIAMAKI

Brüssel, Wien – Der luxemburgische Minister für Immigration und Asyl, Jean Asselborn, wünscht, dass die von mehreren EU-Ländern geplante Aufnahme von unbegleiteten Minderjährigen aus Flüchtlingscamps auf den griechischen Inseln in den nächsten Tagen konkretisiert wird. "Ich hoffe nur, dass wegen des Virus (Corona-, Anm.) nicht alles wieder gestoppt wird", sagte Asselborn vor Beginn des EU-Innenrates am Freitag.

Asselborn zufolge leben rund 1000 Kinder und Jugendliche "in sehr sehr prekärer Situation" auf den griechischen Inseln. In ganz Griechenland seien es ungefähr 5000. "Sieben, acht EU-Länder möchten anpacken" und haben sich laut dem Außenminister zu deren Aufnahme bereit erklärt. Dies sei ein Weg, wie man Griechenland helfen könne, "nicht nur mit Geld, sondern auch mit Tat", sagte Asselborn in Brüssel.

Keine Kriterien zur Auswahl der Kinder

Er sei mit dem UNO-Flüchtlingshilfswerk und den griechischen Behörden in Kontakt. Kriterien für die Auswahl der aufgenommenen Kinder und Jugendliche gebe es keine. Neben Luxemburg sind Deutschland, Frankreich, Finnland und andere EU-Staaten zur Übernahme der Betroffenen bereit.

Dass sich Kroatien wie in Aussicht gestellt jenen EU-Ländern anschließen werde, die unbegleitete Minderjährige aufnehmen wollen, ließ der kroatischen Innenminister Davor Bozinovic am Freitagmorgen offen und wies auf die Tatsache hin, dass sich das Coronavirus "über ganz Europa verbreite". Damit sei eine "komplett unerwartete Situation" eingetreten.

📽 ORF-"Report" | Angespannte Lage an türkisch-syrischer Grenze:

Die niederländische Migrationsministerin Ankie Broekers-Knol betonte, man müsse die Aufnahme von minderjährigen Migranten in Zusammenhang mit dem EU-Flüchtlingsdeal mit der Türkei sehen. Es sei äußerst wichtig, diesen aufrecht zu erhalten. Broekers-Knol sprach sich erneut gegen eine Aufnahme von Kindern aus. Die Niederlande unterstützten Griechenland aber in jeder Hinsicht. Das Coronavirus bezeichnete die Migrationsministerin als eine "sehr ernste Pandemie" und es gelte, in jeder Hinsicht wachsam zu sein.

Nehammer wegen Coronavirus-Krise bei Treffen

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) war wie mehrere seiner Amtskollegen aufgrund von "dringlichen Verpflichtungen" infolge der Coronavirus-Krise dem Innenministertreffen ferngeblieben. Die Eindämmung des Coronavirus und die Situation an der EU-Außengrenze zu der Türkei sind die Hauptthemen des Rates am Freitag. Österreich lehnt eine Aufnahme von weiteren Flüchtlingen ab. (APA/dpa)


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