Der neue Zar, sein Reich und sein Erzfreund

Zum 20. Jahrestag seiner ersten Wahl zum Präsidenten Russlands bringt der deutsch-französische Kulturkanal ARTE am kommenden Dienstag drei Dokumentarfilme über Putin am Stück.

Der deutsch-französische Kulturkanal Arte widmet Wladimir Putin einen Themanabend.
© Kremlin Pool via www.imago-images.de

Innsbruck –Bei seinen Plänen für die Zukunft kann sich Kremlchef Wladimir Putin glücklich schätzen, dass das russische Fernsehen niemals einen Themenabend wie diesen bei Arte bringen würde. Zum 20. Jahrestag seiner ersten Wahl zum Präsidenten Russlands bringt der deutsch-französische Kulturkanal am kommenden Dienstag drei Dokumentarfilme über Putin am Stück. Es geht – in bisher unveröffentlichten Filmaufnahmen – um Russlands Informationskrieg mit Trollen und Staatsmedien gegen den Westen und um das Verhältnis zu den USA. Kaum vorstellbar, dass Der Doku-Reigen könnte kaum besser in die russische Aktualität passen.

Putin zieht gerade die größte Verfassungsänderung der russischen Geschichte durch. Dadurch kann der 67-Jährige über das Jahr 2024 hinaus an der Macht bleiben.

Diese politische Entwicklung in Russland ist zu frisch, als dass sie der Arte-Abend einfangen könnte. Aber Vitaly Manskys Film „Putins Zeugen“ (23.25 Uhr) passt trotzdem punktgenau. Mansky kam Putin 2000 so nah, wie wenige Menschen seither – und zeigt, wie Putin im Zuge von Terroranschlägen auf Moskauer Wohnhäuser an die Macht kam, seine Gegner loswurde und sich etwa das Fernsehen als Machtinstrument unterwarf. Das Fazit ist düster. Die Menschen hätten sich „zu Geißeln eines Mannes gemacht, der uns eine helle Zukunft verhieß, die sehr stark an die finstere Vergangenheit erinnert“. Mansky – einst leiter des Moskauer Dokumentarfilm-Festivals – lebt mittlerweile im Exil.

Wie effektiv Putins Staatsmedien-Apparat heute arbeitet, zeigt der Franzose Paul Moreira in seiner Reportage „Propaganda 3.0“ (21.45 Uhr). Moreira blickt hinter die Kulissen des Senders Russia Today, spricht mit Hackern und ehemaligen Mittarbeiter einer Petersburger Troll-Farm.

Ganz am Anfang des Abends steht die Erstausstrahlung der Doku „Erzfreunde Trump und Putin“ von Maarten van der Duin. Der Film könnte in der Stoßrichtung, wenn auch nicht mit allen Akteuren, wohl so im russischen Fernsehen laufen. Der sehr um Ausgewogenheit bemühte Film zeichnet das besondere Verhältnis von Putin und US-Präsident Donald Trump nach. Es ist eine Zeitreise, die mit euphorischer Hoffnung auf eine Besserung der russisch-amerikanischen Beziehungen begann – und mit Ernüchterung und Enttäuschung endete. (dpa, TT)


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