Zwangspause für die WSG Tirol: Wahre Werte fern der Kugel

Ungewollte Freizeit statt Abstiegskampf in der heimischen Bundesliga – Cheftrainer und Spieler der WSG Swarovski Tirol nutzen die Zeit mit der Familie und in der Natur.

WSG-Flügel Fabian Koch nutzte die freie Zeit mit Sohn Jonas auch für Inspektionen beim im Bau befindlichen Eigenheim.
© Koch

Von Alex Gruber

Innsbruck, Wattens – Normalerweise hätte am gestrigen Samstag um 17 Uhr mit dem Tivoli-Heimspiel gegen Schlusslicht St. Pölten die Qualifikationsrunde für die WSG Tirol begonnen. Der Coronavirus setzt den (inter-)nationalen Fußball aber ja für Wochen außer Gefecht. Und keiner weiß, wie und ob es überhaupt weitergeht.

„Wir waren zuletzt auf einem richtig guten Weg und sind Stand jetzt nach 22 Runden über dem Strich“, meldet sich Stefan Maierhofer zu Wort. Der „Major“ genießt das spielfreie Wochenende inklusive Montag bei seinen Eltern in Niederösterreich und lässt sich von seiner Mutter auch mit Kuchen „verwöhnen“: „Ich genieße die Zeit“, sagt der 37-jährige Routinier, der in den Spielabsagen die „einzig richtige Entscheidung“ sah, „um weitere Ansteckungen zu unterbinden“. Das Heimprogramm, das den WSG-Kickern über Kondi-Coach Johannes Grünbichler zugespielt wird, spult er in aller Routine ab.

>>> Live-Blog: Die Auswirkungen des Coronavirus auf den Fußball

„Es werden Laufeinheiten mit spielähnlichen Intensitäten“, erklärt Coach Thommy Silberberger die Heimarbeit. Den waschechten Wörgler Bauernbuam, wie er sich selbst gerne nennt, zieht es in die Berge: „Da bin ich auch daheim. Natürlich wäre ich lieber am Platz oder im Stadion, aber man muss die Situation akzeptieren.“ Dass auch im eigenen Vereinsumfeld eine Ansteckung mit dem Coronavirus passieren könne, schließt Silberberger nicht aus, den Spielern habe man ans Herz gelegt, die Freizeit besser im kleineren Kreis zu nutzen.

TT-ePaper gratis testen und 20 x € 100,- Einkaufsgutscheine gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch

Labrador Lion zaubert WSG-Routinier Benni Pranter auch an schweren Tagen wie diesen ein Lächeln ins Gesicht.
© Pranter

Der kleinere Kreis hat bei Rechtsverteidiger Fabian Koch einen magischen Anziehungspunkt, der Jonas heißt und vier Monate alt ist. Der „Kochi“ nimmt natürlich seinen Stammhalter in den Arm. „Eine Runde laufen gehe ich sowieso“, diktiert der Natterer, der seine Muskeln auch an anderer Stelle auf der hauseigenen Baustelle betätigt: „Vielleicht kann ich am Wochenende wieder ein bisschen zupacken.“

WSG-Routinier Benni Pranter hat schon seit eineinhalb Jahren einen Freund, der ihm auch abseits des Rasens das Leben versüßt. Labrador Lion fordert Bewegung ein, in ein paar Wochen wird’s noch bunter: Da stellt sich im Hause Pranter um Freundin Diana der erste Nachwuchs ein. „Dann beginnt der Ernst des Lebens“, lacht der Linksfuß und hofft, dass alle im WSG-Lager gesund bleiben.

Das nächste Training wäre für Dienstag geplant, einige halten auch ein Saisonende nach dem Grunddurchgang für möglich. „Wir sind das einzige Land mit einer vollständigen Tabelle“, führt Silberberger auf Platz zehn liegend aus. St. Pölten ist zur Stunde Letzter. Der viel wichtigere Kampf um die Gesundheit ist jener, den man gemeinsam bestreitet.


Kommentieren


Schlagworte