Ausgangssperre wegen Coronavirus: Tiroler Polizei straft nur "ganz Unbelehrbare"

Die seit Sonntag geltenden Ausgangssperren in Tirol werden von der Bevölkerung gut angenommen. Die Polizei setzt auf Aufklärung und will nur im äußersten Notfall strafen.

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Viele Tiroler halten sich bereits an die verordneten Maßnahmen. Die Polizei will nur im äußersten Notfall strafen.
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Innsbruck/Österreich-weit – Die erste Nacht und der erste Morgen mit der De-facto-Ausgangssperre in Tirol ist laut Polizei "sehr ruhig verlaufen". Die Bevölkerung würde sich an die Vorgaben halten, sagte Manfred Dummer, Leiter der Tiroler Polizeipressestelle. Die Exekutive setze auf Information und Aufklärung sowie vermehrte Streifen, auf Strafen verzichte man – "außer für ganz Unbelehrbare".

Strafen bis zu 3600 Euro drohen

Ab Montag gelten Verwaltungsstrafen bei Zuwiderhandeln: Sollten sich Gruppen der Aufforderung zur Auflösung widersetzen, drohen laut Bundeskanzleramt Strafen bis zu 2180 Euro, im Falle des Negierens von Betretungsverboten (etwa Spielplätzen) bis zu 3600 Euro. Die Regierung hofft aber auf die Vernunft der Bevölkerung, wurde betont.

Von komplett leer gefegten Straßen konnte Montagfrüh etwa in der Landeshauptstadt Innsbruck zwar keine Rede sein, es waren aber beträchtlich weniger Menschen und Autos zugegen als an "normalen" Tagen. Man habe keine "Checkpoints" errichtet, um dort die Menschen reihenweise abzufragen und zu kontrollieren, berichtete Dummer. Punktuell würden Personen befragt, ob sie etwa in der Stadt gerade einer Arbeit nachgehen oder dringliche Erledigungen des täglichen Lebens, sprich Einkäufe, tätigen. Bestätigungen des Arbeitgebers seien aber keine erforderlich. Es gehe einfach darum, dass Befragte die Ausnahmen von der Ausgangssperre glaubhaft machen können.

Vermehrt Streifen im Einsatz

"Nur in letzter Konsequenz", bei ganz offensichtlichem Zuwiderhandeln, greife man zu Strafen. "Etwa wenn im öffentlichen Raum eine Party gefeiert wird", so der Leiter der Polizeipressestelle. Oder sich jemand mehrmals den polizeilichen Anordnungen widersetzt.

Ähnlich wie in der Landeshauptstadt verfahre man im restlichen Tirol. Auch dort seien vermehrt Streifen im Einsatz. Das jeweilige Bezirkspolizeikommando plane die Einsätze individuell bzw. lageangepasst.

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Lokale bleiben geschlossen, die Innenstadt ist deshalb fast wie ausgestorben.
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Ressourcen hat die Polizei laut Dummer derzeit ausreichend zur Verfügung. Bei den Kontrollen an den Grenzübergängen werde man durch das Bundesheer unterstützt – also würden Kräfte frei, um den "internen öffentlichen Raum" zu bestreifen. 2300 Exekutivbeamte und 200 Vertragsbedienstete stünden insgesamt in Tirol zur Verfügung.

"Präzisierung" zu schärferer Verordnung in Tirol erwartet

In punkto Erlaubnis für Spaziergänge verwies Dummer noch auf die in dieser Hinsicht in Tirol geltende, schärfere Verordnung. Man erwarte aber im Laufe des Tages entsprechende "Präzisierungen". Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte Sonntagabend davon gesprochen, dass es eine bundesweit einheitliche Regelung gebe und die Beschränkungen der Bewegungsfreiheit in Tirol nicht strenger sind als in den anderen Bundesländern. Für die Tiroler würde das bedeuten, dass sie etwa spazieren gehen dürfen – allerdings nicht in Gruppen, sondern alleine oder mit den Menschen, mit denen man zusammenlebt.

Indes gab es Montagfrüh in Tirol, wo seit vergangener Woche Grenzkontrollen etwa am Brenner durchgeführt werden, nur ein mäßiges Pkw-Verkehrsaufkommen. Staus wurden keine gemeldet, der Lkw-Verkehr konnte gut fließen. Auch auf der Inntalautobahn (A12) fuhren hauptsächlich Schwerfahrzeuge, jedoch setzte laut Polizei auch der Pkw-Verkehr vermehrt ein. "Das liegt daran, dass die Menschen, die zur Arbeit müssen, vermehrt auf das Auto zurückgreifen und nicht die öffentlichen Verkehrsmittel benützen", meinte Dummer. (TT.com, APA)

In ganz Tirol sind zur Zeit vermehrt Polizeistreifen unterwegs.
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