Netflix & Co. stoppen Dreharbeiten: Coronavirus gefährdet Serien-Nachschub

Wenn draußen nichts mehr geht und man zum Drinbleiben angeordnet wird, ist der Griff zur Fernbedienung nicht mehr weit. TV- und Streaming bleiben da als eine der wenigen Unterhaltungsmöglichkeiten. Doch wegen des Coronavirus könnte auch bei Netflix & Co. der Nachschub versiegen.

Als Alternative für den Kinogang wird sich gerade in nächster Zeit noch stärker das Streaming platzieren.
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Los Angeles – Während das Coronavirus zuletzt für einige Kinostartverschiebungen sorgte, stehen nun auch bei immer mehr Film- und Serienproduktionen die Kameras still. So etwa beim Streaminganbieter Netflix, der die Dreharbeiten für rund 70 Filme und Serien in ganz Nordamerika eingestellt hat. Davon betroffen sind u.a. die vierte und letzte Staffel der Mysteryserie „Stranger Things“ und die 5. Staffel von „Lucifer“.

Die Pause beginnt am Montag und gilt zunächst bis Ende des Monats. Inwiefern Seriendrehs auf anderen Kontinenten ebenfalls gestoppt werden, will Netflix von Fall zu Fall, also je nach Gefährdungslage in dem jeweiligen Land, entscheiden. Aktuell finden beispielsweise die Dreharbeiten zur 2. Staffel von „The Witcher“ in Großbritannien statt.

Stopp könnte noch länger dauern

Die Dreharbeiten zu „Red Notice“, dem teuersten Netflix-Film aller Zeiten, mussten indes verschoben werden, da in Italien derzeit nicht gedreht werden kann. Inwiefern sich dieser Zwangsurlaub auf die anvisierten Veröffentlichungstermine auswirkt, ist bisher nicht klar, zumal der verhängte Stopp noch viel länger als die anvisierten zwei bis drei Wochen anhalten dürfte.

Aktuell deutet aber vieles darauf hin, dass die Corona-Pandemie längere Drehunterbrechungen erfordern dürfte, sodass nach den Absagen vieler Kinostars für März und April (siehe Factbox weiter unten) auch diverse Startpläne für Ende des Jahres und 2021 noch einmal kräftig durcheinandergewirbelt werden.

Auch AppleTV+ hat viele aktive Dreharbeiten pausiert. Betroffen sind die Serien „See", „Servant", „For All Mankind" sowie Mythic Quest". Die Disney-Produktion „The Falcon And The Winter Soldier" stellte die Dreharbeiten in Prag ein. Die Drehs der zweiten Staffel von „The Morning Show" mit Jennifer Aniston und Reese Witherspoon, die ebenfalls via Apples Streamingdienst produziert wird, sind ebenfalls vorerst ausgesetzt. Bei Amazon Prime gilt selbes Spiel für die Serie „Carnival Row" mit Orlando Bloom.

Auch Disney stellte alle Filmproduktionen ein

Die Streamingdienste schließen sich damit dem Gros der großen Konzerne an. Zahlreiche Hollywood-Studios haben bereits die Drehs von Kinofilmen gestoppt. Weit mehr als 100 Film- und Seriendrehs allein von den großen US-Konzernen pausieren nun erst einmal, dazu gehören etwa die neuen Episoden von „Mission Impossible" oder „Jurassic World".

Auch Disney und Universal haben bereits ausnahmslos all ihre Produktionen eingestellt. Bei Disney betrifft dies zum Beispiel die Realverfilmung von „Arielle“, „The Last Duell“ mit Matt Damon und Ben Affleck, die Marvel-Produktion „Shang-Chi and The Legend of the Ten Rings“, den Reboot von „Kevin – Allein zuhaus“ und die Fortsetzung von „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“.

Währenddessen scheint man bei Warner Bros. zumindest im Hinblick auf die Filmproduktionen noch weitermachen zu wollen. Wie Slashfilm berichtet, laufen die Kameras bei „The Batman“, „Matrix 4“ und „Phantastische Tierwesen 3“ weiter. Es bleibt abzuwarten, wie lange dies noch der Fall sein wird.

Zwangsurlaub auch für Grey's Anatomy & Co.

Indes ergreifen TV-Sender ähnliche Maßnahmen wie die Filmstudios. So pausieren derzeit auch die Dreharbeiten von „Grey's Anatomy“, „Young Sheldon“, „The Blacklist“, „The Flash“, „Supernatural“, „Fear the Walking Dead“, „Chicago Fire/Med/P.D“ für mindestens drei Wochen.

Bei FX sind unter anderem die Arbeiten an der vierten Staffel von „Fargo" und „Snowfall" unterbrochen, bei The CW hat es derzeit „The 100", „Batwoman", „Dynasty", „The Flash", „Riverdale“ und „Supergirl" erwischt.

Und auch die Pilotseason der großen Networks wird voraussichtlich nicht wie geplant über die Bühne gehen können. Bis dato ist von den 55 bestellten frischen Serien nur einer bereits abgedreht worden.

20 Milliarden Dollar Verlust befürchtet

Die Folgen der Ausfälle der Branche sind massiv. Einem Bericht von Hollywood Reporter zufolge könnte sich der finanzielle Verlust an den Kinokassen auf bis zu 20 Milliarden US-Dollar belaufen. 2019 flossen noch mehr als 42 Milliarden Dollar in Hollywoods Kassen.

Abgesagt ich auch schon die jährliche Fachmesse CinemaCon, bei der die FIlmtheaterbranche Ende März in Öas Vegas die neuesten Hollywoodprojekte vorstellt. Auch die renommierten Filmfetivals Tribeca in NY und das Internationale Film Festival in San Francisco (beide für April geplant) sind abgesagt worden. Das sind schlechte Vorboten für Cannes, wo die 73. Filmfestspiele Mitte Mai (noch) auf dem Plan stehen. Eine Absage würde die schon kränkelnde internationale Branche schwer treffen.

Diese Kinostarts wurden bisher verschoben

007 war der erste, der wegen der Epidemie das Feld räumen musste, weitere folgten:

James Bond – Keine Zeit zu sterben | verschoben von 31. März auf 12. November

Mulan | verschoben von 26. März auf unbekannt

Fast & The Furious | verschoben von Mai 2020 auf April 2021

A Quiet Place 2 | verschoben von 19. März bis unbekannt

Peter Hase 2 | verschoben von 26. März auf 30. Juli

Undine | verschoben von 26. März auf 11. Juni

Jean Seberg – Against All Enemies | verschoben von 26. März auf unbekannt

Lucy in the Sky | verschoben von 2. April auf unbekannt

Downhill | verschoben von 9. April auf unbekannt

Marie Curie – Element des Lebens | verschoben von 9. April auf unbekannt

New Mutants | verschoben von 16. April auf unbekannt

Greyhound | verschoben von 7. Mai auf 25. Juni

Antlers | verschoben von 4. Juni auf unbekannt


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