Dopfer im Abschieds-Interview: „Ich gehe nicht im Unfrieden“

Mit 32 Jahren beendet der für Deutschland fahrende Tiroler Fritz Dopfer seine Ski-Karriere. Der Vize-Weltmeister von 2015 trauert der Szene nicht nach.

Fritz Dopfer blickt auf eine bewegende Karriere zurück.
© GEPA pictures/ Mathias Mandl

Herr Dopfer, Sie haben ausgerechnet Freitag, den 13., zur Verkündung Ihres Karriereendes gewählt. Steckt da mehr dahinter?

Fritz Dopfer: Das war nicht bewusst gewählt (lacht). Ich habe eine Zeit lang gebraucht, bis ich mich mit dem Thema Karriereende abfinden konnte. Der Skisport war bisher mein Leben, und ich hänge extrem daran. Aber die körperlichen Probleme ziehen sich jetzt schon seit November 2016 dahin (Schien- und Wadenbeinbruch beim Training im Zillertal, Anm.). Es kamen immer wieder neue Sachen dazu – und ab Ende Dezember war dann der Zeitpunkt erreicht, wo es nur noch schlechter wurde. Ich habe das Vertrauen in meinen Körper verloren. Und im Slalom-Monat Jänner waren das die denkbar schlechtesten Voraussetzungen. Da war es so nicht mehr möglich, weiterzumachen.

Wie oft wollten sie die Ski in die Ecke schmeißen?

Dopfer: Ich habe nie gleich alles in Frage gestellt. Die Liebe zum Skisport war ungebrochen, sie ist es immer noch. Ich wollte heuer wieder im Riesentorlauf oder Slalom unter die Top 30 – dieses Ziel habe ich nicht erreicht. Die Art und Weise, wie ich das verpasst habe, hat mir zu denken gegeben. Dann kamen die Probleme mit den Adduktoren, dem Rücken, der Patellasehne – das hat sich alles summiert. Irgendwann war klar: Es ist Schluss.

Sie waren Vize-Slalom-Weltmeister 2015, neunmal am Podest. Heuer gab es Platz 21 als bestes Resultat. War das genug, um Sie wieder zu motivieren?

Dopfer: Das war noch einmal ein Lichtblick. Danach habe ich den Riesentorlauf auf der Seite gelassen und mich voll auf den Slalom konzentriert. Es war plötzlich eine extreme Motivation da. Daraus sind die Probleme mit dem Rücken entstanden – das hat mich nicht mehr losgelassen.

Wie schwierig war es zu sagen: Nun ist es vorbei?

Dopfer: Als ich beim Weltcup in Japan gemerkt habe, dass es das war, ging mir das sehr nahe. Ich habe vergangene Woche noch in Garmisch-Partenkirchen trainiert, wollte mich auf mein letztes Rennen in Kranjska Gora vorbereiten. Als ich die Entscheidung hörte, dass das abgesagt wurde, war ich paff. Wow, jetzt ist alles vorbei. Ich werde mir noch oft denken, dass es doch gegangen wäre. Aber wenn ich an die letzten Jahre zurückdenke, in denen ich alles versucht habe, dann weiß ich, dass die Vernunft gesiegt hat. Ich hoffe, es gibt neue Aufgaben, die mich gleich ausfüllen.

Sie sind in Tirol aufgewachsen und leben in Leutasch, waren bis zum 19. Lebensjahr beim Österreichischen Skiverband (ÖSV), ehe Sie zum Deutschen Verband (DSV) wechselten. Gibt es vielleicht eine Rückkehr zum ÖSV? Als Trainer?

Dopfer: Das kann sein, ich bin offen für alles. Aber das war bis jetzt kein Thema. Die drängendste Frage war: Geht es weiter, oder höre ich auf? Das ist nun abgeschlossen, jetzt gehe ich an die Frage heran, was die Zukunft bringt. Aber ich will dem Skisport definitiv erhalten bleiben.

WM-Silber im Slalom leuchtet am schönsten?

Dopfer: Auf jeden Fall. Aber es hat daneben auch viele positive wie negative Momente in meiner Karriere geben. Die möchte ich im Nachhinein alle nicht missen, es war eine unheimlich schöne Zeit.

Zuerst wurde ihr „Abschiedsrennen“ in Kranj­ska Gora (SLO) abgesagt, nun bestimmt das Thema Coronavirus die Medien. Hätten Sie sich gewünscht, dass Ihr Karriereende etwas stärker beachtet verlaufen wäre?

Dopfer: Nein. Ich bin jemand, der klar und offen kommuniziert, wenn er eine Entscheidung getroffen hat. Es bringt nichts, wenn ich jetzt größere Themen vorbeiziehen lasse und danach meinen Rücktritt auf die Agenda setzt. Logisch, ich hätte mir ein Abschiedsrennen gewünscht, aber es gab wichtigere Themen als den Ski-Weltcup. Daher gehe ich sicher nicht im Unfrieden, nur weil man mir vielleicht weniger Beachtung geschenkt hat. Das Thema ist durch, und ich bin mehr als froh, dass es so zu Ende geht.

Wegen der späten Absage der Rennen durch die FIS gab es Kritik. Man hätte früher reagieren sollen. Was meinen Sie dazu?

Dopfer: Danach ist man immer schlauer. Man hätte früher absagen können, das stimmt. Aber, Firmen, Verbände, Athleten, da gibt es viele Interessen. Es war nicht absehbar, dass es sich so schnell so stark in diese gefährliche Spirale hineinentwickelt. Daher kann man der FIS keinen Vorwurf machen.

Man sieht Fritz Dopfer also bei keinem Abschieds-Rennen in der Lederhose, etwa in Garmisch 2021?

Dopfer: Nein, sicher nicht. Für mich ist das Kapitel abgeschlossen. Didier Cuche hat das damals bei seinem Abschied mehr als schön gemacht. Das muss und kann ich ihm nicht mehr so gut nachmachen.

Das Gespräch führte Roman Stelzl


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