Ausgangssperre: Italiener zeigen sich bei Polizeikontrollen erfinderisch

Die italienischen Behörden achten rigoros auf den Einhalt der Ausgangssperre – und müssen sich dabei auch so manche fantasievolle Ausrede anhören. Die Palette reicht vom Drogen-Einkauf bis zur stammesgeschichtlichen Virus-Resistenz.

Mit dem Hund schnell rauszugehen, gilt als dringendes Bedürfnis – Ausreden, warum sie sonst das Haus verlassen müssen, finden die Italiener aber laut Polizei auch genug.
© AFP/Monteforte

Rom – Die italienischen Behörden achten streng darauf, dass die verhängte Ausgangsperre eingehalten wird. 1,2 Millionen Italiener wurden kontrolliert, 53.000 Personen wegen Verstöße gegen die Quarantäne-Vorschriften angezeigt. Bei den Kontrollen müssen sich die Polizisten die fantasievollsten Ausreden von Italienern anhören, die sich ohne guten Grund auf der Straße aufhalten.

Nur aus beruflichen oder dringenden Gründen dürfen die Bürger in Coronavirus-Zeiten auf die Straße, wie etwa um Besorgungen im Supermarkt oder in der Apotheke zu tätigen. Um Menschenversammlungen im Freien zu verhindern, haben die meisten Städte nun Parks und Grünflächen gesperrt. In einigen Regionen ist inzwischen auch das Joggen und das Radfahren untersagt, nachdem in den letzten milden Frühlingstagen Tausende sonnenhungrige Italiener trotz Ausgangssperre ins Freie gestürmt waren.

Wer sich nicht an die Vorschriften hält, verletzt Paragraf 650 des Strafgesetzbuches, der Missachtung von Behördenverordnungen ahndet. Dabei drohen ernst zu nehmende strafrechtliche Folgen: drei Monate Haft oder eine Geldstrafe von bis zu 206 Euro. Um dem zu entgehen, bekommen Polizisten die unglaublichsten Begründungen zu hören, weshalb man trotz Ausgangsperre gerade nicht in den eigenen vier Wänden sitzt. In Recco in Ligurien erklärte ein Autofahrer bei der Polizeikontrolle, er sei von seiner Freundin von zu Hause verjagt worden. Nachforschungen ergaben jedoch, dass die beiden schon seit über einem Jahr gar nicht mehr zusammenleben.

Drogenversorgung von Bozen, Virusresistenz und Friseurbesuch

In Südtirol wurden drei Pustertaler Jugendliche in Bozen und damit außerhalb ihrer Heimatgemeinden erwischt. Auf Nachfrage der Polizisten erklärten sie seelenruhig, sich in der Landeshauptstadt mit Drogen versorgen zu wollen. Sie zeigten sogar eine Präzisionswaage vor, die zur genauen Überprüfung des Gewichts ihres Einkaufs dienen sollte, wie sie den verblüfften Polizisten mitteilten.

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Die Kontrollen betreffen natürlich auch Ausländer. Zwei Nigerianer, die trotz Ausgangssperre in Modena auf der Straße Bier tranken, versicherten den Carabinieri, dass sie gegen den Coronavirus immun seien. „Wir gehören einem Stamm aus der Subsahara an, der virusresistent ist", versicherten die beiden. Die Ausrede ersparte ihnen die Anzeige aber nicht.

Auch Senioren halten sich nicht immer an die strengen Quarantäne-Regeln. Eine ältere Autofahrerin wurde außerhalb ihrer Gemeinde in Treviso angehalten. Sie erklärte den Carabinieri, sie habe einen Termin bei ihrem Friseur. Schade nur, dass die Frisierläden schon seit über einer Woche komplett geschlossen sind. Ein Pensionist wurde in Padua nachts aufgehalten und entschuldigte sich damit, an Schlaflosigkeit zu leiden, falls er vor dem Zubettgehen nicht spazieren gegangen sei.

Viele Italiener leiden darunter, derzeit kaum Sport treiben zu können. Sportanlagen und Schwimmhallen sind geschlossen, aber nicht für alle stellt dies ein Problem dar. In Rom wurden zwei Personen beobachtet, die sich an dem warmen Frühlingstag im Tiber Abkühlung verschafften. In Verona sprangen ein Vater und sein 17-jähriger Sohn in die Etsch, um sich fit zu halten. Das Video mit ihrem Bad im Fluss wurde mehrfach auf Facebook geteilt und kostete die beiden eine Anzeige. (APA)


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