Kein Ende der Krise in Sicht: Italien befürchtet Infektionszuwachs in Mailand

Die Zahl neuer Coronavirus-Fälle verdoppelte sich in der lombardischen Metropole von 318 auf 638, was Sorge unter den Behörden auslöst. Zur Einhaltung der Ausgangssperre werden in Mailand 114 Soldaten eingesetzt. Vor den Supermärkten bilden sich lange Schlangen.

Soldaten und freiwillige Helfer vor einem neu eingerichteten Krankenlager in Mailand. Bisher blieb die Stadt zum Teil von der Epidemie verschont.
© AFP/Medina

Rom – Die italienischen Gesundheitsbehörden befürchten einen starken Zuwachs an Coronavirus-Infektionen in der Stadt Mailand, die bisher im Vergleich zum Rest der Lombardei von der Epidemie zum Teil verschont geblieben ist. Die Zahl neuer Infektionsfälle verdoppelte sich in der lombardischen Metropole von 318 auf 638, was Sorge unter den Behörden auslöste.

„Die Auswirkungen eines weiteren Wachstums der Infektionsfälle könnten in Mailand verheerend sein. Die Bürger müssen zu Hause bleiben", sagte der lombardische Gesundheitsbeauftragter Giulio Gallera im Interview mit dem TV-Sender La7. So sprach er sich für eine weitere Reduzierung des öffentlichen Verkehrs in der lombardischen Hauptstadt aus. Mailand wird 114 Soldaten zur Einhaltung der Ausgangssperre einsetzen. Diese sollen Personen aufhalten, die sich trotz Verbots auf der Straße befinden.

„Die Lombardei hat eine unmenschliche Widerstandsfähigkeit in harten Zeiten bewiesen", sagte Gallera. Die Heimisolierung müsse jedoch noch strenger eingehalten werden. In den elf lombardischen Gemeinden, die Ende Februar zur Sperrzone erklärt wurden, weil dort ein Infektionsherd gemeldet wurde, sei die Zahl der neuen Ansteckungen indes auf Null gesunken. „Wenn man eine Gemeinde sperrt und die Leute nicht auf die Straße gehen, sind die Resultate dieser Maßnahmen sichtbar", meinte Gallera.

Weiterer Anstieg bei Todesfällen in Lombardei gemeldet

Die von der Coronavirus-Epidemie schwer betroffene norditalienische Region Lombardei beklagte am Freitagnachmittag schließlich einen weiteren Zuwachs sowohl bei den Todesopfern, als auch bei jener der Neuinfizierten. "Die Zahlen steigen weiterhin an", sagte der lombardische Präsident Attilio Fontana, der die Regierung in Rom zu einer Verschärfung der Ausgangssperre aufrief.

TT-ePaper testen und eine von drei Cookit Küchenmaschinen gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

"Wenn die Regierung nicht auf uns hört, werden wir im Rahmen unserer Kompetenzen selber weitere Maßnahmen ergreifen", sagte Fontana bei einer Pressekonferenz am Freitag in Mailand. Der lombardische Präsident sprach sich für einen Stopp von Sport im Freien aus. Alle Büros und die Baustellen sollen geschlossen werden, um eine Verbreitung der Epidemie zu verhindern. Auch der öffentliche Verkehr soll weiterhin heruntergefahren werden.

Lange Schlangen vor den Supermärkten, Menschen mit Koffern

Aus Sorge vor einer weiteren Verschärfung der Ausgangssperre wegen der Coronavirus-Krise haben sich am Freitag vor den Supermärkten vieler Großstädte in Italien lange Schlangen gebildet. Vor allem in Mailand stellten sich unzählige Bürger vor den Eingängen der Supermärkte an, wo strikte Regeln in Sachen Abstand zwischen den Kunden eingehalten werden müssen.

Notizie Oggi postet auf Twitter dieses Bild:

Viele Familien befürchten Engpässe bei der Warenlieferung und Einschränkungen bei den Ausgangsmöglichkeiten und besorgten sich deshalb Lebensmittel für mehrere Tage, berichteten italienische Medien. Einige Kunden hatten in Mailand sogar Koffer dabei, um so viele Lebensmittel wie möglich nach Hause mitzunehmen. Auch in Rom gab es längere Schlangen vor den größten Supermärkten.

Erwartet wird, dass die italienische Regierung an diesem Wochenende weitere Maßnahmen zur Eingrenzung der Epidemie ergreift. (APA/TT.com)


Kommentieren


Schlagworte