Experten hoffen, dass Maßnahmen in Tirol bis Ende dieser Woche wirken

Tirol beklagt die ersten beiden Todesfälle, zunehmend sind ältere Menschen in Tirol vom Coronavirus betroffen und müssen stationär behandelt werden. Die Bettenkapazitäten in den Spitälern reichen derzeit aus.

Ein wunderbares Zeichen der Wertschätzung „für die wahren Helden“: das Transparent für Ärzte, Pfleger und Hilfsorganisationen in der Innsbrucker Klinik.
© Rudy de Moor

Innsbruck – Jede Einschätzung ist derzeit eine Gratwanderung: Doch der Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin an den Tirol Kliniken, Günter Weiss, erklärte am Montag, dass sich die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamt habe. Nicht mehr und nicht weniger. 1056 Menschen in Tirol haben sich derzeit infiziert, zunehmend seien jetzt ältere Personen davon betroffen. Deshalb appellierte Weiss eindringlich, die von Bund und Land verordneten Beschränkungen im öffentlichen Leben einzuhalten.

Obwohl der Großteil der Infizierten nur leichte Krankheitssymptome aufweist und sich in Heimquarantäne befindet, sind zwei Patienten in Tirol gestorben. Ein 78-jähriger Hochrisikopatient aus St. Anton ist nach einer längeren Krankheit gestorben, er hatte sich zuletzt mit dem Virus infiziert. Eine Mitursache am plötzlichen Ablebens des schwer herzkranken Mannes durch das Coronavirus kann letztlich nicht ausgeschlossen werden.

Nach ihrer Verlegung vom Krankenhaus St. Johann in die Innsbrucker Klinik ist dort eine 86-jährige Corona-Patientin an den Folgen der Viruserkrankung gestorben. Die Frau zählte wegen ihrer Vorerkrankungen und einem beeinträchtigten Immunsystem ebenso zur Risikogruppe und konnte nicht gerettet werden.

Für Weiss ist es weiterhin vorrangiges Ziel, dass das Gesundheitssystem nicht kollabiert. Derzeit gibt es ausreichend Bettenkapazitäten, auch für Patienten, die intensivmedizinisch betreut werden müssen. „Nur ein geringer Teil kommt ins Krankenhaus. Wir haben derzeit 25 Erkrankte in stationärer Behandlung an der Klinik Innsbruck und weitere sechs werden auf der Intensivstation betreut.“ Weiss hofft, „dass die restriktiven Maßnahmen bis Ende der Woche Wirkung zeigen“. Der Bettenbedarf werde in den nächsten ein bis zwei Wochen trotzdem steigen, erwartet er.

„Nur ein geringer Teil kommt ins Krankenhaus. Aber zunehmend kommen jetzt ältere Patienten.“ Günter Weiss
 (Direktor Innere Medizin)
© MUI/D.Heidegger

Um die optimale Versorgung der Erkrankten zu gewährleisten, die eine Spitalsbehandlung benötigen, hat das Land Notbetten aufgestellt. „Wir haben die Notkrankenstationen schrittweise in Betrieb genommen, um für höhere Fallzahlen gerüstet zu sein“, betonte Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg.

Gesichert ist auch die medizinische Versorgung durch die 1300 niedergelassenen Ärzte und Apotheken, versichern der Präsident der Ärztekammer, Artur Wechselberger, und sein Kollege von der Apothekerkammer, Matthias König. Die Ärzte, Pfleger und das medizinische Personal benötigen allerdings dringend Schutzmasken und -bekleidung. Dieser Engpass dürfte ab heute fürs Erste beseitigt sein. Zwei AUA-Maschinen sind gestern mit 130 Tonnen Material aus China in Wien gelandet, ein Teil davon wurde noch am Abend nach Tirol bzw. Südtirol transportiert. 600.000 von rund zwei Millionen bestellten zusätzlichen Schutzmasken und 2000 der 70.000 Schutzanzüge stehen dem Land Tirol zur Verfügung. „Hier kooperieren wir eng mit Südtirol“, sagt Landeshauptmann Günther Platter.

130 Tonnen Schutzausrüstung aus China wurden nach Wien geflogen und ein Teil weiter nach Tirol transportiert.
© APA/Hochmuth

Es wird mehr getestet

Weiter hochgefahren werden die notwendigen Corona-Tests. In der kommenden Woche können mit den Labor­automaten Cobas 6800 sehr viel mehr Covid-19-Testungen am Tag durchgeführt werden. Bisher wurden insgesamt 7850 Personen in Tirol gestestet.

Zur schnellen Abwicklung von Coronavirus-Verdachtsfällen wurden bis Montag sechs stationäre Screening-Stationen eingerichtet: in Innsbruck am Baggersee, vor den Krankenhäusern St. Johann, Kufstein und Zams, am Parkplatz der Bergbahnen Zettersfeld in Lienz sowie in Schwaz am Parkplatz der Disco Mausefalle. Die Screening-Stationen sind für Privatpersonen aber nur dann aufzusuchen, wenn eine von der Leitstelle in Form von SMS ausgestellte „Überweisung“ vorhanden ist.

Wie sieht es in den anderen Spitälern aus? Das Krankenhaus Zams im Corona-Hotspot-Bezirk Landeck hat ebenfalls noch keine Kapazitätsprobleme bei den Betten. „Derzeit haben wir 46 Coronavirus-Erkrankte stationär aufgenommen, wovon sechs intensivmedizinisch betreut werden“, erklärt der ärztliche Direktor Ewald Wöll. Außerdem arbeite man eng mit der Innsbrucker Klinik zusammen, um notfalls Krankentransfers zu bewerkstelligen. Derzeit verfügt Zams über rund 240 freie Betten, darüber hinaus könnten weitere 20 Beatmungsplätze geschaffen werden.

Von den 49 in Osttirol positiv getesteten Fällen befinden sich zwischenzeitlich eine Patientin auf einer Infektionsstation und ein Erkrankter unbeatmet auf einer Intensivstation. Ihr Gesundheitszustand ist jedoch stabil. (pn)

Nur eine praktische Ärztin für Landeck

Prekär ist die ärztliche Versorgung in Landeck – momentan ist in der Stadt mit knapp 8000 Einwohnern nur noch eine praktische Ärztin mit Kassenvertrag tätig. Ein Arzt befindet sich bis Donnerstag im Urlaub, ein anderer hat seine Ordination wegen Krankheit geschlossen. „Es ist recht hektisch“, bestätigt Dr. Ingrid Mair. Vieles werde telefonisch erledigt. Von Tag zu Tag gebe es aber mehr Corona-Fälle. Die Unterversorgung spürt auch der Zammer Arzt Dr. Hubert Eigl. Die Hälfte seiner Patienten komme aus Landeck. „Ich habe Tag und Nacht Bereitschaft. Die Leute haben Angst, wegen Atemnot muss ich einen Corona-Test machen.“ Inzwischen gibt es eine Ausnahmegenehmigung für Patienten aus Pians, Grins, Stanz und Tobadill. Sie dürfen nun bei dringenden Fällen auch ins Quarantänegebiet zum Arzt nach See fahren. Wenn diese nach Landeck wechseln, würde die Situation noch prekärer, so Mediziner Artur Prem. (mr)


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