Tirols Tourismus verliert 2,3 Milliarden Euro, Bund stockt Hilfe auf

Das Wirtschaftsberatungsunternehmen "Ennemoser Consulting" rechnet für Tirol mit einem Regionaleinkommen-Verlust von vier Milliarden Euro. Bund und Länder haben neue Unterstützungsmaßnahmen beschlossen.

Der geschätzte Rückgang im Tourismus beläuft sich auf fast 30 Prozent und wird Mindereinnahmen von rund 2,3 Milliarden Euro für Tirol nach sich ziehen.
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Wien, Innsbruck – Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie im Tourismus könnten in Tirol Verluste in Milliardenhöhe bedeuten. Das Tiroler Wirtschaftsberatungsunternehmen "Ennemoser Consulting" rechnete vor, dass ein Verlust von 15 Millionen Nächtigungen und vier Milliarden Euro Regionaleinkommen drohe.

Indessen haben Bund und Länder auf Grund die Unterstützung für den Tourismus aufgestockt. Erstes Ziel sei es, die Liquidität in der Branche trotz Umsatzausfällen aufrecht zu erhalten, teilte das Tourismusministerium am Freitag mit. Der Haftungsrahmen für Überbrückungskredite wird dazu von bisher 100 Millionen Euro auf bis zu einer Milliarde Euro erhöht, sechs Bundesländer – darunter auch das Land Tirol - übernehmen dabei die Zinskosten für ihre Betriebe.

Insgesamt 15 Millionen Nächtigungen weniger

Das Tiroler Tourismusjahr 2019/20 sei bis zum Ausbruch des Virus gut gelaufen: Tirol sei "drauf und dran" gewesen, die "50-Millionen-Nächtigungsgrenze" zu durchbrechen. Zwischen November 2019 und Jänner 2020 habe es in Tirol um 583.000 mehr Nächtigungen gegeben - das wäre eine Plus von 5,1 Prozent gewesen.

Ennemoser Consulting stellte eine erste grobe Schätzung an, wonach in der theoretisch noch laufenden Wintersaison ein Rückgang von 5,1 Millionen Nächtigungen und ein Rückgang von 9,6 Millionen Nächtigungen für die kommende Sommersaison erfolgen könnte. Auf das gesamte Tourismusjahr gesehen bedeute das ein Minus von knapp 15 Millionen Nächtigungen. "Dieser geschätzte Rückgang beläuft sich auf fast 30 Prozent und wird Mindereinnahmen von rund 2,3 Milliarden Euro für Tirol bedeuten", hieß es in der Aussendung. Hier seien aber die Ausgaben der Tagesgäste noch gar nicht eingerechnet. "Durch die Verflechtung mit anderen Branchen verringert sich das durch den Tourismus generierte und induzierte Tiroler Regionaleinkommen um über vier Milliarden Euro", so Ennemoser Consulting.

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Die tatsächlichen Auswirkungen könnten aber freilich erst im Nachhinein beurteilt werden - abhängig von der Dauer der Schließungen der Tourismusbetriebe und den Entwicklungen in den Herkunftsmärkten.

Haftungsrahmen für Tourismus auf eine Milliarde Euro erhöht

Um die massiven Einbrüche in der Tourismusbranche abzufedern hat der Bund den Haftungsrahmen für Überbrückungskredite von bisher 100 Millionen Euro - dieser ist Bereits ausgeschöpft - auf eine Milliarde Euro aufgestockt. Zudem übernehmen sechs Bundesländer, darunter eben auch Tirol, dabei die Zinskosten für ihre Betriebe.

Für einen Überbrückungskredit mit Staatshaftung müssen sich die Betriebe an ihre Hausbank wenden. Die Höchstsumme sind 500.000 Euro Kredit pro Betrieb. Das Tourismusministerium übernimmt Bearbeitungskosten und Haftungsprovision, zusammen 1,8 Prozent der aushaftenden Summe. Abgewickelt wird das über die ÖHT (Österreichische Hotel- und Tourismusbank). Zwar müssen die Unternehmen die Zinsen für die Überbrückungskredite selber tragen, aber Tirol, Salzburg, Wien, Steiermark, Kärnten und Burgenland haben zugesagt, für ihre Betriebe die Zinsen für die Überbrückungskredite zu übernehmen.

🛎️ Weitere Corona-Regelungen im Tourismus

  • Inzwischen wurde auch klargestellt ist, dass Tourismusverbände mit entsprechender wirtschaftlicher Tätigkeit Kurzarbeit anmelden können.
  • Die Plattform www.openhotels.at soll Unternehmen, die Unterkünfte in den Bundesländern für Schlüsselarbeitskräfte suchen, mit den noch offenen Hotels zusammenbringen.
  • Der AKM-Lizenzvertrag könne ausgesetzt werden, die ORF-Gebühreneinhebung GIS akzeptiert bei Schließungen von Unternehmen aufgrund der Corona-Krise eine Abmeldung.
  • Abgesehen von spezifischen Hilfen können die Tourismusbetriebe natürlich auch alle allgemein zugänglichen Unterstützungen aus dem 38 Milliarden Euro schweren Hilfspaket der Regierung beantragen. Dazu gehören die eine Milliarde Euro aus dem Härtefonds für Kleinstunternehmen, die 15 Milliarden aus dem Krisenfonds, Steuerstundungen und Kurzarbeit.

Außerdem bietet die ÖHT ihren Kreditnehmern an, die Tilgungen für 2020 zu stunden. Es müssen also nur Zinsen bezahlt aber kein Kapital zurückgezahlt werden. Das könne mit einem einfachen einseitigen Formular auf der ÖHT-Homepage beantragt werden.

Zahlreiche Banken hätten bereits zinsgünstige Zwischenfinanzierungen mit einem Richtwert von 1 Prozent Zinsen versprochen, teilte das Ministerium mit. Die Hausbanken, die den Überbrückungskredit vergeben, müssen allerdings 20 Prozent des Risikos übernehmen, die Staatshaftung gilt für 80 Prozent der Kreditsumme. (APA, TT.com)


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