Gut zu wissen: Was die Tragepflicht von Mundschutz im Supermarkt bedeutet

Um die Ausbreitung des neuen Coronavirus weiter einzudämmen, verhängt die Regierung eine Tragepflicht von Mund-Nasen-Schutz im Supermarkt. Später soll diese Pflicht dann auch auf alle Bereiche ausgeweitet werden, in denen man auf andere Menschen trifft. Was es dazu zu wissen gibt.

Ein Mann und eine Frau mit Schutzmasken in einem Supermarkt.
© HELMUT FOHRINGER

Wien – Die Bundesregierung hat am Montag weitere Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus präsentiert. Am weitreichendsten ist davon wohl die Verpflichtung, beim Supermarkt-Besuch künftig Masken zu tragen. Der Besuch im Supermarkt soll in Zukunft also nur noch mit einem sogenannten Mund-Nasen-Schutz möglich sein.

❓ Woher bekomme ich den Mund-Nasen-Schutz?

Dieser soll vor den Supermärkten ausgeteilt werden. Ohne eine solche Maske werde der Zutritt verwehrt, hieß es seitens der Regierung.

❓ Müssen Kunden die Masken bezahlen?

Nein. Die Pflicht wird für die Kunden keine Kosten nach sich ziehen. Die Masken werden gratis ausgegeben werden, die Kosten müssen von den Handelsunternehmen getragen werden, hieß es am Montagnachmittag aus dem Kanzleramt

❓ Ab wann gilt die Tragepflicht?

Gelten soll diese Regel, sobald genügend Stückzahlen vorhanden sind, gerechnet wird damit ab Mittwoch. Wie diese Maßnahme rechtlich konkret geregelt ist, ist derzeit noch offen, vorerst wird es keine Verordnung dazu geben, seitens Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hieß es aber, es werde zur Pflicht.

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❓ Gilt auch ein selbst hergestellter Mund-Nasen-Schutz?

Ja. Zum Einsatz kommen darf auch ein selbst hergestellter Schutz, etwa aus Stoff. Für das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes wird es auch zulässig sein, selbst produzierte Masken zu tragen. "Je weniger geniest und gehustet wird, desto weniger ist die Gefahr – hier hilft jede Form der Mundbedeckung", so Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).

❓ Was bringt der Mund-Nasen-Schutz?

Es geht hier nicht um den Eigenschutz, sondern darum, das Anniesen oder Anhusten zu vermeiden und damit die Ansteckung anderer zu verhindern. Die Regierung will mit der Maskenpflicht also nicht den Träger, sondern andere vor einer Tröpfcheninfektion schützen.

Beim Sprechen, Husten oder Niesen setzen wir Tröpfchen frei. Wenn man etwa ein Stück Tuch vor dem Mund habe, würden die großen Tröpfchen abgefangen, erklärte der Chef-Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten. "Je näher dran an der Quelle, desto besser. Deswegen muss die Maske an der Quelle sein und nicht am Empfänger", sagte Drosten in einem NDR-Podcast.

Eine von ihm erwähnte aktuelle Stellungnahme von Wissenschaftern weist darauf hin, dass durch Masken der Übertragung des Coronavirus von denjenigen, die keine oder noch keine Symptome hätten, auf andere vorgebeugt werden könne. "Man geht nicht mit Symptomen in den Supermarkt, aber man erkennt an, dass man nicht weiß, ob man morgen Symptome kriegt", brachte Drosten es auf den Punkt. Er wertet das Tragen in der Öffentlichkeit als "Geste, Signal, als Höflichkeit".

❓ Müssen auch Kinder den Mund-Nasen-Schutz tragen?

Auch Kinder sind von dieser Maßnahme erfasst. Auch für Kinder und Kleinkinder sind Masken ebenfalls angeraten zu tragen, gab Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) zu verstehen. In anderen Kulturen werde das etwa auch in Volksschulen praktiziert.

❓ Bleibt die Maßnahme auf den Supermarkt beschränkt?

Nein. In weiterer Folge soll dann eine Ausdehnung der Maskenpflicht auf andere Bereiche kommen, Konkretes blieb die Bundesregierung dazu aber vorerst schuldig.

Zur Frage, ob das Gebot auf Supermärkte beschränkt bleiben wird, sagte Kurz, es werde in weiterer Folge überall dort verpflichtend sein, wo man mit anderen Menschen in Kontakt kommt, wobei dies von der Bevölkerungsdichte abhängen werde: Es sei etwa zu unterscheiden, ob man sich am Land oder in der Stadt aufhält, sagte der ÖVP-Chef.

Eine mögliche Ausweitung auf andere Bereiche wäre erst ein weiterer Schritt, in einem ersten soll in den Supermärkten eine Veränderung erreicht wurde, hieß es am Montagnachmittag.

❓ Muss ich trotz Maske weiterhin Abstand halten?

Hier warnen die Regierungsmitglieder einhellig: Das Tragen von Masken reduziert zwar die Gefahr, andere Menschen anzustecken. Das bringt aber nur etwas, wenn alle anderen Maßnahmen weiterhin befolgt werden. Das betrifft vor allem den Abstand von 1,5 Metern zu allen Menschen zu halten, mit denen man nicht im Haushalt zusammenwohnt. Gleichzeitig darf man sich nicht mit Personen treffen, die nicht im gleichen Haushalt leben. Sämtliche anderen Bestimmungen bleiben ebenso weiter aufrecht, etwa dass man die Wohnung nur unter bestimmten Bedingungen – zum Arbeiten, Einkaufen oder einem kurzen Spaziergang – verlassen soll.

Mehr dazu hier: Gut zu wissen: Was in Tirol in Quarantäne noch erlaubt ist und was nicht

❓ Was unterscheidet Mund-Nasen-Schutz und Schutzmasken?

Allgemein unterscheidet man zwischen Mund-Nasen-Schutzmasken (MNS-Operationsmasken) und Partikel-filtrierenden Halbmasken (FFP). MNS-Operationsmasken sind kein Atemschutz und schützen daher nicht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus, wie der Verein für Konsumenteninformation (VKI) auf Konsument.at berichtet. Sie können Ansteckung durch Tröpfchen oder Aerosole nicht abwehren.

FFP-Masken werden als Atemschutz gegen Aerosole (sehr kleine Schwebstoffe in der Luft) eingesetzt. Sie sind als vollständiges Atemschutzgerät mit nicht auswechselbarem Filtermaterial nach der europäischen Norm DIN EN 149 geprüft. Diese Norm unterscheidet zwischen den Klassen FFP1, FFP2 und FFP3. Je nachdem, wie groß das Rückhaltevermögen der Partikelfilter ist, wird die Maske einer der drei Klassen zugeordnet. Je dichter die Maske ist, desto höher ist auch ihre Schutzwirkung. FFP1-Masken haben die geringste Dichtheit und Schutzwirkung, FFP3-Masken die größte.

📽 Video | Einsatz von Schutzmasken unterschiedlich

❓ Wie gilt es den Mund-Nasen-Schutz anzuwenden?

Die Regierung betonte auf der Pressekonferenz, dass die korrekte Handhabung der "Masken" wichtig sei. Eine einzelne Maske sei etwa für vier Stunden funktionstüchtig. Es würden jedoch noch Hinweise zum richtigen Umgang mit dem Mund-Nasen-Schutz veröffentlicht.

Ob die Produkte wiederverwendbar sind, hänge von deren Beschaffenheit ab. Manche sind nur drei bis vier Stunden verwendbar, andere waschbar bzw. zur Desinfektion geeignet.

📽 Video | "Maskenpflicht" im Supermarkt: Was bedeutet das?


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