Von Lienz bis Zams: Noch reichen Tirols Intensivbetten aus

Bisher konnte in allen Tiroler Spitälern Engpass an intensivmedizinischer Behandlung von Corona-Patienten verhindert werden.

Gott sei Dank gibt es noch keine Engpässe in den heimischen Krankenhäusern, auch nicht bei den Intensivbetten. Doch die Entwicklung in den nächsten Tagen lässt sich derzeit nur schwer abschätzen.
© SEBASTIEN BOZON

Innsbruck – Von Reutte bis Lienz gibt es eine beruhigende Nachricht: Die Kapazitäten bei den für schwere Krankheitsverläufe von Corona-Patienten dringend notwendigen Intensivbetten reichen in den heimischen Spitälern derzeit aus. Bis gestern mussten 57 Personen intensivmedizinisch betreut werden, davon sind 53 an die Beatmungsgeräten angeschlossen. Insgesamt liegen 218 Erkrankte in den Spitälern. Auch im besonders betroffenen Bezirk Landeck ist im Krankenhaus Zams die Situation fordern, aber stabil, wie es heißt. 60 mit Corona Infizierte werden dort stationär behandelt, elf von ihnen auf der Intensivstation.

Nach wie vor weist der Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin in Innsbruck Günter Weiss darauf hin, dass rund 80 Prozent der Erkrankten milde Krankheitsverläufe zeigen würden. Das zentrale Ziel der Politik bleibt aber weiterhin, einen Kollaps des Gesundheitssystem zu verhindern. Und deshalb muss die Zahl der Neuinfektionen massiv nach unten gedrückt werden.

🏥 Situation fordernd, aber stabil im Krankenhaus Zams

Die Situation sei „unverändert“, aber „stabil“, betont der Zammer Krankenhaus-Geschäftsführer Bernhard Guggenbichler. Derzeit werden im Krankenhaus Zams 60 Covid-Patienten betreut, elf müssen auf der Intensivstation beatmet werden.

„Wir waren auf mehr vorbereitet“, so Guggenbichler. Ende vergangener Woche hat man fünf Intensivpatienten nach Innsbruck überstellt, fünf leichte Fälle wurden in die Medalp gebracht. Mit zehn ausgewiesenen Intensivbetten, zwei Intermediate-Care-Betten und vier Stroke-Unit-Betten stehen am Krankenhaus Zams 16 reguläre Plätze für die Beatmung zur Verfügung. Insgesamt könne man aber im Extremfall 28 Intensivpatienten gleichzeitig betreuen.

Um den Erkrankten trotz Besuchsverbots den Kontakt mit der Außenwelt zu ermöglichen, sind nun auch die Patiententelefone freigeschaltet, es gibt auch eigene Tablets, mit denen Betroffene ihre Familie kontaktieren können. „Unser Ziel ist es, auf beiden Seiten eine Traumatisierung durch diese schwierige Ausnahmesituation zu verhindern“, erklärt Barbara Flad, Leiterin der Krankenhaus-Seelsorge.

Deutlich weniger Fälle gibt es im Krankenhaus Reutte. Dort sind derzeit sieben Personen auf der Isolierstation, bei drei von ihnen gibt es positive Testergebnisse. Insgesamt stehen acht Intensivbetreuungsplätze zur Verfügung, davon ist derzeit einer belegt. (mr)

🏥 Spitäler im Unterland mit freien Kapazitäten

„Wir sind noch nicht an der Kapazitätsgrenze, aber es kann sich derzeit alles sehr schnell ändern“, sagt der ärztliche Leiter des Bezirkskrankenhauses St. Johann, Norbert Kaiser. Bei den Intensivbetten sei derzeit die Hälfte belegt, bei den sonstigen Betten sei noch viel frei. Man habe das Haus in einen Covid-19-Bereich und einen Normalbereich aufgeteilt. „Theoretisch wären derzeit noch 200 Betten verfügbar, aber nicht alle Abteilungen könnten auch Covid-19-Patienten übernehmen. „Ein Problem sind auch Verdachtsfälle. Die müssen wir alleine auf ein Zimmer legen, das senkt die Bettenverfügbarkeit auch etwas“, schildert Kaiser.

St. Johann sei aber gerüstet und werde situationsbedingt weitere Betten nutzen. Ein großes Lob spricht er jenen Mitarbeitern aus, die direkt bei den Corona-Patienten arbeiten. „Das ist eine enorme Belastung, diese Mitarbeiter leisten Großartiges“, betont Kaiser.

Im Bezirkskrankenhaus Schwaz werden keine Corona-Intensivpatienten behandelt, diese werden an der Innsbrucker Klinik versorgt. Insgesamt wurden im Schwazer Spital aktuell 27 Corona-Kranke stationär aufgenommen.

Im Bezirkskrankenhaus Kufstein liegen momentan sechs Corona-Patienten auf der Intensivstation, 14 Betten sind für die intensivmedizinische Behandlung vorhanden. 25 Personen mit Corona-Infektion werden auf der Normalstation betreut. Sukzessive sollen weitere Stationen für Infizierte, die eine Versorgung im Spital benötigen, eingerichtet werden. (aha, wo)

🏥 Krankenhaus Lienz: Drei Patienten werden beatmet

Am Bezirkskrankenhaus Lienz sind laut Auskunft des ärztlichen Direktors Martin Schmidt aktuell fünf intensivmedizinische Betten mit Covid-Patienten belegt. Drei davon werden beatmet.

Für Verdachtsfälle sind elf Betten auf einer eigenen Isolierstation reserviert. Auf dieser Station stehen aktuell fünf Verdachtsfälle in stationärer Behandlung. Auf der zweiten Isolierstation werden sechs Covid-positive-Patienten behandelt. „Standardmäßig stehen acht Beatmungsplätze für Covid-positive-Patienten zur Verfügung“, teilt Schmidt mit. Gemäß einem Notfallkonzept könnte auf maximal 16 Plätze erweitert werden. Vor einigen Wochen habe man zusätzliche Beatmungsmaschinen bestellt. „Als Backup stehen gegebenenfalls Beatmungsplätze in Innsbruck zur Verfügung, Patienten müssten dann in die dortige Klinik transferiert werden.“ (bcp)

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