Tobias Moretti zu Corona: „Was in diesen Tagen passiert, ist ein Irrsinn"

Tobias Moretti wendet sich in einem Facebookvideo an seine Fans. „Was in diesen Tagen passiert, ist ein Irrsinn, was das Image unseres Landes betrifft", meint er. Sein Anliegen: Solidarität anstelle von Klagen. Damit spricht er das viel kritisierte Tiroler Krisenmanagement im Umgang mit dem Coronavirus an.

Auf einer Fanseite von Tobias Moretti wurde Dienstagnacht eine Videobotschaft des Schauspielers veröffentlicht.
© Screenshot Facebook

Innsbruck – „Ich bin ja kein Facebookexhibitionist, aber die derzeitige Situation erfordert neben Stellungnahmen auch Haltung, wie ich finde", leitet Tobias Moretti ein Video von sich ein, das seit Dienstagnacht rund 70.000 Mal aufgerufen wurde. Der Schauspieler äußert sich darin zur Kritik am Tirols Krisenmanagement in Sachen Corona und fordert europäische Solidarität.

Imageschaden für Tirol

„Was in diesen Tagen passiert, ist ein Irrsinn, was das Image unseres Landes betrifft." Man würde jetzt Solidarität brauchen, „nicht nur bei uns in Tirol und in Österreich, auch in den nördlichen Nachbarländern. In Deutschland und Schweden und so weiter, die jetzt so eifrig Klagen gegen unser Land einbringen, als wäre das Coronavirus in Tirol entstanden, oder ein Tiroler Problem gewesen." Gegen Ende des Videos sagt er: „Und dass nun deutsche Konsumverbände so tun, als wären das nur wir gewesen, das ist nicht nur falsch, sondern auch taktlos."

Der österreichische Verbraucherschützer Peter Kolba hatte bei der Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung eingebracht, weil die Tiroler Behörden die Sperren von Hotels und Pisten hinausgezögert haben sollen. Urlauber, die davon ausgehen, sich beim Ski-Urlaub in Tirol mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, können sich beim VSV melden. „Wir haben 2500 Geschädigte gesammelt und werden deren Rechte vertreten", erklärte Kolba. Den Schwerpunkt würden Meldungen deutscher Urlauber bilden, hatte es geheißen. Rund 90 Prozent davon betreffen Ischgl und das Paznaun.

📽 Video | Tobias Moretti äußert sich zur angespannten Corona-Situation

Fehlverhalten unter die Lupe nehmen

„Dass es Einzelfälle von Fehlverhalten gegeben hat, das mag sein." Das müsse man „auch zu einem späteren Zeitpunkt unter die Lupe nehmen", so Moretti. „Aber, dass polarisierende Interessensgruppen das jetzt zum Geschäft machen wollen, das finde ich erbärmlich, ehrlich gesagt."

Politisch aufgearbeitet wird das Tiroler Krisenmanagement in Sachen Coronavirus auf jeden Fall: Am 24. März waren sich die Tiroler Parteien – Regierung sowie Opposition – einig: Untersucht soll jedenfalls werden, daran führt kein Weg vorbei. Wahrscheinlich dürfte eine Kommission eingesetzt werden, aber nicht sofort. Schließlich sind derzeit alle unabhängigen Experten mit der Bewältigung der Corona-Krise beschäftigt. Die TT berichtete: Tiroler Krisenmanagement: Untersucht wird, aber noch offen wie.

Zurück zu Tobias Moretti: Er meint, in Deutschland und Schweden habe man „die Situation noch viel drastischer negiert" als in Tirol. In Schweden tue man das zum Teil bis heute. Bis vor zwei Wochen sei er selbst noch dort gewesen und er erzählt, dass es in Restaurants, Hotels generell im öffentlichen Leben und Verkehr keine Hygienevorschriften oder Abstandsregeln gegeben hätte. Tatsächlich fährt das skandinavische Land in Sachen Corona eine andere Strategie. Hier sind einzig Menschenansammlungen von mehr als 50 Personen verboten.

Statt mit gesetzliche Beschränkungen und Verboten mit teils empfindlichen Strafandrohungen zu operieren, setzt man in Schweden auf möglichst breite Information und Empfehlungen von Fachorganisationen und Instituten. Ganz ausgeschlossen werden Verschärfungen der Maßnahmen aber auch dort nicht. Mehr dazu: Leben nur bedingt eingeschränkt: Was Schweden in Corona-Krise anders macht.

Hätte „eine andere Dringlichkeit der Sprache gebraucht"

„Klarerweise waren es bei uns auch einige Politiker, die mit ihren leeren Sprachfloskeln – ja wie soll man sagen – daneben oder überfordert waren, wo es eine andere Dringlichkeit der Sprache gebraucht hätte." Moretti spricht im Weiteren ein ZiB-2-Interview von Armin Wolf an. Einige hätten sich „in ihrer Sorge übergangen gefühlt, sich auch empört." Wie Tobias Moretti meint: „Zu Recht!". Der Schauspieler nimmt damit wohl Bezug auf den Auftritt von Tiroler Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) an. Das Interview hatte für Aufregung und Kritik gesorgt.

📽 Video | Am 16. März war Bernhard Tilg via Videoschaltung zu Gast in der ZIB 2

Klarerweise waren es bei uns auch einige Politiker, die mit ihren leeren Sprachfloskeln – ja wie soll man sagen – daneben oder überfordert waren, wo es eine andere Dringlichkeit der Sprache gebraucht hätte.
Tobias Moretti

Dennoch verteidigt der Schauspieler die politischen Entscheidungen: „Aber trotzdem glaube ich, dass sich unsere Landesregierung und Bundesregierung nach bestem Wissen und Gewissen verhalten hat", drückt Moretti seine Meinung aus. Es sei eine neue und sich ständig entwickelnde Situation, bei der es keine Erfahrungswerte gebe, „auf die man irgendwie zurückgreifen könnte", so der 60-Jährige weiter.

„Was ich für mich jetzt wirklich hoffe ist, dass wir aus den Erfahrungen lernen und nicht das übliche Denken des eigenen Vorteils oder Schuld oder wie immer ins Spiel bringen", erklärt er und fordert europäische Solidarität, womit er auch seine Botschaft abschließt: „Wo immer ihr gerade seid, passt auf euch auf. Bleibt gesund oder werdet gesund. Und bleibt solidarisch!" (TT.com/tkl)


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