Ringen um Staatshilfe: Auch Benkos Kaufhauskonzern stoppt Mietzahlungen

Der deutsche Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof des Tiroler Investors Rene Benko verliert pro Woche über 80 Mio. Euro Umsatz und schickt 1300 Mitarbeiter der Zentrale in Kurzarbeit.

Der Tiroler Investor Rene Benko hat nach der Fusion von Karstadt und Galeria Kaufhof mit seiner Signa-Gruppe die gesamte Warenhauskette übernommen.
© Oliver Berg

Essen – Der fusionierten Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof des Tiroler Immobilien-Investors Rene Benko geht angesichts ihrer in der Coronakrise geschlossenen Geschäfte das Geld aus. Wie andere Handelsketten zuvor stoppt nun auch Galeria Karstadt Kaufhof laut einem Medienbericht seine Mietzahlungen. Es bleibe "keine andere Wahl", zitierte der Spiegel am Mittwoch aus einem Brief des Unternehmens an seine Vermieter vom Montag.

Da die Vermieter den Kaufhäusern den "Gebrauch der Mietsache" derzeit nicht gewähren könnten, hätten sie auch keinen Anspruch auf Gegenleistung.

Von April bis zunächst Juni werde die Miete nicht mehr gezahlt, kündigte Finanzchef Miguel Müllenbach in dem Schreiben an. Auch Miet- und Nebenkosten aus dem März würden womöglich mindestens zur Hälfte zurückgefordert. Laut Spiegel will die Kaufhauskette die säumige Miete auch nicht wie gesetzlich vorgesehen bis 2022 nachzahlen und bittet die Eigentümer der Gewerbeimmobilien um Verständnis: Beide Parteien hätten die "gemeinsame Verantwortung", ein Zukunftskonzept zu finden.

Schutzschirmverfahren beantragt, Einleitung stattgegeben

Wie der Konzern am Mittwoch bekannt gab, wurde für das Unternehmen ebenso wie für die Tochter Karstadt Sports ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Es schützt in die Krise geratene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger, ohne dass die Betriebe bereits Insolvenz anmelden müssen. Die Geschäftsführung kann das Unternehmen weiter verantwortlich lenken und selbstständig sanieren.

Das Kaufhaus betonte, die Geschäftsführung werde das Schutzschirmverfahren nutzen, um die Restrukturierung fortzusetzen und das Unternehmen zukunftsfähig neu aufzustellen. Die Signa-Gruppe des Galeria-Karstadt-Kaufhof-Eigentümers Benko werde dafür zusätzliche Beträge in dreistelliger Millionenhöhe zur Verfügung stellen. Dem Antrag auf Einleitung des Verfahrens sei vom Amtsgericht Essen bereits stattgegeben worden, hieß es.

Einigung mit Banken schwieriger als erhofft

Nach eigenen Angaben verliert Galeria Karstadt Kaufhof durch die Schließung der Warenhäuser seit dem 18. März jede Woche mehr als 80 Mio. Euro Umsatz. Zwar bemühte sich der Konzern in den vergangenen Wochen bereits um staatliche Hilfsgelder. Doch erwies sich eine Einigung mit den Banken schwieriger als erhofft. Nun habe man nicht mehr länger warten können. In Unternehmenskreisen wurde zuletzt geklagt, der Prozess sei bürokratisch und aufwendig. Es koste wertvolle Zeit.

Der Konzern mit rund 28.000 Mitarbeitern hatte laut Insidern Staatshilfe beantragt, um die Zeit der Ladenschließungen zu überbrücken. Die Umsätze in den Warenhäusern seien schon seit Anfang März angesichts der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus dramatisch zurückgegangen, erklärte Galeria Karstadt. Seit dem 18. März sind die Häuser geschlossen.

Kurzarbeit auch für 1300 Mitarbeiter der Zentrale

Bereits vor Wochen hatte der Konzern deshalb für weite Teile der Belegschaft Kurzarbeit beantragt. Am Mittwoch sei dies nun auch für die 1300 Mitarbeiter der Zentrale geschehen, hieß es.

Benko, der nach der Fusion von Karstadt und Galeria Kaufhof mit seiner Signa-Gruppe die gesamte Warenhauskette übernahm, hatte sich noch vor den Corona-bedingten Geschäftsschließungen Anfang März gegen weiteren Stellenabbau ausgesprochen. (TT.com/AFP/dpa, TT.com)

Weitere Einzelhändler stoppen Mietzahlungen, Adidas macht Rückzieher

Auch andere Einzelhändler und Hersteller wie Adidas, Deichmann und H&M haben in den vergangenen Tagen die Aussetzung der Mietzahlungen angekündigt.

Adidas zahlt nach harscher öffentlicher Kritik nun aber doch seine Mieten und entschuldigt sich für sein Vorpreschen. "Die Entscheidung, von Vermieter(innen) unserer Läden die Stundung der Miete für April zu verlangen, wurde von vielen von Ihnen als unsolidarisch empfunden", heißt es in einem offenen Brief, den Adidas am Mittwoch veröffentlichte. "Ihre Meinung ist uns wichtig, und Ihre Meinung ist eindeutig: Sie sind von adidas enttäuscht", so der deutsche Sportartikelhersteller.

"Deshalb möchten wir uns bei Ihnen in aller Form entschuldigen. Wir haben unseren Vermieter(innen) die Miete für April bezahlt. Fairness und Teamgeist sind seit jeher eng mit Adidas verknüpft und sollen es auch bleiben", heißt es in dem Brief weiter.


Kommentieren


Schlagworte