Griechisches Flüchtlingslager wegen Infektion unter Quarantäne

Die Sorge vor einer Ausbreitung des Coronavirus in anderen Lagern wächst zunehmend. Bis jetzt wurden 21 Infizierte in dem Lager gezählt.

Mehr als 40.000 Asylsuchende sitzen in überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln fest.
© AFP

Athen – Griechenland hat am Donnerstag das Flüchtlingslager Ritsona unter Quarantäne gestellt, nachdem 21 Asylsuchende positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Das gab das griechische Migrationsministerium bekannt. Es ist die erste Einrichtung dieser Art, die seit dem Ausbruch der Krankheit betroffen ist. Indes wächst die Sorge, dass sich das Virus auch in anderen Flüchtlingslagern ausbreiten könnte.

Eine 19-jährige Frau aus dem Lager war diese Woche nach der Geburt ihres Kindes in einem Athener Krankenhaus positiv auf das Virus getestet worden. Es war der erste nachgewiesene Infektionsfall in einem griechischen Flüchtlingslager. Die 21 Infizierten sollen den Angaben zufolge keine Symptome zeigen. Mitarbeiter des Lagers hätten sich nicht infiziert.

Der Zugang zum Ritsona-Lager nordöstlich von Athen werde für zwei Wochen eingeschränkt, teilte das Migrationsministerium mit. Zudem werde zusätzliches medizinisches Personal in die Region geschickt. Die Polizei soll die Umsetzung der Maßnahmen überwachen.

Weiterhin "Nein" aus Österrreich

Die österreichische Bundesregierung bleibt trotz der Zuspitzung der Situation in den überfüllten Flüchtlingslagern dabei, keine Flüchtlinge aufnehmen zu wollen. Österreich habe genug geleistet, hieß es aus dem Bundeskanzleramt am Donnerstag zu APA. "Es bleibt beim Nein", bestätigte auch die Sprecherin von Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP). Sie verwies auf die jüngsten Aussagen von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) dazu, der keine zusätzlichen Flüchtlinge in Österreich aufnehmen will.

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Hilfsorganisationen erneuerten unterdessen ihre Forderung nach mehr Aktionen auf europäischer Ebene, um die Migrationskrise zu bewältigen. "Es ist dringend notwendig, die Migranten von den griechischen Inseln in die EU-Länder zu evakuieren", sagte Leila Bodeux von der Hilfsorganisation Caritas Europa.

Angst vor massiver "humanitärer Krise"

EU-Innenkommissarin Ylva Johansson sagte, es sei ein deutliches "Warnsignal" dafür, was passieren könnte, wenn das Virus auf weniger organisierte Einrichtungen auf den griechischen Inseln übergreifen würde. Das Übergreifen könne zu einer massiven humanitären Krise führen", sagte sie am Donnerstag.

Bereits vergangene Woche hatten rund 150 zivilgesellschaftliche und kirchliche Organisationen aus Österreich und aus ganz Europa einen dringenden Appell an Spitzenpolitiker der EU und den griechischen Regierungschef Kyriakos Mitsotakis gerichtet und angesichts der Coronavirus-Pandemie die Evakuierung der griechischen Flüchtlingslager gefordert.

Wir haben nicht so viel Unterstützung von der Europäischen Union erhalten, wie wir wollten.
Regierungschef Kyriakos Mitsotakis

Mehr als 40.000 Asylsuchende sitzen in überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln unter teils menschenunwürdigen Bedingungen fest. In Griechenland sind bisher 1415 Coronavirus-Infektionen nachgewiesen worden. 50 Infizierte starben. (APA, AFP, Reuters)


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