Trotz Quarantäne-Aus in Tirol: Geisler fordert Verzicht auf Bergtouren

Nach dem Ende der Selbstisolation Tirols ist auch Sport im Freien wieder erlaubt, solange er alleine betrieben wird oder mit Menschen aus dem Haushalt. Dennoch appelliert die Landesregierung, das nicht auszureizen, um nicht neue Verbote zu provozieren.

Skitouren sind nun nicht mehr verboten. Die Landesregierung bittet dennoch, davon abzusehen.
© TT/Böhm

Innsbruck – Nachdem die Vollquarantäne in Tirol seit Dienstag beendet ist und die Karwoche mit sonnigem Bergwetter aufwartet, hat Tirols Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP) an die Tiroler appelliert, keine Bergtouren mit dem Rad oder den Skiern zu unternehmen. Indes stellte er bei einer Videopressekonferenz am Mittwoch auch Betretungsverbote – wie etwa für Downhill-Strecken – in den Raum.

LHStv Josef Geisler (Archivaufnahme).
© EXPA/JOHANN GRODER

„Wir sind noch nicht über den Berg, das heißt deswegen gehen wir nicht auf den Berg", sagte Geisler. Falls zu viele Menschen nun beispielsweise Bergtouren unternehmen würden, wolle er aber keinen Alleingang Tirols mehr – etwa in Form einer neuen Verordnung. Man wolle nicht wieder in das „ursprüngliche Schema" zurückfallen.

📽 Video | Die Pressekonferenz in voller Länge

Ein Betretungsverbot auf den Bergen sei zudem schwierig umzusetzen, auf „gewissen Plätzen oder Sporteinrichtungen" gehe das hingegen schon. Dies würde aber erst dann angedacht, sobald die Situation „aus den Fugen gerät". Er meinte, dass die Tiroler auch „ohne rechtliche Handhabe" dem Appell Folge leisten würden.

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📽 Video | Ende der Quarantäne in Tirol: Das ist wieder erlaubt

Wandern, Laufen, Radfahren auf Radweg sind unbedenklich

Geisler warnte vor allem aufgrund des Verletzungsrisikos vor Sportarten wie Klettern, Skitouren, Mountainbiken oder Bergsteigen. Unbedenklich sei dagegen Spazieren gehen, Wandern, Laufen oder Radfahren auf einem Radweg. Auch der Präsident des Österreichischen Alpenvereins, Andreas Ermacora, warnte vor Sport im Gebirge. Auch wenn dieser nicht „überdurchschnittlich gefährlich" sei, müsse man bei einem Unfall davon ausgehen, dass man in „unwegsamen Gelände" geborgen werden müsse und auf die Hilfe Dritter angewiesen sei. Ein direkter Kontakt – wobei der Verunfallte mit dem Coronavirus infiziert sein könnte – sei dabei unvermeidbar.

Die Problematik bei diesem direktem Kontakt sprach Hermann Spiegl, Landesleiter der Bergrettung Tirol, an. Die Einsätze gestalten sich derzeit sehr aufwendig, aufgrund der zusätzlich notwendigen Schutzausrüstung. In jedem Bezirk sei ein „Infektauto" bereitgestellt, das nach jedem Einsatz penibel desinfiziert werden müsse.

Jeder Einsatz werde im Hintergrund von einem eigens gebildeten COVID-Team begleitet. Schon bei der Anfahrt der Bergretter brauche es Schutzausrüstung. Und die derzeitige Situation bringt bedinge durch das Infektionsrisiko auch Abstriche in der Behandlung. Die Bergrettung setze derzeit verstärkt Hubschrauber zur Bergung ein – ein Einsatz sei derzeit in Summe wesentlich teurer als üblich.

Hubschrauber-Einsatz kostet 3500 Euro

Ein Hubschrauber-Einsatz koste immerhin 3500 Euro, so Ermacora. Wer nicht versichert sei, müsse selbst für die Kosten aufkommen, hielt er fest. Bei Versicherten gäbe es allerdings keine rechtliche Handhabe, Versicherungsleistungen hintanzuhalten, sagte er. Es handle sich nach wie vor um ein Fahrlässigkeitsdelikt und verstoße – aufgrund der Lockerung der Bestimmungen – gegen kein Gesetz.

Unterdessen kündigte Geisler an, dass Sportvereinen und Verbänden aufgrund der Coronakrise finanziell unter die Arme gegriffen werde. Bei der kommenden Regierungssitzung würden 1,3 Millionen Euro für sie freigemacht. Ebenso werden Vereine bzw. Veranstalter, die eine Sportveranstaltung geplant und absagen mussten, um bereits angelaufene Kosten entlastet. Die Sportförderung werde wie gehabt fortgeführt.

„Uns geht es darum, die Strukturen im organisierten Sport, bei den Vereinen und Verbänden, zu erhalten. Sobald es geht, wollen wir auch hier den Betrieb Schritt für Schritt wiederaufnehmen. Wir schütten jetzt 1,3 Millionen Euro für den Mannschafts- und Teamsport sowie für die Dach- und Fachverbände aus“, kündigte Geisler an. Denn auch wenn der Trainingsbetrieb ruht und keine Wettkämpfe abgehalten werden können, würden die Kosten für Mieten, Administration oder Trainer weiterlaufen. Welche Unterstützungsmöglichkeiten für Vereine der vom Bund angekündigten Hilfsfonds für den Sport und die Vereine in Tirol bietet, will man sich im Land genau ansehen.

Trainingsbetrieb für Spitzen- und Profisport

Was den Bereich des Spitzen- und Profisport anlangt, bemühe sich das Land in Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen darum, den „Speerspitzen des Tiroler Sports" ebenfalls Schritt für Schritt einen zumindest reduzierten Trainingsbetrieb zu ermöglichen. Das Olympiazentrum stellt akkreditierten Athleten die erforderlichen Trainingsgeräte für das Heimtraining zur Verfügung, Anleitung und Koordination der Trainingsprogramme sollen online erfolgen. Eine stark eingeschränkte Nutzung der 600 Quadratmeter großen Kraftkammer im Landessportcenter in Innsbruck für Spitzensportler sei derzeit in Prüfung, so Geisler. Außerdem biete die sportpsychologische Koordinationsstelle des Landes Unterstützung bei der Stärkung und Entwicklung mentaler Fähigkeiten. (TT.com/APA)


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