Das Denken an übermorgen: Corona und seine psychologischen Folgen

Für Sportpsychologe und Volleyball-Trainer Tom Schroffenegger wird noch zu wenig über die psychologischen Folgen der Beschränkungen gesprochen. Vor allem, was Kinder betrifft.

Bis zur nächsten Team-Ansprache dürfte es noch dauern: VC-Mils-Coach Tom Schroffenegger.
© GEPA pictures/ Michael Riedler

Von Daniel Suckert

Innsbruck – Einfach verbal drauflos gepoltert hat Tom Schroffenegger nie. Das ehemalige Beachvolleyball-Ass (3 EM- und 4 WM-Teilnahmen) überlegte sich seine Worte stets gut. Das hat sich bis heute nicht geändert. Der Sportpsychologe und Volleyball-Coach des VC Mils wünscht sich ein Umdenken, was die psychologischen Folgen der bisherigen Beschränkungen betrifft.

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„Ich akzeptiere die Maßnahmen der Regierung voll und ganz. Trotzdem müssen wir auch über die psychologische Seite des Ganzen sprechen“, holt „Schroffi“ aus. Vor allem die Situation der Kinder und Jugendlichen bereite ihm Kopfzerbrechen. „Ich sorge mich weniger um die Kinder, die am Land leben und einen großen Garten haben. Mir geht es um die, die zum Beispiel im Olympischen Dorf wohnen und keinen Balkon haben. Für die der Sport alles war und die im Moment im luftleeren Raum hängen. Ich würde gerne Familien helfen, die aus ärmeren Verhältnissen stammen. Wir müssen über vieles sprechen, tun das aber zu wenig in diesen prekären Fällen.“

Darum wünscht sich Schroffenegger wieder Möglichkeiten für Nachwuchstrainings, sobald man Sportarten wie dem Fußball grünes Licht signalisiert. Trainings in Kleingruppen sind in allen Bereichen möglich, und „darüber sehe ich mich auch hinaus. Da kann man viel im eingeschränkten Bereich tun.“

E-Training als Ablenkung vom Alltag

Am vergangenen Freitag endete das erste „E-Nationalteam-Camp“ des österreichischen Volleyballverbands ÖVV. Ins Leben gerufen hat das Gottfried Rath, der Sportdirektor. Eine Woche lang haben Mädchen (WU19, WU17) und Burschen (MU18-EM-Team) des rot-weiß-roten Nachwuchs-Nationalteams von zu Hause aus Spielsituationen per Videos analysiert, Athletik-Training absolviert und auch über die mentale Komponente gesprochen.

Mittendrinnen war auch Schroffenegger, der mit den kommenden Stars von morgen das Thema Karriereplanung unter die Lupe nahm: „Eine super Sache, alle haben richtig gut mitgezogen. Das war eine gute Ablenkung.“

Dabei hat Schroffenegger selbst gerade keine einfache Situation: Der allgemeine Stillstand des Sports bedeutet auch für ihn keine Einnahmen. Das trifft auch seine Frau, die als selbstständige Fitnesstrainerin aktiv ist. Trotzdem will der Vater eines 13-jährigen Buben nicht jammern: „Wir sind trotz allem privilegiert, haben einen Garten. Um mich mache ich mir weniger Sorgen.“


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