WHO: Pandemie-Höhepunkt noch nicht erreicht

90 Prozent der Corona-Fälle werden in Europa und den USA registriert. Während die Ausbreitung der Erkrankung in einigen Ländern leicht nachlässt, steigen die Zahlen in anderen Regionen stark an.

Ein Mann mit Atemschutzmaske in der U-Bahn von Barcelona (Symbolfoto).
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Moskau – Der Höhepunkt der Coronavirus-Pandemie ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch nicht erreicht. 90 Prozent aller Fälle würden in Europa und den USA registriert, sagte eine WHO-Sprecherin. In Europa gebe es ein gemischtes Bild: In einigen Ländern lasse die Ausbreitung des Virus leicht nach. Großbritannien und die Türkei dagegen verzeichneten weiter einen Anstieg der Fälle.

In China bestehe die größte Gefahr darin, dass das Virus aus anderen Ländern eingeschleppt werde. Mit einem Impfstoff solle man nicht vor einem Jahr oder noch später rechnen, so die WHO.

Niedrigster Zuwachs seit fast vier Wochen in Spanien

In Spanien wurden binnen 24 Stunden 3045 Neuinfektionen bestätigt. Das ist der niedrigste Zuwachs seit fast vier Wochen. Damit hätten sich insgesamt 172.541 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt, teilte das Gesundheitsministerium mit. 567 weitere Menschen seien infolge einer Infizierung gestorben, insgesamt seien es nun 18.056 Tote. Während der Anstieg bei den Todesopfern stärker ausfiel als am Tag zuvor mit 517, war er bei den Neuinfektionen flacher (3477).

In Großbritannien könnte die Zahl der am oder mit dem Coronavirus gestorbenen Menschen rund 15 Prozent höher sein als von den Behörden angegeben. Das nationale Statistikamt ONS teilte mit, dass in England und Wales bis zum 3. April 6235 Menschen gestorben seien, bei denen im Totenschein die vom Virus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 oder der Verdacht darauf genannt würden. Betrachte man diese Daten, dann sei die Todeszahl um 15 Prozent höher als die vom nationalen Gesundheitsdienst NHS genannte, erklärte ONS-Statistiker Nick Stripe. Zudem beinhalten die NHS-Zahlen nur die in Krankenhäusern gemeldeten Todesfälle, nicht aber die der gesamten Gemeinden, also auch aus Alters- und Pflegeheimen.

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In Italien durchsuchte die Polizei das Seniorenheim "Pio Albergo Trivulzio", in dem im Zusammenhang mit SARS-CoV-2-Infektionen vermutlich über 100 Menschen gestorben sind. Familienangehörige der Toten und Mitarbeiter des Heims hatten Anzeige erstattet, weil Sicherheitsvorkehrungen ignoriert worden sein könnten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gab unterdessen Montagabend bekannt, dass der "Lockdown" im ganzen Land mit geschlossenen Schulen, Lokalen und Geschäften sowie die Ausgangssperren bis 11. Mai verlängert wird.

Die Behörden in Moskau warnten davor, dass in der russischen Hauptstadt in den kommenden zwei bis drei Wochen die Krankenhausbetten für Coronavirus-Patienten nicht ausreichen. Zwar wurden Tausende zusätzliche Betten bereitgestellt. Aber obwohl staatliche und private Kliniken einbezogen würden, könne es zu Engpässen kommen, teilte die Moskauer Gesundheitsbehörde mit. Das Coronavirus breitet sich in Russland rasch aus, besonders betroffen ist Moskau. Allein dort stieg die Zahl der Infektionen binnen eines Tages um fast 1500 auf rund 13.000. Im ganzen Land waren es 21.102.

Zahlen in Russland steigen so stark wie nie

In Russland insgesamt steigt die Zahl der Neuerkrankungen so stark wie nie. In den vergangenen 24 Stunden habe es 2774 neue Fälle gegeben, teilte das Krisenzentrum mit. Am Vortag waren es 2558 gewesen. Damit gab es am Dienstag insgesamt 21.102 positiv getestete Personen. Die Zahl der Menschen, die an den Folgen des Virus gestorben seien, habe sich um 22 auf 170 erhöht.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) sieht die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland noch nicht gestoppt. "Wir können noch nicht von einer Eindämmung sprechen", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. "Wir sehen eine Verlangsamung." Das RKI strebe an, dass die sogenannte Reproduktionszahl unter eins gehe oder bei eins sei – dass ein Infizierter das Virus also höchstens im Durchschnitt an eine Person oder weniger weitergibt. Derzeit berechnet das RKI diesen Faktor mit 1,2.

Im Iran stieg die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit SARS-CoV-2 um 98 auf 4683. Binnen 24 Stunden wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums 1574 Neuinfektionen registriert. Damit liegt die Zahl der nachgewiesenen Infektionen bei 74.877.

Indien verlängerte die Ausgangsbeschränkungen bis zum 3. Mai. Er fordere alle Inder auf, dabei zu helfen, dass das Virus nicht weiter verbreitet werde, sagte Ministerpräsident Narendra Modi in einer Fernsehansprache. In Indien sind mittlerweile 10.363 Infektionsfälle bestätigt. 339 Menschen sind im Zusammenhang mit einer Ansteckung gestorben.

China lässt einem Medienbericht zufolge zwei experimentelle Impfstoffe zur Bekämpfung des neuen Coronavirus für Humantests zu. Die Impfstoffe würden von einer in Peking ansässigen Einheit der Sinovac Biotech und dem Institute of Biological Products, einer Tochtergesellschaft der staatlichen China National Pharmaceutical Group in Wuhan entwickelt, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua. Im März hatte China bereits grünes Licht für eine klinische Studie eines vielversprechenden Impfstoff-Kandidaten gegeben, der von der chinesischen Akademie für Militärmedizin und dem Biotechunternehmen CanSino Bio entwickelt wurde. Auch der US-Arzneimittelentwickler Moderna hatte im März erklärt, er habe mit den Humantests für einen Impfstoff begonnen.

Die chinesische Gesundheitskommission meldete unterdessen 89 neue Coronavirus-Fälle, nach 108 am Vortag. Von den Neuinfektionen seien 86 auf Einreisende zurückzuführen. Der chinesische Staatssender berichtete, dass von den eingeschleppten Infektionen 79 in der nordöstlichen Provinz Heilongjiang aufgetreten seien. Die Provinz grenzt im Norden und Osten an Russland. Die Gesamtzahl der bestätigten Fälle in China liegt nun nach offiziellen Angaben bei 82.249. Die Zahl der Todesopfer durch die Pandemie beläuft sich auf 3341. Am Montag ist kein zusätzliches Todesopfer verzeichnet worden. (APA/Reuters/dpa/AFP)


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