Abholzung in Amazonien nimmt während Corona-Krise enorm zu

In den ersten drei Monaten dieses Jahres sind Forschern zufolge bereits fast 800 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt worden – im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um mehr als 50 Prozent.

Die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes schreitet zügig voran.
© FLORENCE GOISNARD

Rio de Janeiro – Im Schatten der Covid-19-Pandemie ist die Abholzung in Amazonien im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 50 Prozent gestiegen. Darauf deuten brasilianischen Medienberichten zufolge die vorläufigen Zahlen des Nationalen Instituts für Weltraumforschung (Inpe) für die ersten drei Monate dieses Jahres hin.

Das Inpe wertet Satellitenbilder aus, um Abholzung und Brandrodung zu erfassen. Mit einer schnellen Erhebung untersucht es die Veränderungen des Waldes in Echtzeit. Die Zahlen des Inpe geben so auch einen Hinweis darauf, wie sich die offizielle Entwaldungsrate bezogen auf ein Jahr entwickeln könnte. Die Rate bezieht sich auf den Zeitraum von August bis Juli.

Demnach sind im Jänner, Februar und März dieses Jahres 796,08 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt worden. Das ist der höchste Wert, den das Inpe seit der Einführung des Systems zur schnellen Erhebung 2016 festgestellt hat. 2019 wurden für diesen Zeitraum 525,63 Quadratkilometer gemessen.

Kontrollen dürften nachgelassen haben

2020 dürfte die Abholzung in Amazonien weiter steigen. Umweltschützer und Wissenschafter gehen davon aus, dass die Kontrollen der Behörden während der Corona-Krise nachgelassen haben, zugleich kommen Maßnahmen der sozialen Distanzierung nicht unbedingt in den abgelegenen Gebieten an. Mit Holzfällern und anderen Menschen erreichte das Coronavirus jedoch auch Indigene in geschützten Reservaten.

Das brasilianische Fernsehen zeigte am Sonntag Bilder einer groß angelegten Operation des brasilianischen Bundesumweltamtes (Ibama), um Holzfäller und Goldsucher aus Gebieten der Indigenen im Süden Amazoniens zu vertreiben. Einer der Direktoren des Ibama, Olivaldi Azevedo, wurde daraufhin entlassen, wie aus einer Veröffentlichung im "Diario Oficial", einer Art Amtsblatt, am Dienstag hervorgeht.

Der rechte Präsident Jair Bolsonaro ist ein Befürworter der wirtschaftlichen Ausbeutung Amazoniens. Er geriet wegen der verheerenden Brände im Amazonas-Gebiet im vergangenen Jahr in die Kritik. Umweltschützer werfen ihm vor, die Brände in Kauf zu nehmen, um neue Flächen für die Landwirtschaft zu erschließen. (dpa)


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