Erster Gefangenenaustausch im Ostukraine-Konflikt in diesem Jahr

Ins Regierungsgebiet kehrten insgesamt 20 Ukrainer aus den Regionen Donezk und Luhansk zurück. Wegen der Corona-Pandemie müssen alle Freigelassenen für 14 Tage in Quarantäne.

Der Austausch der Gefangenen war erwartet worden.
© YEVGEN HONCHARENKO

Kiew, Moskau – Im Ukraine-Konflikt haben die Regierung in Kiew und die prorussischen Separatisten im Osten des Landes erstmals in diesem Jahr Gefangene ausgetauscht. Donnerstagfrüh kam es zunächst zu einem Austausch zwischen der Region Donezk und dem von der Regierung kontrollierten Gebiet. Kurz darauf zog auch die Region Luhansk nach. Der Austausch war erwartet worden.

Ins Regierungsgebiet kehrten insgesamt 20 Ukrainer aus den Regionen Donezk und Luhansk zurück, wie das Präsidialamt in Kiew mitteilte. "Wir werden so lange weiter kämpfen, bis jeder Ukrainer nach Hause gelangt ist", sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj nach der Freilassung. Die Donezker Aufständischen bestätigten, im Gegenzug von der Ukraine zehn Gefangene erhalten zu haben. Die Region Luhansk übergab elf Ukrainer und erhielt im Gegenzug vier Gefangene, darunter sollen auch zwei russische Staatsbürger sein. Wegen der Corona-Pandemie müssen alle Freigelassenen für 14 Tage in Quarantäne.

Austausch vor orthodoxem Osterfest

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sprach von einem guten Signal vor dem orthodoxen Osterfest an diesem Wochenende. Auch die EU begrüßte den Schritt. Zuletzt hatten beide Seiten des Konflikts Ende Dezember knapp 200 Gefangene ausgetauscht. Die international beachtete Aktion ging zurück auf den Gipfel zum Ukraine-Konflikt in Paris Anfang Dezember. Das Treffen sollte dem Friedensprozess für die Ostukraine nach langem Stillstand neuen Schwung geben.

Dabei hatten sich erstmals Kremlchef Wladimir Putin und Selenskyj persönlich getroffen. Zu den Vereinbarungen für weitere Schritte bei der Lösung des Konflikts kam es unter Vermittlung von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

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Wichtiger Schritt

Die Außenminister Deutschlands und Frankreichs, Heiko Maas und Jean-Yves Le Drian, bezeichneten den Gefangenenaustausch als einen wichtigen Schritt. Umgesetzt werden müssten aber alle Vereinbarungen vom 9. Dezember in Paris, darunter Minenräumung, die Schaffung neuer Übergänge zwischen Separatisten- und Regierungsgebiet und die Entmilitarisierung. Die Minister forderten außerdem einen ungehinderten Zugang für die OSZE-Beobachter in der Region.

Maas telefonierte zudem mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow. Dabei habe Lawrow auf "konkrete Beispiele nicht konstruktiver Handlungen Kiews" hingewiesen, die eine Umsetzung des Friedensplans behinderten. Worum genau es ging, teilte das Außenministerium in Moskau nicht mit. Geplant sei bald eine Videokonferenz der Außenminister mit ihren Kollegen aus der Ukraine und aus Frankreich zum Ukraine-Konflikt. Einen Termin gab es noch nicht.

Seit 2014 kämpfen in den Gebieten Donezk und Luhansk Truppen der Regierung gegen von Russland unterstützte Separatisten. Nach UN-Schätzungen wurden seitdem rund 13.200 Menschen getötet. Für den mit deutscher und französischer Hilfe entstandenen Friedensplan hatte es immer wieder Rückschritte gegeben. (APA/dpa)


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