Spitäler sollen schrittweise und "regional differenziert" wieder geöffnet werden

In den nächsten Wochen sollen Etappen zur Öffnung der Krankenanstalten erarbeitet werden. Auch in den Arztpraxen sind Schritte in Richtung Normalbetrieb geplant.

Die Innsbrucker Klinik.
© tirol kliniken

Wien – Im Zuge der ersten Lockerung der Corona-Maßnahmen diese Woche sollen nun auch die Spitäler schrittweise wieder geöffnet werden. Auch die Arztpraxen sollen langsam in einen "Normalbetrieb" übergehen, kündigte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Freitag bei einer Pressekonferenz an. Es werde aber "sicher noch länger keine Normalsituation in den Spitälern geben", betonte der Minister.

📽 Video | Anschober über "schrittweise Normalisierung" in Spitälern

"Alle Krankenanstalten haben Planungsarbeiten begonnen", wie der normale Betrieb wiederhergestellt werden soll, sagte Michael Binder, der Medizinische Direktor des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) und Mitglied des Beraterstabs der Coronavirus-Taskforce. Der Prozess des Wiederhochfahrens werde "zumindest einige Wochen" benötigen. Denn die Spitäler müssen "weiterhin für Covid gerüstet" sein, aber gleichzeitig ein Programm fahren, "das möglichst einem Normalzustand entspricht", sagte Anschober.

Wieder medizinisch planbare Operationen

Künftig sollen nicht mehr nur akute Operationen, sondern auch planbare wieder stattfinden. "Wir müssen Leistungen schrittweise wieder in die Krankenhäuser hineinbringen", kündigte Binder an. In verschiedenen Krankenanstalten werden bereits jetzt Operationen durchgeführt, sagte Binder. "Ich denke, es wird in den nächsten Wochen stattfinden, dass wir in Richtung eines mehr oder weniger geregelten Normalbetrieb kommen können", es werde aber von Region zu Region unterschiedlich sein, abhängig von der Versorgungsdichte und auch der epidemiologischen Umgebungssituation, betonte der KAV-Direktor.

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Es müsse jedenfalls darauf geachtet werden, dass die Patienten keine Covid-Erkrankungen in die Krankenhäuser einschleppen werden. "Das geht mit einer Teststrategie", sagte Binder. "Es wird Situationen geben, wo wir die Patienten auf sogenannten Aufnahmestationen aufnehmen, dort testen und die Ergebnisse innerhalb von 24 Stunden zur Verfügung haben und dann negativ getestete Patienten in Normalbereiche übernehmen", so Binder. Außerdem soll es die Möglichkeit geben, Patienten außerhalb der Spitäler zu testen und die Abstriche im Krankenhaus analysieren zu lassen, ehe Patienten aufgenommen werden. "Das erfolgt zum Teil bereits", sagte der KAV-Direktor.

Er betonte, dass "die Akutversorgung bestens gewährleistet" sei. Natürlich könne es sein, dass es bei dieser aufgrund der Coronavirus-Pandemie "massiven Umwälzung des gesamten Gesundheitssystems" zu Einschränkungen gekommen ist und Patienten auf Behandlungen länger warten mussten. "Wir sind sehr dahinter, dass das reduziert wird", meinte Binder. Sollten Mangelzustände eingetreten sein, sollen diese "ganz bewusst rasch" beseitigt werden.

"Schutz des Systems erste Priorität"

Anschober erläuterte, dass die Empfehlung, medizinisch planbare Operationen zu verschieben, bereits am 12. März ausgegeben wurde. "Das war ein wichtiger und richtiger Schritt, wir haben ausreichend Kapazitäten geschaffen, die Spitalsbetreiber und die Mitarbeiter haben hervorragende Arbeit geleistet", bedankte sich der Gesundheitsminister bei diesen. Doch auch mit der geplanten Öffnung sei "der Schutz des Systems erste Priorität". Deswegen bleiben die restriktiven Regelungen im Besucherbereich aufrecht, betonte Anschober. "Wir müssen natürlich schauen, dass wir weiterhin ausreichend Reservekapazitäten haben."

Deswegen werden die Schritte "vorsichtig" begonnen. Anschober wies darauf hin, dass es bei Arztpraxen nie die Anweisung gegeben hatte, dass diese geschlossen werden müssen und sie ohnedies großteils geöffnet waren. Beim Wiederhochfahren soll nun weiterhin auf telefonische Voranmeldung und effizientes Wartezimmermanagement gesetzt werden. Ziel ist, dass Patienten im Wartezimmer einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Eine Verpflichtung - analog zum Handel - erachtet Anschober als nicht notwendig. Hier gebe es ohnedies eine diesbezügliche Empfehlung der Ärztekammer, das "wird so funktionieren", sagte der Gesundheitsminister.

Die aktuelle "Phase zwei" mit ersten Lockerungen der Maßnahmen sei die "allerschwierigste", insgesamt seien die Zahlen in Österreich aber "sehr stabil", der Trend "durchaus sehr erfreulich", so Anschober. Herwig Ostermann, Geschäftsführer von Gesundheit Österreich, präsentierte am Freitag wieder eine Prognose zur Entwicklung der Coronavirus-Situation in Österreich. "Wir fahren auf Sicht", betonte Ostermann. Laut ihm werde die Zahl der jemals positiv getesteten Menschen bis nächsten Freitag, dem 24. April, auf 15.400 ansteigen. Bis zum heutigen Freitag waren es 14.566 positiv auf SARS-CoV-2-Getestete. "Wir können weiterhin davon ausgehen, dass die Neuerkrankungen 100 bis 150 Fälle pro Tag sein werden", sagte Ostermann.

Rund zehn Prozent der Erkrankten im Spital

Die Kapazitäten für Intensivbetten sind gegeben. Bei den auf Normalstationen Hospitalisierten rechnet Ostermann bis 28. April mit rund 500 Personen. Österreich weise im internationalen Vergleich einen sehr niedrigen Wert bei Covid-19-Patienten in stationärer Betreuung auf. Rund zehn Prozent der Erkrankten müssen hierzulande im Spital behandelt werden, in anderen Ländern sind es 15 bis 17 Prozent. Das liege daran, dass Österreich im internationalen Vergleich sehr viel teste und Patienten mit milden oder moderaten Verläufen zu Hause oder in Alters- und Pflegeheimen versorgt werden.

Auf Intensivstationen werden aktuell rund 230 Personen versorgt. Bis Ende April soll dieser Wert auf ungefähr 150 Menschen sinken. Hierbei gebe es aber ein plus/minus von rund 50 Betten, erläuterte Ostermann. Das habe unter anderem mit der mittlerweile längeren Belagsdauer zu tun. Die Verweildauer von schwer Erkrankten Covid-Patienten auf Intensivstationen wurde mittlerweile in der Prognose auf 21 Tage erhöht. Diese drei Wochen gelten für "80 Prozent der Patienten, darüber hinaus kann es zu längeren Verweildauern kommen", sagte Ostermann. Denn "drei Viertel der Patienten befinden sich nach wie vor auf den Intensivstationen". (APA)


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