Chrtiansky bleibt Hypo erhalten: Kein Problem mit kleineren Brötchen

Die Alpenvolleys sind Geschichte, mit Stefan Chrtiansky bleibt Hannes Kronthalers wichtigster Volleyball-Mann an Bord. Und der Slowake hat viel vor.

Ob große oder kleine Volleyball-Bühne, Headcoach Stefan Chrtiansky bleibt Tirol erhalten.
© gepa

Von Daniel Suckert

Innsbruck – VC Mils und TV Oberndorf statt Berlin und Friedrichshafen – die Volleyball-Brötchen bei Hypo sind ab dem Herbst viel kleinere. Der Rückzug aus der deutschen Bundesliga inklusive Auflösung der Alpenvolleys Mittwochmittag war ein Paukenschlag, der auch in den sozialen Netzwerken für große Emotionen sorgte. Eine Konstante bleibt dem Club aber erhalten: Stefan Chrtiansky. Der Fachmann sagte mehreren Teams ab.

„Kleine Brötchen wie vor 20 Jahren zu backen, damit habe ich kein Problem“, erklärte der Langzeit-Coach. Die Entwicklung vom kleinen Dorfclub zum österreichischen Meister bis hin zum deutschen Bundesligisten – Chrtian­sky war in verschiedenen Funktionen immer an Bord. Darum sieht er die kommende Aufgabe als große Chance: „Für jeden Erfolg brauchst du eine breite Basis. Darum möchte ich im Nachwuchs einiges bewegen. Vorerst gilt es einmal die Kader aufzufüllen und wieder mehr Kinder für den Sport zu begeistern.“ Sobald die Schulen öffnen, will Chrtiansky dort aktiv sein.

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Und natürlich hat der Erfolgscoach ebenso mit seinem Team in der zweiten österreichischen Liga viel vor: „Der Schritt zum Aufstieg in die erste Liga ist kein großer. Wir haben zwei, drei interessante Spieler in unseren Reihen, mit denen eine Entwicklung durchaus möglich ist.“ Für diese Mission würde der ehemalige slowakische Nationaltrainer auch gerne seinen 37-jährigen Aufspieler Daniel Koncal halten. Der Slowake war zuletzt als Kapitän der Alpenvolleys am Start – einen zusätzlichen Routinier und schon könnte der Aufstieg in die AVL in der kommenden Saison gelingen.

Kronthaler: „Ich hoffe, dass Stefan bei uns in Pension gehen kann“

Dass Chrtiansky nicht nur ein Angebot am Tisch liegen hatte, wusste der künftige Obmann des Hypo Tirol Volleyballteams, Hannes Kronthaler, natürlich: „Ich weiß, was ich an Stefan habe. Wenn man sich die Entwicklungen von Fred Winters (2005/06), Alex Berger (2009–14) oder Pawel Halaba (2018/19) anschaut – sie alle haben sich unter Stefans Anleitung zu solchen Stars entwickelt.“ Darum freute es den Baulöwen um so mehr, dass Chrtiansky ihm die Treue hält: „Ich hoffe, dass Stefan bei uns in Pension gehen kann.“

Dafür wird Chrtiansky, der im Herbst in seine 20. Saison in Dunkelblau gehen wird, mit viel mehr Befugnissen ausgestattet. Obmann Kronthaler will sich im Hintergrund halten und „das Ganze in Badelatschen von der Tribüne aus genießen“. Chrtiansky („Hannes ist sehr wichtig für mich“) selbst baut auf seinen Noch-Manager. Dass sein Boss tatsächlich das Scheinwerferlicht meiden möchte, bringt auch den Headcoach ein wenig zum Schmunzeln: „Sag’ niemals nie.“

🎥 Videobeitrag: Aus für das Projekt Alpenvolleys

Nun gilt es vorerst einmal kräftig durchzuatmen, neue Motivation zu tanken und im Anschluss neu durchzustarten: „Sportlich ändert sich natürlich alles. Die Jahre in der deutschen Liga waren sehr schön. Aber ich habe im Laufe der Zeit meine Ziele als Coach erreicht und fühle mich in meiner Heimat Tirol sehr wohl. Auch die Tiroler Derbys haben ihren Reiz.“

Und wer weiß, was bei Hypo los sein wird, sollte man in der kommenden Spielzeit gleich den Aufstieg in die höchste Volleyballliga schaffen. Vielleicht entfacht man ja auf lokaler Ebene ein großes Feuer, das die USI-Halle wieder zu einem Hexenkessel werden lässt.

Kommentar: Seiner Zeit voraus

Von Daniel Suckert

Der Rückzug von Alpenvolleys-Macher Hannes Kronthaler stellt einen schweren Rückschlag für das Tiroler Sportgeschehen auf Profi-Ebene dar. Über gewisse Dinge, wie seinen harten Umgang mit ehemaligen Weggefährten, mag sich streiten lassen. Nicht aber über seine Qualitäten als Manager. Der Baulöwe hat seinen geliebten Volleyball auf eine internationale Bühne gehievt und eine Randsportart auf die sportliche Landkarte platziert.

Von Bierbänken wollte er nie was wissen, ebenso wenig vom „Weiterwurschteln“ um jeden Preis oder Schulden-Machen. Ob der ehemalige Nationalteam-Kapitän nach 25 Jahren Funktionärstätigkeit tatsächlich die Füße stillhält, bleibt abzuwarten. Eines steht aber außer Frage: Hannes Kronthaler war in puncto Professionalität seiner Sportart auf dem glänzenden Parkett stets voraus.


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