Kulturleben soll langsam anlaufen, aber keine Großevents im Sommer

Mitte Mai sollen Museen und „Orte der Präsentation im künstlerisch-kulturellen Bereich" wieder öffnen können, so Vizekanzler Kogler. Das bereits bis Ende Juni geltende Veranstaltungsverbot für Musikfestivals und Ähnliches wurde allerdings bis 31. August verlängert.

Vizekanzler Werner Kogler (G) und Staatssekretärin Ulrike Lunacek (G) während einer PK mit dem Titel "Aktuelles im Bereich Kunst und Kultur sowie Veranstaltungen im Allgemeinen".
© APA/Fohringer

Wien – Großveranstaltungen im Kulturbereich wird es bis 31. August in Österreich nicht geben. Das gaben am Freitag Vizekanzler Werner Kogler und Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (beide Grüne) bekannt. Ob dies auch für die Salzburger und Bregenzer Festspiele zutreffen wird, möchte man erst Mitte Mai klären. Fix ist aber: Ab 1. Juni dürfen die professionellen Kulturinstitutionen die Proben aufnehmen.

"Was leider nicht möglich sein wird, sind große Veranstaltungen, wo viele Menschen zusammenkommen und eng zusammenstehen", erteilte Kogler großen Stadtfesten und Musikfestivals bis 31. August angesichts der Coronakrise eine Absage. Eine konkrete Zahl, die eine Großveranstaltung definiere, wollte man dabei nicht nennen, weil dies von der Möglichkeit der Veranstalter abhinge, die Schutzmaßnahmen und Abstandsregelungen zu gewährleisten. "Man muss selber aufpassen, dass man nicht skurril wird als Regierung", so Kogler: Je genauer man Dinge festschreibe, desto komplizierter werde das Ganze.

📽 Video | PK von Kogler und Lunacek zu Lockerungen im Kulturbereich

Ausnahmen für Salzburger und Bregenzer Festspiele?

Ob dieses Großveranstaltungsverbot auch die beiden großen Kulturtanker des Landes – die Salzburger und die Bregenzer Festspiele – betreffen werde, lasse sich hingegen noch nicht sagen. "Das ist noch nicht entschieden", unterstrich Kogler. Man sei hier in gutem Austausch mit den Verantwortlichen und der Landespolitik: "Theoretisch möglich ist viel, Praktisches ist eine andere Frage." Ziel ist jedenfalls – immer unter Maßgabe der aktuellen Entwicklung – hier Mitte Mai die endgültige Antwort zu habe, betonte Lunacek.

Klar sei in einem so wichtigen Teil des Lebens wie der Kultur: "Wir wollen uns als Ermöglicher und nicht als Verhinderer verstehen", umriss Kogler die Idee. So dürfen bereits Mitte Mai Museen, private Archive oder Bibliotheken– wenn auch ohne die Lesesäle – ihre Türen öffnen. Lunacek verwies in diesem Zusammenhang auf die bereits vor längerem angedeutete Entscheidung der Bundesmuseen, erst gemeinsam mit Anfang Juli aufzusperren. Aber viele kleinere Einrichtungen hätten ihr Interesse an dem früheren Datum bekundet: "Einige, die öffnen wollen, sollen das tun."

Probenbetrieb ab 1. Juni wieder möglich

Eine wichtige Entscheidung für die professionellen Theaterhäuser oder Orchester und Musikgruppen wurde überdies gefällt: So dürfen diese – selbstredend unter Einhaltung der Schutzbestimmungen – mit 1. Juni ihren Probenbetrieb wieder aufnehmen. "Wenn sie sich an alle Regeln halten, ist es möglich, mit 1. Juni zu beginnen", so Lunacek. Einzelproben und -trainings mit einer möglichst geringen Anzahl an Involvierten – also etwa ein Tänzer und eine Choreografin – sollen sogar bereits ab dem 18. Mai erlaubt sein. Anders sei da die Lage im Bereich der Laienkultur. "Alle, die im Amateurbereich tätig sind, die ersuchen wir um Geduld", bat die Staatssekretärin. Hier seien einstweilen weder Proben noch Aufführungen möglich.

Neu ist, dass man an einem weiteren Hilfsfonds arbeitet, der auch die Non-Profit-Organisationen mitbedenken soll, was für den Sport-, den Sozial-, aber eben auch den Kulturbereich gelte. "Auch hier soll der größte Teil der entstehenden Kosten ersetzt werden", so Kogler. Die Verhandlungen mit dem Finanzministerium liefen auf Hochtouren. In Summe spreche man hier von einer Dotierung des Fonds von "mehreren Hundert Millionen Euro", wobei der Zeitplan ambitioniert ist. "Es ist das Ziel, dass wir das im April im Kasten haben", so Kogler. Auf ein paar Tage auf oder ab, käme es zugleich nicht an.

Und von der mit fünf Millionen Euro dotierten Soforthilfe im Künstler-Sozialversicherungsfonds seien bisher schon 400.000 Euro ausgezahlt worden. Über 500 der eingelangten rund 2200 Anträge seien hier bereits abgearbeitet, so Lunacek.

Zugleich bleibt vieles derzeit noch offen. So sei man etwa mit den Bundesmuseen bezüglich einer Erhöhung der Basisabgeltung angesichts der Coronasperren in guten Gesprächen, erwarte aber erst in den kommenden Monaten eine genaue Einigung, wie die Unterstützung ausfallen werde. Zur Lage der Freien Künstlerinnen und Künstler, die beklagen, um Honorare für abgesagte Veranstaltungen umzufallen, weil sich die Häuser auf die "Höheren Gewalt"-Klausel berufen, plane sie in den kommenden Wochen einen Runden Tisch, so Lunacek.

Kino-Öffnungen erst Anfang September?

Auch in der Frage, wie es mit dem Kinobetrieb nach 1. Juli aussehe, wolle man Mitte Mai Klarheit haben, wobei ihr gegenüber die Kinobetreiber ohnedies ein Interesse am gemeinsamen Öffnen erst Ende August signalisiert hätten, betonte Lunacek. Ebenso wollte man zur Frage der Regelungen für Einrichtungen wie Zoos zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Stellung beziehen.

Alles in allem sei dies ein Fahrplan mit eingebauten Notfallbremsen, die von der Entwicklung der Coronafallzahlen abhänge – mithin immer unter Vorbehalt stünde, wurde betont. "Es bleibt ein Abwägen, ein Abmessen", so Kogler.


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