Gut zu wissen: So kann man bei schon gebuchten Maturareisen vorgehen

Können Maturareisen heuer überhaupt stattfinden? Hat man das Recht, sie in der derzeitigen Lage kostenlos zu stornieren? Die Antworten auf diese und weitere Fragen gibt´s hier.

So kann eine Maturareise aussehen – aber heuer ist alles anders. (Symbolbild)
© Splashline

Innsbruck – Mit dem Maturatermin wackeln für viele Tiroler Schüler derzeit auch die bereits gebuchten Maturareisen, die für Juni oder Juli geplant waren. Bei den Konsumentenschützern der Arbeiterkammer häufen sich die Anfragen von Betroffenen. Was zu beachten ist und welche Rechte und Pflichten Maturanten jetzt haben, haben wir hier zusammengefasst.

🏖️ Können die Reisen eventuell doch stattfinden?

In der Regel handelt es sich bei Maturareisen um Pauschalreisebuchungen bei einem der am Markt etablierten Maturareiseveranstalter. Derzeit, Mitte April, halten – soweit ersichtlich – alle Veranstalter an den Buchungen fest und verrechnen auch die fälligen Restzahlungen. Ob die Reisen in zwei bis drei Monaten tatsächlich stattfinden können, ist aus heutiger Sicht aber fraglich.

❌ Ist eine Stornierung möglich?

Wenn die Maturareise als Pauschalreise gebucht wurde, gilt wie auch für alle anderen Pauschalreisebuchungen, dass Stornierungen wegen konkreter Gefahren und Einschränkungen aufgrund des Corona-Virus grundsätzlich möglich sind. Dieses Recht ist gesetzlich – durch die EU-Pauschalreise-Richtlinie, in Österreich umgesetzt im Pauschalreisegesetz PRG – vorgesehen. Entscheidend ist, zu einem Zeitpunkt zu stornieren, zu dem diese konkreten Widrigkeiten ersichtlich und im Streitfall auch beweisbar sind, etwa durch Reisewarnungen oder auch andere seriöse objektive Berichte.

📅 Was geschieht, wenn der Maturatermin verschoben wird?

Falls die Maturatermine zeitlich verschoben werden und mit den Reiseterminen kollidieren, kann dies als Rechtfertigung für eine Verschiebung oder Stornierung der Reise argumentiert werden – wenn im Reisevertrag eine Bindung an den Maturatermin vorgesehen ist oder dieser Termin erkennbar dem Vertrag ausdrücklich zugrunde gelegt wurde. Wenn der Veranstalter hingegen den Maturatermin zum Zeitpunkt der Buchung nicht kannte oder kennen konnte, ist eine solche Verbindung schwer zu argumentieren. Eine abschließende Judikatur liegt hierzu laut AK aber noch nicht vor.

🎉 Können die beworbenen Partys stattfinden?

Maturareiseveranstalter heben sich von anderen Pauschalreiseanbietern vor allem dadurch ab, dass sie ausdrücklich Events, Partys und eine entsprechende Atmosphäre auf ihren Veranstaltungen bewerben, etwa mit Bildern von dicht gedrängten, tanzenden und feiernden Jugendlichen am Pool oder in Clubräumlichkeiten. Ob die Bereitstellung dieses Party-Angebots in Zeiten des Corona-Virus mit verbotenen oder eingeschränkten Veranstaltungsmöglichkeiten, MNS-Masken und Sicherheitsabstand möglich sein wird, ist derzeit fraglich.

Tatsache ist jedoch, dass ein solches explizit beworbenes Angebot wesentlicher Vertragsbestandteil ist. Die Frage ist daher jedenfalls berechtigt, denn Maturanten haben ganz besonders unter dieser Voraussetzung eine – zudem oft hochpreisige – Reise bei einem Maturareiseveranstalter gebucht. Letztlich kann diese Frage aber erst zu einem Zeitpunkt beurteilt werden, an dem medizinische und behördliche Informationen zu Infektionsrisiken und Leistungseinschränkungen vorliegen.

💶 Wie schaut es mit noch offenen Restzahlungen aus?

Den Jugendlichen und ihren Eltern wird die Entscheidung über das weitere Vorgehen leider dadurch erschwert, dass Veranstalter trotz der unsicheren Prognosen für die nächsten Monate vielfach auf die vollständige Bezahlung des Reisepreises bestehen. Das ist rechtlich zulässig, solange der ursprünglich abgeschlossene Vertrag aufrecht ist und die Zahlungen so vereinbart wurden. Allenfalls kann man der Zahlungsaufforderung die – aktuell viel diskutierte – so genannte „Unsicherheitseinrede" entgegenhalten, wonach bei unsicherer Leistungserbringung Zahlungen zurückgehalten werden können. Bei einer auch für die Reisekunden derzeit unsicheren Informationslage ist das so lange vor dem Reisetermin laut AK allerdings riskant, da die konkreten Gründe für die Unsicherheitseinrede schwer nachzuweisen sind.

Die AK fordert von den Veranstaltern, aus Gründen der Fairness ihrerseits mehr auf die – von keiner Seite verschuldeten – besonderen Umstände Rücksicht zu nehmen und auf Restzahlungen zu verzichten, solange die Reisedurchführung fraglich ist.

🔜 Storno, Annullieren oder Verschieben?

Die Option der Umbuchung auf einen späteren Reisetermin mag bei vielen Konsumenten eine attraktive Option sein, sich mit dem Veranstalter zu einigen, für die Maturanten ist sie das in diesem Fall aber vielfach nicht. Maturareisen sind als zeitnaher Abschluss der Schulzeit konzipiert, sodass für viele Schüler ein Nachholen der Reise zu einem späteren Zeitpunkt heuer oder im nächsten Jahr nur eine eingeschränkte Alternative ist.

In jüngerer Zeit besteht laut AK bei Pauschalreise-Annullierungen durch Unternehmen oder berechtigten kostenlosen Stornierungen durch Reisekunden das Problem, dass viele Veranstalter keine Bargeld-Erstattungen mehr leisten, sondern Kunden nur mehr Gutscheine ausstellen. Nach Rechtsansicht der AK Tirol widerspricht dies der geltenden Rechtslage – Kunden haben hier sehr wohl Anspruch auf Erstattung ihrer Zahlungen.

🧾 Welche Optionen hat man also?

Generell hat man also laut AK drei Optionen in der derzeitigen Lage:

• die Maturareise sofort kostenpflichtig zu stornieren

• die weitere Entwicklung abzuwarten und bei besserer Informationslage gegebenenfalls kostenlos zu stornieren

• sich mit dem Veranstalter einvernehmlich auf eine Umbuchung auf einen anderen Zeitpunkt zu einigen (TT.com/anl)

Hilfe und Beratung

... gibt es bei den Reiserechtsexperten der AK Tirol unter der Tel. 0800/22 55 22–1818 oder per E-Mail an konsument@ak-tirol.com


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