Mega-Budgetdefizit: Wirtschaft bricht heuer um 5,25 bis 7,5 Prozent ein

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) prognostiziert für heuer einen Einbruch der österreichischen Wirtschaft von 5,25 Prozent bis 7,5 Prozent. Das Budgetdefizit wird sich demnach auf 7,5 bis 10 Prozent belaufen.

Außenansicht des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) in Wien.
© HELMUT FOHRINGER

Wien – Der Stillstand in der Corona-Krise sorgt für ordentlichen konjunkturellen Katzenjammer. Die neueste Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) zeigt nicht nur für heuer einen Wirtschaftseinbruch von 5,25 bis 7,5 Prozent, sondern auch eine relativ schleppende Erholung danach. 2021 wird mit einem realen Plus von nur 3,5 Prozent gerechnet. Dann flacht die Wachstumskurve auch wieder ab.

Für den Staatssäckel bedeutet die Krise freilich ebenso eine Desillusionierung wie für Arbeitnehmer die ihren Job verloren haben oder Unternehmer, die nicht aufsperren durften oder dürfen. Das Budgetdefizit wird sich heuer auf 7,5 bis 10 Prozent belaufen. "Dafür sorgen die Notfallmaßnahmen und eine sehr schwache Steuerentwicklung", erläuterte Wifo-Chef Christoph Badelt am Donnerstag vor Journalisten im Rahmen einer digitalen Pressekonferenz.

Die Arbeitslosenquote soll heuer auf 8,75 bis 9,1 Prozent steigen, die Zahl der Beschäftigten um 1,75 bis 2,5 Prozent zurückgehen.

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Über die Zeit sollte sich die Lage in allen Teilbereichen langsam erholen. Die Prognose des Wifo geht davon aus, dass das Virusproblem hierzulande im Griff bleibt, das Hochfahren der Wirtschaft ohne Störungen verläuft und dass die wichtigsten Handelspartner Österreichs ihre Wirtschaft auch bald hochfahren. Kommt es in den nächsten Monaten aber zu einer anderen extern verursachten Krise oder einer zweiten oder auch dritten Coronawelle, dann schaut es richtig schlecht aus. "Dann kann man das Bild gar nicht düster genug zeichnen", sagte Badelt.

Maßnahmen der Regierung "prinzipiell richtig"

Für den Wifo-Chef sind die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Bundesregierung und des Nationalrats in der Corona-Krise zwar "prinzipiell richtig". "Für die Zukunft ist aber ein Nachschärfen bei einigen Maßnahmen notwendig - vor allem in der Praxis der Umsetzung", betonte Badelt.

Was die Forderung nach Vermögenssteuern zur Finanzierung der Krisenfolgen angeht, ist der Wifo-Chef nicht grundsätzlich abgeneigt. Er plädiert aber für eine "gesamthafte Lösung". Diese müsse sowohl eine Entlastung der Abgaben auf Arbeit enthalten als auch eine stärkere Ökologisierung und eine stärkere Vermögensorientierung des Steuersystems: "Wir halten nichts davon, jetzt punktuell irgendein steuerpolitisches Instrument herauszugreifen und zu sagen, das machen wir dann."

Badelt empfiehlt der Regierung einen "Kassasturz" nach dem Auslaufen der aktuellen Krisenhilfen. Dann müsse geprüft werden, wie die aktuelle Situation mit den sonstigen wirtschaftspolitischen Zielen der Regierung - Stichwort: Steuerreform und Klimapolitik - verbunden werden könne. Ein möglicher Zeitpunkt dafür wäre der Herbst: "Wenn es gut geht, vom medizinischen her, im September, Oktober."

Bei der Staatsverschuldung sieht Badelt trotz des erwarteten Anstiegs "kein Problem in Sicht". Er verwies aber auf die gute Ausgangslage und niedrige Zinsen: "Dem österreichischen Staat passiert zunächst einmal gar nichts, selbst wenn es 90 Prozent wäre." Keinesfalls dürfe man wegen der Corona-Krise bei der Klimapolitik "den Kopf in den Sand stecken", betonte der Ökonom.

Beispielsweise die Mehrwertsteuer zu senken, um mehr Konsum im Tourismus oder in der Gastronomie zu generieren, davon hält Badelt nichts. Für den Tourismus zeichnete Wifo-Prognosechef Baumgartner allerdings ein dunkles Bild. Nach dem derzeitigen Totalausfall werde es nur eine langsame Erholung geben. Manche Hotels dürften im Sommer wegen fehlender Ausländer gar nicht aufsperren, sagte er. Zwar werde der inländische Tourismus wohl aktiviert werden. Niemals könne man damit aber an ein touristisches Normaljahr herankommen. Besonders hart dürfte es für längere Zeit den Städtetourismus erwischen.

Der Tourismus sorgte in Österreich zuletzt für rund 16 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Daran wird man zumindest heuer bei weitem nicht herankommen. (APA)

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