Globaler Klimastreik trotz Corona: Tausende Österreicher beteiligten sich im Netz

Sie können nicht auf die Straße, Schule findet momentan nicht statt – trotzdem wollten die Aktivisten von Fridays for Future auch in der Corona-Krise Aufmerksamkeit auf den Klimawandel lenken. Am Freitag wurde weltweit online protestiert.

Am Freitag wurde weltweit online für den Klimaschutz protestiert.
© Facebook/FridaysForFutureVienna

Innsbruck – Es sollte der „größte Onlineprotest jemals“ werden: Unter dem Motto „Gemeinsam schaffen wir jede Krise" haben zahlreiche Organisationen, NGOs und Klima-Initiativen des Bündnisses „Klimaprotest" am Freitag zur Teilnahme am fünften globalen Klimastreik aufgerufen. Unter den Hashtags #NetzstreikFürsKlima und #FightEveryCrisis sollten österreichweit Schilder und Banner an Fenstern, Balkonen oder Zäunen aufgehängt und Fotos im Netz gepostet werden.

Trotz des Versammlungsverbots wurde auf diesem Weg konsequente Klimapolitik und ein sozial-ökologischer Umbau eingefordert. Bei der Online-Kundgebung mit Reden und Musik von 12 bis 14 Uhr nahmen laut den Veranstaltern tausende Menschen teil, dem digitalen Demozug schlossen sich fast 4.000 Streikende an. Gemeinsam ergab dies – unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes – einen Zug von mehr als sechs Kilometern.

Ob aus Linz, Ried in Oberösterreich, Kufstein, Bregenz, Graz oder Wien – überall führten am Freitag Fridays For Future-Aktivisten beim Livestream durch das Programm und thematisierten vor allem, wie man Zeiten von Corona mit der Klimakrise umgehen müsste, um eine lebenswerte Zukunft zu erhalten. Hans-Peter Hutter, Umweltmediziner und Doctors For Future-Gründer in Österreich, appellierte: „Eine konsequente politische Durchsetzung rigider Maßnahmen auf wissenschaftlicher Grundlage ist möglich. Politik kann also etwas bewegen. Genau das hat uns bisher in der Klimakrise gefehlt - entschiedenes Handeln. Das brauchen wir alle notwendiger denn je. Viel Zeit haben wir nämlich nicht mehr."

Nicht nur Coronakrise, auch Klimakrise präsent

Trotz Coronakrise dürfe auch die Klimakrise nicht aus den Augen verloren werden, denn diese bedrohe weiterhin die Zukunft, hieß es in einer Aussendung der Organisatoren im Vorfeld. Die Botschaft der Aktivisten: Die Regierung dürfe ihre Wirtschaftshilfen im Zuge der Coronakrise nicht in fossile Industrien stecken, sondern müsse diese für einen nachhaltigen Umbau des Wirtschafts- und Sozialsystems verwenden. „Um das Pariser Abkommen einhalten zu können, muss noch in diesem Jahr auf nationaler und EU-Ebene der Weg zu einem Green New Deal eingeschlagen werden." Für die aktuellen Herausforderungen brauche es vorausschauende politische Lösungen, die sozial gerecht sind und nachhaltig wirken.

„Die Klimakrise schreitet rasant voran, auch wenn wir gerade nicht daran denken", betonte Fridays-for-Future-Aktivistin Maris Filipic. „Besonders in den ärmsten Ländern der Welt bedrohen schon heute Ernteverluste und Extremwetterereignisse Millionen von Menschenleben. Auch in Österreich spüren wir die Folgen. 2020 brauchen wir daher konsequente Klimapolitik, um das Schlimmste abzuwenden. Dass wir jetzt noch dazu mit einer Pandemie konfrontiert sind, macht die nötige Transformation nicht einfacher, aber umso notwendiger."

Forscher in Arktis und Antarktis mit Bilder-Tweet dabei

Grüße aus dem ewigen Eis: Forscher in der Arktis und Antarktis haben sich am international koordinierten Online-Großprotest für mehr Klimaschutz beteiligt. In beiden Polargebieten forderten die Wissenschafter am Freitag unter dem Motto #FightEveryCrisis, dass jede Krise bekämpft werden müsse.

Sie wiesen darauf hin, dass die Welt nicht nur gegen die Corona-Krise, sondern auch stärker gegen die Klimakrise vorgehen müsse. "Unsere Forschung liefert die Fakten, jetzt ist es an der Zeit, zu handeln!", schrieb eine Meeresbiologin des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven, Melanie Bergmann, am Freitagmorgen zu zwei Bildern der Forscher mit Plakaten auf Twitter. Die wissenschaftlichen Ratschläge zum Klima müssten ebenso befolgt werden wie epidemiologische Daten im Kampf gegen das neuartige Coronavirus.

Die Bilder zeigten zum einen Forschende einer aktuellen Expedition des Forschungsschiffs "Polarstern" in der Arktis und zum anderen die überwinternden Wissenschafter der deutschen Neumayer-Forschungsstation in der Antarktis, sagte Bergmann. Die beiden Fotos seien bereits im Vorfeld des internationalen Großprotesttages aufgenommen worden.

Zu den Tweets:

"Unsere Forschung liefert die Fakten, jetzt ist es an der Zeit, zu handeln!", schrieb die Meeresbiologin Melanie Bergmann auf Twitter.
© C Rohleder/Twitter/MelanieBegma18

Livestreams auf Social Media

Susanne Hofer, die Vorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftsjugend, betonte, die Bewältigung der Klimakrise dürfe nicht auf die Arbeitnehmer abgewälzt werden. Vielmehr sollten die Verursacher vieler Emissionen zur Kasse gebeten werden: „Die Coronakrise zeigt, dass definitiv genug Geld da ist. Um nun die Klimakrise zu bewältigen, darf nicht die Einzelhandelsverkäuferin, die jeden Tag nach Wien pendelt, verantwortlich gemacht werden oder dafür bezahlen. Vor allem Großkonzerne und Milliardäre müssen handeln, die im Vergleich einen unvorstellbar großen, ökologischen Fußabdruck verzeichnen."

Am Aufruf zum weltweiten Klimastreik beteiligten sich unter anderem Fridays for Future Österreich, Amnesty International, #aufstehn, Attac, Greenpeace, Global 2000, das Klimavolksbegehren, System Change Not Climate Change und etliche weitere Umwelt- und Menschenrechts-NGOs. Zusätzlich zum Aushang von Transparenten gab es von 12 bis 14 Uhr eine Online-„Kundgebung" mit Rede-und Musikbeiträgen auf den Social-Media-Kanälen und seit den frühen Morgenstunden einen 24-Stunden-Livestream auf Youtube, in dem Klimaaktivisten und -forscher aus aller Welt zu Wort kamen.

Das Netz war allerdings nicht der einzige Schauplatz der Proteste: In Wien beteiligte sich auch das Verkehrs- und Klimaschutzministerium am Streik. Auf der Fassade wurde der Schriftzug „Gemeinsam schaffen wir jede Krise" angebracht. „Gegen die Klimakrise gibt es keine Impfung – wenn sie einmal da ist, wird der Krisenzustand zum Dauerzustand. Ich habe großen Respekt vor allen, die für ihre Zukunft zum Streik aufrufen. Ich nehme diese Anliegen sehr ernst", betonte Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) in einer Aussendung am Freitag.

In Deutschland stellte die Klimabewegung unter anderem vor dem Bundestag in Berlin (ab 10.30 Uhr) die Plakate und Schilder Dutzender Ortsgruppen für eine Kunstaktion zusammen. Nur 20 Menschen dürfen die Aktion vor Ort aktiv begleiten. In anderen Städten sind ähnliche Aktionen geplant. „Es fühlt sich an wie am Anfang bei Fridays for Future. Wir müssen uns jetzt neue Protestformen ausdenken“, sagte die Mitgründerin der Bewegung in Deutschland, Carla Reemtsma, der Deutschen Presse-Agentur.

„Grüner Wiederaufbau" nach Corona-Krise gefordert

Klimaschutzmaßnahmen sind gefragter denn je zuvor, betonte Greenpeace. Es braucht einen grünen Wiederaufbau nach der Corona-Krise, so die Forderung. Die Regierung müsse mit den kommenden Konjunkturpaketen in eine zukunftsfähige Wirtschaft und nachhaltige Arbeitsplätze investieren: modern, klimafreundlich und sozial gerecht. Am Weg aus dieser Krise muss Klimaschutz als Konjunkturpaket genutzt werden, verlangte auch Gewessler. Maßnahmen wie der Ausbau von erneuerbarer Energie oder Investitionen in den öffentlichen Verkehr schaffen sichere Arbeitsplätze und bringen gleichzeitig eine lebenswerte Zukunft für alle Generationen, betonte die Ministerin.

„Wir müssen die Lehren aus der Corona-Krise ziehen und entschlossen handeln: Die Klimakrise muss jetzt ernst genommen und konsequent bekämpft werden, denn für ihre Folgen wird es keine Heilung geben. Weltweit zeigen heute daher wieder tausende Menschen, dass ihnen die Zukunft unserer Kinder am Herzen liegt", sagte Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace.

Ambitionierte Maßnahmen fehlen beim Klimaschutz

„Die Welt befindet sich in einem Krisenzustand. Doch während es bei der Corona-Krise entschlossene politische Taten gibt, fehlen beim Klimaschutz ambitionierte Maßnahmen. Wir steuern weiterhin ungehindert auf eine Klimakatastrophe zu, dies gilt es mit aller Kraft zu verhindern", warnte Johannes Wahlmüller, Klimasprecher von GLOBAL 2000. „Gerade jetzt, wo uns die Bedeutung intakter Natur- und Lebensräume schmerzlich bewusst wird, müssen die Weichen zur Rettung des Planeten, richtig gestellt werden. Wir brauchen daher dringend ein grünes Konjunkturpaket mit mindestens einer Klimaschutzmilliarde als zentralen Hebel schon im Jahr 2020. Nur ein grünes Konjunkturpaket schafft Jobs und kann die Wirtschaft ankurbeln", forderte Wahlmüller.

Die IG Windkraft verlangt einen grünen Marschallplan für Österreich. „Der Ausbau der erneuerbaren Energien, insbesondere der Windkraft bringt nicht nur wichtige Investitionen in Milliardenhöhen ins Land, sondern schafft heimische Wertschöpfung und dringend benötigte Arbeitsplätze ohne den österreichischen Staatshaushalt zu belasten", sagte Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft und fordert einen raschen Ausbau der erneuerbaren Energien als regionalen Wirtschaftsimpuls im ländlichen Raum. (APA/dpa/TT.com)

Das Programm für den Online-Streik-Tag

1. LIVESTREAM-STREIK: 📱🖥️ 12 bis 14 Uhr mit interaktiven Streikelementen und Musik- und Redebeiträgen unter dem Motto "Gemeinsam schaffen wir jede Krise!". Auf Youtube, Facebook oder der Website.

2. SCHILDER BASTELN: 📜🖍️ Ein buntes Banner oder ein Poster mit dem Slogan "Gemeinsam schaffen wir jede Krise! #NetzstreikfürsKlima 24.04." soll am Gartenzaun, an den Fenstern oder Balkonen aufgehängt werden – und damit gemeinsam ein öffentliches Zeichen für Zusammenhalt in Zeiten von Corona- und Klimakrise gesetzt werden.

3. POSTEN: 👩‍💻🤳 Ein Bild von den Kreativen und/oder ihrem gebastelten Werk soll auf allen euren Social Media Kanälen hochgeladen werden – mit den Hashtags #NetzstreikfürsKlima und #FightEveryCrisis. @Fridays For Future Austria und @Klimaprotest.at sollte dazu markiert werden. Einige der Bilder werden dann im Livestream gezeigt.

Links zum Livestream und zur Teilnahme:

👉 YouTube

👉 Facebook

👉 Website

👉 http://www.klimaprotest.at/

💁‍♂️ Profilbildgenerator 24.04.


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