Kate Allen feiert 50er: Als die Frau vom anderen Ende der Welt Gold holte

Kate Allen wird heute Samstag 50 Jahre alt. Die Geschichte der Wahl-Tirolerin mit australischen Wurzeln prägte ein unerwarteter Triathlon-Olympiasieg 2004 in Athen.

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25. August 2004: Kate Allen verblüfft mit ihrem Triathlon-Olympiasieg alle Experten. Die Goldmedaille ruht mittlerweile im Tresor.
© HARALD SCHNEIDER

Von Florian Madl

Innsbruck – Fast 16 Jahre ist es her, dass all das passierte: das Gold, der Lorbeerkranz. Mit heutigem Samstag ist Kate Allen 50 Jahre alt, lebt im beschaulichen Innsbrucker Stadtteil Saggen mit ihrem Ehemann Marcel und ist Mutter eines sportbegeisterten Sohns namens Finley (9). Der trat als Turner in Mamas sportliche Fußstapfen und begeistert sich fürs Skifahren – auch darauf versteht sich die Frau vom anderen Ende der Welt, die für Österreich Gold holte, mittlerweile.

Es wurde ruhig um die Triathletin: „Das ist mir auch lieber so“, meinte sie wenige Tage vor ihrem 50. Geburtstag. Den würde sie – Corona hin oder her – am liebsten im Beisein ihrer Liebsten feiern, nicht mehr. Es gebe gegenwärtig nichts zu erzählen. Das mag sein – aber es gab sehr viel Stoff:

Kate Allen beim Überqueren der Ziellinie. Im Hintergrund die lange Zeit Führende Loretta Harrop (AUS), die sie erst am Ende überholte.
© gepa

Es war der 25. August 2004, ein brütend heißer Tag in der Bucht von Vouliagmeni wenige Kilometer nördlich von Athen. Die Sportnation Österreich war von ihrer Olympia-Medaillenbilanz schon wenige Tage vor dem Ende der Sommerspiele beseelt, es sollten am Ende zweimal Gold, viermal Silber und einmal Bronze werden – die beste Leistung seit 1945. Beim Triathlon war man nicht davon ausgegangen, dass die beiden Tirolerinnen Kate Allen und Eva Bramböck (heute Dollinger) etwas zur Statistik beitragen könnten. Von der 26-jährigen Wörglerin Bramböck, einer damals soliden Platzierungs-Athletin, erwartete man einen Mittelfeld-Platz. Und von der 34-jährigen Wahl-Tirolerin Allen, der Vizeeuropameisterin dieses Jahres, einer Wundertüte, ebenso.

Vom heimischen Verband war sie in den Anfangsjahren mit Skepsis beäugt, auch den steten Wechsel zwischen Langdistanz (Ironman) und olympischer Kurzdistanz hielten manche für unprofessionell. Die Wahrheit hinter der Geschichte: Eben mit einem Sieg beim Ironman-Klassiker 2003 in Klagenfurt finanzierte sich die Australierin mit Wurzeln nahe Geelong das Olympia-Abenteuer. Stets an ihrer Seite: Medizinstudent Marcel Diechtler, um neun Jahre jüngerer Langzeit-Freund, selbst passionierter Triathlet und mittlerweile Ehemann.

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Generalstabsmäßig war dieser 25. August 2004 geplant worden, der Tag des Olympia-Rennens. Den Rad-Kurs vermaß man, hielt ihn auf einem Rad-Computer fest, um ihn immer wieder zu Hause in der Innsbrucker 30-Quadratmeter-Garçonnièr­e abzuspulen. Immer wieder, immer wieder.

Die Nummer 40 war plötzlich die Nummer eins der Welt

Und dann kam Tag x im Vouliagmeni-Center. Der morgendliche Auftakt des Damen-Rennens schien die Experten zunächst zu bestätigen. Nach dem 1,5-km-Schwimmbewerb lag Kate Allen mit 2:01 Minuten Rückstand auf die führende Australierin Loretta Harrop an der 44. Stelle des 50-köpfigen Teilnehmerinnenfeldes – ein kalkulierter Respektabstand. Am Rad begann die Aufholjagd der ehemaligen Turnerin, die seit 2002 die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt: 1:30 Minuten Rückstand auf den dritten Gesamtplatz, nach 40 km kam sie als 28. in die Wechselzone. Und als der Lauf begann, als die Österreicher daheim zur Mittagspause schritten und entgeistert den Fernseher aufdrehten, hörten sie einen schreienden TV-Kommentator Christopher D. Ryan: „Kate Allen, Kate Allen holt Gold!“ Es war der Moment, als sie im Zielstadion die entgeisterte Loretta Harrop überholte. Es war der Moment, als sich die Ereignisse überschlugen.

Plötzlich wollten die Leute alles über die Nummer 40 der Weltrangliste erfahren, zuhause auf der elterlichen Farm nahe Melbourne landete ein australischer TV-Helikopter. Wie könnte es sein, dass eine der Ihrigen (Kate Allen) die hoch favorisierte Landsfrau Loretta Harrop schlug? Und weitere Fragen häuften sich: Wie viele Schafe man dort hielte? 4000. Was sie nach Kitzbühel verschlug? Eine Weltreise. Was ihr Beruf sei? Krankenschwester – auch wenn sie sich in Tiroler Après-Ski-Bars zwischenzeitlich ihren Lebensunterhalt verdiente. Wann sie mit dem Sport angefangen hätte? Mit 26. Ob sie irgendwelche Laster hätte? Schokolade liebt sie – und früher rauchte sie kurzzeitig. Ob sie noch Ziele hätte? Den Ironman in Hawaii zu gewinnen – für Triathleten das eigentliche Monument. Das sollte ihr nicht gelingen, mit Platz 5 kratzte sie an ihrem Traum.

Ehemann Marcel Diechtler stößt mit seiner Kate auf den Olympiasieg an – im Hintergrund die Akropolis.
© gepa

Kate Allen blieb in den Folgejahren, was sie immer war. Eine unaufgeregte wie akribische Athletin, die sich wenig aus Ehrungen (Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, Sportlerin des Jahres) machte und lieber anderen die mediale Bühne überließ. Nach Rang 14 bei den Sommerspielen 2008 in Peking neigte sich die Karriere der immerhin schon 38-Jährigen dem Ende zu, 2009 sollte es so weit sein und viel Druck abfallen: „Während meiner Karriere habe ich immer nur an den Trainingsplan gedacht, das ist jetzt anders.“ Viel lieber verbringt sie die Zeit in der Natur oder geht mit ihren beiden Männern Ski fahren.

Olympia 2004 bleibt etwas Magisches, worüber Kate Allen selten spricht. Nur eines behielt Österreichs einzige Sommer-Goldmedaillengewinnerin (Olympia) seit 1980 bei. Immer noch geht sie regelmäßig (in beachtlichem Tempo) laufen: „Ohne Bewegung geht’s nicht.“


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