Die Maskenpflicht und das Miteinander: Was ändert‘s?

Ein kurzes Lächeln an der Kasse, der Ampel oder beim Bäcker: Mimik spielt für Kommunikation häufig eine große Rolle. Mit einer Maske im Gesicht ist das gar nicht so leicht. Alles eine Frage der Gewohnheit?

In Österreich müssen Mundschutz-Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Geschäften getragen werden. Auch Schüler werden den Mund-Nasen-Schutz auf dem Schulweg und zum Teil in den Pausen tragen müssen.
© AFP/Jansens

Von Anne Pollmann, dpa

Berlin – Hundeschnauze, Lieblingsverein oder Ponys – zumindest beim Design lassen Mund-Nasen-Schutzmasken kaum Wünsche offen. Beim Einkaufen oder in der Bahn in halbbedeckte Gesichter zu blicken, dürfte für viele Menschen trotzdem ungewohnt sein. Die Maskenpflicht verändert die Kommunikation und fordert ein Umdenken, sagen Experten.

„Mimik ist eine der wichtigsten nicht verbalen Kanäle für Kommunikation“, sagt Christian Wallraven, Forscher für Künstliche Intelligenz und Kognitive Neurowissenschaften an der Korea University in Seoul. Wallraven hat unter anderem die Bedeutung von Gesichtsausdrücken untersucht und sagt: „Der Mund ist bei weitem die größte Informationsquelle.“

Bei der Kommunikation fallen durch die Gesichtsbedeckung viele Informationen weg.
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Information und Kontext fallen weg

Durch die Masken falle eine Menge an Information weg und es werde schwerer, das Gesagte in einen Kontext zu setzen, sagt Wallraven. Die Mimik habe dabei zwei Funktionen: Sie spiegele zunächst den emotionalen Gefühlszustand des Gegenübers. „Aber auch in der gesprochenen Kommunikation ist die Mimik wichtig, zum Beispiel für Unterstreichungen, Emphasen oder Korrekturen des Gesagten.“

Wallraven glaubt, zumindest am Anfang werde Kommunikation zögerlicher, weil Einordnung schwerer falle: „Lächelt die Person oder macht sie ein sarkastisches Grinsen, das weiß man dann nicht“.

Größere Anonymität in der Öffentlichkeit

Dirk Eilert ist Experte für Mimik und Körpersprache. Er fürchtet durch die Maskenpflicht eine größere Anonymität in der Öffentlichkeit. „Das flüchtig ausgetauschte Lächeln macht was mit uns“, sagt der Coach, der die Eilert-Akademie betreibt. „Wir haben eine wahnsinnig angespannte Situation für viele Menschen. Dinge die vorher normal für uns waren, werden auf einmal in Frage gestellt. Und in solchen Situationen ist soziales Miteinander umso wichtiger.“ Das werde durch die Masken aber eher noch verringert.

Die Masken senden eine Botschaft aus, die Ablehnung signalisiert.
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Auch wenn wir wüssten, dass die physische Distanz dem Schutz diene und kein Zeichen von Ablehnung sei, komme die Botschaft unterbewusst anders an: „Ihr Gehirn versteht: Hey, der andere mag mich nicht. Das wird dazu führen, dass wir uns alle einsamer fühlen.“ Laut Eilert ist es darum umso wichtiger, mehr mit Worten zu kommunizieren. Auch darüber ließe sich Nähe herstellen.

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Mehr gesprochene Worte helfen aber nicht in allen Situationen. Für gehörlose und hörbehinderte Menschen werde die Kommunikation mit Menschen, die einen Mund-Nase-Schutz tragen, stark erschwert, teilte der Deutsche Gehörlosen-Bund teilte mit. In Spanien haben Freiwillige darum transparente Masken für gehörlose Menschen produziert. Durch einen durchsichtigen Kunststoff sollen so Lippenbewegungen sichtbar sein. Der Deutsche Gehörlosen-Bund sieht darin jedoch keine praktikable Lösung. „Mit dem Atmen haucht man außerdem das Fenster zu“, sagt Sprecher Daniel Büter. Hörende, die eine Maske tragen, könnten vielmehr im Umgang mit gehörlosen Menschen viel mit Gesten kommunizieren, auf Gegenstände zeigen oder Dinge einfach aufschreiben.

Wie funktioniert Zwischenmenschlichkeit?

Auch hörende Menschen müssten mit Maske laut Wallraven mehr Gestik bemühen: „Wir werden auf andere Infokanäle ausweichen müssen.“ Grundsätzlich sei das aber nur eine Frage der Gewöhnung. In Südkorea beispielsweise würden Menschen seit sehr viel längerer Zeit Masken tragen. Wallraven hat sich unter seinen Studenten umgehört. Niemand habe ihm berichtet, dass sich durch die Masken etwas im Miteinander ändere. Auch aktuell trügen etwa 99 Prozent der Menschen Masken in der Öffentlichkeit.

„Es ist nur die Frage, wie stelle ich Nähe und Kommunikationsdichte her“, sagt Wallraven. „Das erste Mal wird für viele Menschen, die das nicht kennen, eine ziemliche Umstellung sein.“ Der Drang zur Zwischenmenschlichkeit werde dadurch aber nicht geringer.


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