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Virtuelles Wartezimmer: „Dahoambleiben” und trotzdem zum Arzt gehen

Die Coronavirus-Krise hat ein Dilemma im Gesundheitssystem offenbart: Einerseits sollte man das Haus nicht verlassen, andererseits duldet ein Arzt- oder Apothekenbesuch oft keinen Aufschub. Das Problem kann in Tirol bald auf simple Art gelöst werden: mit einem virtuellen Wartezimmer.

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(Symbolfoto)
© APA/dpa/Büttner

Innsbruck – In der Coronavirus-Krise werden vor allem Ärzte und Apotheker vor eine große Herausforderung gestellt: Die Wartezimmer bergen häufig eine große Gefahr der Ansteckung mit Covid-19 aber auch anderen Infektionskrankheiten. Beim anschließenden Apothekenbesuch setzt sich die Gefahr einer Infektion durch erkrankte Patienten fort. Auch in Tirol kritisierte die Ärzteschaft zuletzt fehlende oder mangelhafte Schutzausrüstung, um sich vor einer Covid-19-Ansteckung zu schützen. Doch was wäre die Alternative? Das Schließen von Praxen und Apotheken ist in den meisten Fällen nicht möglich, damit das Gesundheitssystem weiterlaufen kann.

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Um dieses Problem nachhaltig zu lösen, hat sich jetzt ein Innsbrucker Expertenteam eine findige Lösung einfallen lassen: die virtuelle Arztpraxis vividoc.at. „Wir haben uns überlegt, was wir beitragen können, um ein soziales System zu entwickeln, das sowohl für die Ärzte und Apotheker als auch für die Bevölkerung einen Benefit bringt”, erklärt Ideengeber und Prozessmanager Mario Unterwurzacher.

Beta-Version wird bereits getestet

Aus der Idee ist mittlerweile eine Beta-Version entstanden, die bereits von einzelnen Apothekern und Allgemeinmedizinern getestet werden kann. Bei Vividoc handelt es sich um eine virtuelle Ordination, in der das Vorzimmer Termine koordinieren kann, damit Arzt und Patient sich zur Befundbesprechung online treffen. Der Patient kann den Mediziner auf zwei Arten konsultieren: Entweder sucht er direkt über die Seite nach seinem niedergelassenen Arzt und lässt sich dort ins Wartezimmer verbinden oder er vereinbart klassisch einen Termin übers Telefon und erhält zum vereinbarten Zeitpunkt einen Link zugeschickt, über den er Zugang zum Wartezimmer bekommt. Von dort wird er dann von der Assistenz in das jeweilige virtuelle Konsultationszimmer verbunden und kann sich mit seinem Arzt besprechen.

© Screenshot/Vividoc

„Vor der Konsultation sollte der Patient noch ein vorgeschaltetes Formular ausfüllen, damit man gleich abgrenzen kann, ob eine Online-Befundung überhaupt möglich ist”, erklärt Unterwurzacher die Idee. Nicht bei jedem Arzt ist eine Online-Befundung möglich oder gar erlaubt, weshalb Vividoc überwiegend Allgemeinmediziner anspricht. Die Abrechnung erfolgt dann bei Kassenärzten über die Krankenkassen, bei Privatärzten über Honorarnoten.

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Die Rezepte, die der Arzt erstellt, werden an eine vom Patienten gewünschte Apotheke gesendet, die diese wiederum bearbeitet und im besten Fall die Medikamente ausliefert. „Das ermöglicht den Kranken, daheim zu bleiben und bietet so eine Win-Win-Situation für beide Seiten”, ist Gesundheitsexperte Unterwurzacher überzeugt.

Lösungen für Apotheken

Auch für Apotheken böten sich gute und kostengünstige Lösungen: Sie können über das System direkt mit den Kunden via Video-Chat verbunden werden und Online-Beratungen durchführen. Zudem ist ein neues Shop System speziell für Apotheken bereits im Entstehen. Für rund ein Drittel der üblichen Kosten eines eigenen Internet-Auftritts erhalten teilnehmende Apotheken ihren eigenen Shop, der direkt auch mit einer Apothekenplattform verbunden ist. „Uns war wichtig, dass die Beratung des Kunden nicht leiden darf, daher gibt es auch die Möglichkeit, direkt mit dem Apotheker in Kontakt zu treten, ohne dabei das Haus verlassen zu müssen”, schildert Unterwurzacher.

Die virtuelle Ordination ist so gestaltet, dass die Hemmschwelle der Nutzung gering ist – auch ältere Patienten sollen das System ohne großes Computerwissen mit etwas Hilfestellung leicht nützen können. Derzeit wird die Beta-Version von drei Innsbrucker Ärzten getestet, weitere 55 Ärzte in Tirol haben bereits ihr Interesse angemeldet. Auch bei den Apotheken ist die Bereitschaft zur Teilnahme hoch. Schon in den nächsten Wochen soll vividoc dann an den Start gehen und sich – wenn es nach den Entwicklern geht – nicht nur in Tirol sondern in ganz Österreich durchsetzen. (rena)

Über Vividoc.at

Bei Vividoc.at handelt es sich um eine Open-Source-Anwendung mit der Möglichkeit, Online-Befundungen via Audio und Video zu erstellen sowie die gesamte Praxisverwaltung über die Plattform abzuwickeln. Rund um die Ideengeber Mario Unterwurzacher und Christian Lill-Rastern haben sich drei Apotheker aus Innsbruck (Apotheke im DEZ, St. Anna Apotheke, Tivoli Apotheke) und der Gründer des Lanser Hofes, Andreas Wieser, zusammengetan, um den Dienst zu erstellen und ausgiebig zu testen. Beratend steht die Innsbrucker Allgemeinmedizinerin Julia Willke zur Seite.

Der Zugang zur virtuellen Praxis ist sehr niederschwellig über den Browser möglich, es muss keine eigene Software heruntergeladen werden. Die Ersteller garantieren außerdem einen sicheren Kanal und Datenschutz über einen eigenen Server. Ärzte und Apotheker, die sich für das Projekt interessieren, können ab sofort als Beta-Tester teilnehmen und den Dienst nutzen.


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