Coronavirus: Menschen vermissen ihr Lokal, aber nicht das Shopping

Eine aktuelle Befragung zeigt, dass die Österreicher die Gastronomie und das Essen gehen vermissen: Lokalbtreiber könnten letztlich gestärkt aus der Krise hervorgehen. Anders sieht das beim Handel aus – und auch der Tourismus dürfte die eine oder andere Schramme erleiden.

Viele Geschäfte sind immer noch geschlossen. Die Österreicher sind beim Einkaufen großteils auf den digitalen Handel ausgewichen.
© APA/dpa/Karmann

Wien – Die Einschränkungen im Rahmen der Corona-Pandemie haben für unterschiedliche Branchen der Wirtschaft ganz unterschiedliche Auswirkungen. Die Österreicher vermissen die Gastronomie und freuen sich schon auf das Essen gehen, weniger wichtig ist ihnen das Shopping. Und die Lust auf den Sommerurlaub ist den meisten auch vergangen, zeigt eine aktuelle Befragung von 1000 Österreichern.

Ein Viertel der Befragten gab in der Umfrage an, sie würden als Erstes nach der Lockerung der Ausgangsbeschränkungen ein Restaurant oder Lokal aufsuchen. Das liegt nach "Freunde treffen" und "Familie sehen" an dritter Stelle im Ranking der Quarantäne-Sehnsüchte und habe wohl auch damit zu tun, dass Lokale "Orte des sozialen Zusammentreffens" sind, sagt Dieter Scharitzer, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts TQS Research & Consulting, das die Umfrage gemacht hat. "Man kann halt digital kein Bier trinken", merkt der Experte an.

Viele Gastgärten werden mit den Lockerungen wieder öffnen können.
© APA/Hochmuth

Shopping fehlt den Österreichern nicht

Wenn sie es geschickt macht, könne die Gastronomie jetzt Profiteur sein. Die Schaffung einer starken Marke sei dabei wichtiger als der Vertriebskanal, über den die Speisen und Getränke zum Kunden gebracht werden. Wer zwischenzeitlich etwa über Hauszustellung Kundenbindung betrieben hat, könne jetzt vielleicht trotz reduziertem Platzangebot profitieren.

Viele Geschäfte werden wohl auch mit Rabattaktionen werben, um Kunden in ihre Geschäfte zu locken.
© APA/dpa/Arnold

Der Handel muss sich hingegen damit abfinden, dass Shopping den Österreichern weniger abgeht. "Einkaufen als Freizeitgestaltung kommt weit abgeschlagen nach der Gastronomie", so Scharitzer im Gespräch mit der APA unter Verweis auf seine Umfrage. Nur vier Prozent fehlt das Einkaufserlebnis in der Quarantänezeit. Das sei ein Hinweis darauf, dass es für einige Branchen nicht reichen wird, die Geschäfte wieder zu öffnen. Die Menschen hätten gelernt, online einzukaufen, das sei bequem, oft billiger und schnell. Auch hier zähle die gute Marke, stationär und beim Online-Auftritt. Wenn man heute über eine Homepage stolpere, die noch gleich aussieht wie vor der Krise, dann sei das Defizit offensichtlich. "Die ersten Konkurse in der Branche lassen sich meist auch mit Versäumnissen bei der Digitalisierung der Vertriebskanäle begründen", so Scharitzer.

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Österreicher wollen weiter heimische Wirtschaft unterstützen

"Die Krise war das letze, was noch zur Digitalisierung gefehlt hat. Es hat funktioniert", sagt Scharitzer. Hoffnung für den heimischen Handel mache aber, dass 70 Prozent sagen, sie würden künftig häufig oder immer darauf achten, dass sie beim Einkaufen die heimische Wirtschaft unterstützen.

"Ein großes Fragezeichen" steht für Scharitzer über dem heimischen Tourismus in diesem Sommer, vor allem über der Rückkehr der internationalen Gäste. Das liege einerseits an Reiseeinschränkungen, andererseits aber auch an den Einstellungen der Menschen. Vergangene Woche, knapp nach Ostern, hat laut Umfrage die Hälfte der Österreicher für den Sommer keinen Urlaub ins Auge gefasst. Nur ein Drittel plant einen Sommerurlaub, davon will knapp die Hälfte in Österreich bleiben, der Rest ins nahegelegene Ausland fahren oder ist noch unentschlossen. Letztlich zieht es nicht einmal ein Zehntel der Österreicher heuer ins Ausland.

Ausländische Gäste dürften heuer weitgehend ausbleiben

Wenn man ein ähnliches Verhalten etwa für Menschen in Deutschland unterstelle, was nicht ganz unrealistisch sei, dann sehe man schon, dass die für Österreich so wichtigen ausländischen Gäste heuer weitgehend ausbleiben dürften. Das gelte für Fernreisen aus den USA oder China noch mehr. Das treffe insbesondere den Städtetourismus – und auch "Tirol ist für mich ein Fragezeichen", Stichwort Ischgl, sagt Scharitzer. Hier müsse man viel tun, um die Marke zu stärken.

Experten gehen davon aus, dass Tourismusregionen kreativ sein müssen, damit die Buchungen nicht ausbleiben.
© APA/dpa/Wendt

Je länger der Ort als zentraler Virenverteiler Europas in den Medien sei, umso negativer werde das für das Buchungsverhalten sein. Aber natürlich werde es auch Gewinner geben, etwa lokale Ausflugsangebote, eventuell in Verbindung mit einem Lokalbesuch, oder Urlaub an Kärntner Seen. Urlaubsorte müssten kreativ sein, verwies Scharitzer auf frühere Angebote in Wien an die Wiener, ein Wochenende in der eigenen Stadt im Hotel zu verbringen.

Obwohl nur rund die Hälfte der Befragten beruflich von der Coronakrise betroffen war, informieren sich vier von fünf Menschen zumindest einmal täglich zu dem Thema, etwa die Hälfte sogar mehrmals am Tag. Jeder Fünfte kennt im Umfeld einen SARS-CoV-2 Infektionsfall. Und 56 Prozent der Österreicher glauben, dass die Pandemie die Gesellschaft "stark" oder "sehr stark" verändern wird. Dabei gehen drei von vier Menschen davon aus, dass die Corona-Pandemie zu einem positiven Wandel bei Themen wie Klimawandel, CO2-Ausstoß oder Digitalisierung beitragen wird. (APA)


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