Mindestens 90.000 Pfleger weltweit mit Coronavirus infiziert

Weltweit wurde das Coronavirus bei 3,5 Millionen Menschen nachgewiesen. Mindestens 90.000 von ihnen sollen Krankenpfleger sein. Die Zahl der Infektionen bei medizinischem Personal könnte aber auch mehr als doppelt so hoch sein.

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© INA FASSBENDER

London, Genf, Moskau – Weltweit haben sich nach Verbandsangaben mindestens 90.000 Krankenpfleger mit dem Coronavirus angesteckt. Mehr als 260 von ihnen seien an Covid-19 gestorben, sagte der Vorsitzende des Internationalen Rats der Krankenpfleger (ICN), Howard Catton, in Genf. Der britische Premierminister Boris Johnson hat unterdessen für nächste Woche eine mögliche Lockerung der Beschränkungen in Aussicht gestellt.

Die Zahl der Infektionen könne aber auch mehr als doppelt so hoch liegen, weil es dazu in vielen Ländern keine Erhebungen gebe, betonte Catton gegenüber Reuters-TV. Weltweit sei das Virus bei 3,5 Millionen Menschen nachgewiesen worden. "Wenn wir von der durchschnittlichen Ansteckungsrate von sechs Prozent beim Pflegepersonal ausgehen, könnten sich bis heute mehr als 200.000 Pfleger infiziert haben".

Die Schätzungen basierten auf Zahlen aus 30 Ländern. "Der Skandal ist, dass Regierungen diese Informationen nicht systematisch sammeln und veröffentlichen", kritisierte Catton. "Auf uns wirkt es, als würden sie einfach wegschauen. Das ist völlig inakzeptabel und wird noch mehr Menschenleben kosten."

▶️ GROSSBRITANNIEN:

Die Zahl der Neuinfektionen in Großbritannien ist gesunken. Das Kabinett von Premierminister Boris Johnson wird deshalb am Donnerstag über eine schrittweise Lockerung der strengen Corona-Beschränkungen beraten. Den genauen Fahrplan will der Premierminister am Sonntag vorstellen.

Er werde jedoch nichts tun, wodurch das Land einen erneuten Anstieg der Infektionsfälle riskiere, sagte der Regierungschef am Mittwoch bei seinem ersten Parlamentsauftritt nach seiner Corona-Erkrankung. Eine zweite Infektionswelle "wäre eine wirtschaftliche Katastrophe für dieses Land", betonte Johnson.

Am Tag zuvor hatte Großbritannien Italien als am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenes Land Europas abgelöst. Bis Ende April starben im Vereinigten Königreich mehr als 32.300 an der vom neuartigen Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19, wie die britische Statistikbehörde ONS mitteilte. Weltweit verzeichnen nur die USA mehr Todesfälle durch das neuartige Coronavirus.

"Jeder Tod ist eine Tragödie", sagte Johnson. Die Statistiken seien "entsetzlich". Insbesondere die mehr als 6.000 Todesfälle in Pflegeheimen bedauere er "bitterlich". Die Lage in den britischen Pflegeheimen gilt als besonders verheerend.

▶️ IRAN:

Im Iran ist die Zahl der nachgewiesenen Infektionen auf über 100.000 gestiegen. Binnen 24 Stunden seien 1680 Neuinfektionen registriert worden, teilt das Gesundheitsministerium mit. Damit seien nun 101.650 Ansteckungsfälle bekannt. 78 weitere Menschen seien im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Die Gesamtzahl der Todesfälle steige damit auf 6418. Der Iran ist eines der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder in der Nahost-Region.

▶️ SPANIEN:

In Spanien übersteigt die Zahl der neuen Todesfälle nach drei Tagen wieder die Marke von 200 pro Tag. Das Gesundheitsministerium gibt einen Anstieg von 244 auf insgesamt 25.817 bekannt. Zudem sind 220.325 Infektionen verzeichnet, 996 mehr als am Vortag. Die Zahlen liegen aber weiter deutlich unter den Höchstwerten der vergangenen Wochen.

▶️ ITALIEN/RUSSLAND:

Nach einem rund sechswöchigen Einsatz in Italien zieht das russische Verteidigungsministerium seine Helfer im Kampf gegen das Coronavirus aus dem NATO-Land wieder ab. An diesem Donnerstag beginne die Rückführung der Spezialisten. Russland hatte auf Bitten Italiens vom 22. bis 25. März 15 Flugzeuge mit Personal und Ausrüstung für den Kampf gegen das Coronavirus in das Land geschickt.

Im Einsatz waren rund 100 Virologen und Spezialisten des Verteidigungsministeriums. Russland hatte zudem Fahrzeuge, Laboratorien, Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung nach Italien gebracht. In rund 100 Ortschaften seien die Ärzte, Schwestern und andere Helfer unterwegs gewesen. Russische Militärärzte arbeiteten demnach außerdem in einem Feldlazarett in der Stadt Bergamo. (APA/Reuters)


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