75 Jahre Kriegsende: Im Zweiten Weltkrieg starben 50 Mio. Menschen

In der Nacht von 8. auf 9. Mai 1945 erfolgte bedingungslose Kapitulation Deutschlands in Berlin-Karlshorst, womit der Zweite Weltkrieg in Europa beendet war. 50 Millionen Menschen verloren ihr Leben, Millionen wurden zu Flüchtlingen.

"Fliegende Festungen" über Osterreich: Insgesamt 120.000 Tonnen Luftminen, Spreng- und Brandbomben wurden im Verlauf des Zweiten Weltkriegs über der "Ostmark" abgeworfen. Im Bild: Der obere Teil der Meidlinger Hauptstraße in Wien nach dem Luftangriff der 15. US-Luftflotte. Luftwaffensoldaten der Deutschen Wehrmacht übernahmen die Aufräumarbeiten.
© Wr.stadtwerke-Verkehrsb.

Wien – Vor 75 Jahren endete am 8. Mai der Zweite Weltkrieg in Europa. Der verheerendste Krieg des Kontinents dauerte sechs Jahre, kostete weltweit über 50 Millionen Menschen das Leben und machte Millionen Menschen zu Flüchtlingen. Die Auswirkungen des Krieges waren jahrzehntelang spürbar und reichen teilweise bis in die Gegenwart.

Der deutsche Überfall auf Polen am 1. September 1939 markierte den Beginn des verheerenden Krieges. Gleich zwei Tage nach Beginn des Angriffs erklärten Frankreich und Großbritannien, die mit Polen verbündet waren, dem Deutschen Reich den Krieg, unterließen jedoch vorerst einen Angriff und setzten auf eine Wirtschaftsblockade gegen Deutschland. Polen hingegen war bereits etwa einen Monat später vernichtend geschlagen.

📽 Video | Frankreich 1939/40 - Ein seltsamer Krieg

Die Sowjetunion war zunächst durch den sogenannten "Hitler-Stalin-Pakt" mit Deutschland verbunden, in welchem sich die beiden Länder die Macht in Osteuropa - darunter in Polen und dem Baltikum - aufteilten und einen Nichtangriffspakt eingingen. Nur zwei Jahre später wurde der Pakt von Adolf Hitler mit dem Angriff auf die Sowjetunion gebrochen.

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Im Jahr 1940 weitete sich der Krieg auf Nord- und Westeuropa aus. Norwegen und Dänemark wurden von der deutschen Wehrmacht besetzt und am 10. Mai begann der Westfeldzug gegen Frankreich und die neutralen Länder Niederlande, Belgien und Luxemburg. Alle diese Staaten wurden innerhalb weniger Wochen besetzt und am 22. Juni kam es zum Waffenstillstand von Compiègne in Frankreich, welcher drei Fünftel Frankreichs unter deutsche Besatzung brachte. Im Südfrankreich wurde anschließend das nominell unabhängige Vichy-Regime ("Etat francais", d. h. "Französischer Staat") unter Marschall Philippe Pétain als französischer Vasallenstaat Deutschlands errichtet.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Hitler-Deutschland Vorherrschaft über weite Teile Europas und fühlte sich gestärkt durch die schnellen Siege. Doch die geplante Invasion in Großbritannien scheiterte Mitte 1940, da Deutschland die Luftüberlegenheit nicht erringen konnte. Ende des Jahres wurde das Vorhaben aufgegeben und man verlegte sich auf regelmäßige Bombardements britischer Städte, die bis Mitte 1941 andauerten.

Im dritten Kriegsjahr 1941 verschoben sich die Kriegsereignisse nach Süden und vor allem nach Osten. Zum einen unterstützte Hitler seinen Bündnispartner Italien unter Benito Mussolini in Nordafrika, zum anderen wurde im Frühjahr der Balkanfeldzug eröffnet. Griechenland und Jugoslawien wurden im April attackiert, bis zum Ende des Monats kapitulierten beide Länder. Nun richtete Hitler mit dem "Unternehmen Barbarossa" am 22. Juni das ganze Augenmerk auf die Sowjetunion und die Zerschlagung des "jüdischen Bolschewismus". Zu diesem Zeitpunkt hatte der "Hitler-Stalin-Pakt" keinerlei Bedeutung mehr.

📽 Video | Adolf Hitler, "Größter Feldherr aller Zeiten?"

Für Hitler hatte die Sowjetunion neben der Machtfrage auch noch eine andere Bedeutung: durch die "Endlösung der Judenfrage" und die Unterjochung der slawischen Bevölkerung sollte mehr Lebensraum für Deutsche geschaffen werden. Die systematische Ermordung der Juden war nämlich bereits beschlossene Sache und wurde bei der Wannsee-Konferenz im Jänner 1942 im Detail organisiert.

Aufgrund der schnellen Erfolge in den Blitzkriegen wähnte sich Deutschland sicher, auch die Rote Armee von Josef Stalin innerhalb von ein paar Monaten besiegen zu können, doch dem war nicht so. Zunächst allerdings verzeichnete die Wehrmacht große Erfolge, denn die Sowjetunion war nicht vorbereitet auf die Angriffe. Hunderttausende sowjetische Soldaten kamen in deutsche Kriegsgefangenschaft. Das Baltikum sowie große Teile der Ukraine und Weißrusslands wurden besetzt. Im September begann die 900 Tage währende Belagerung von Leningrad (heute St. Petersburg), während derer Hunderttausende Bewohner der Stadt verhungerten.

Katastrophales Ende der Schlacht um Moskau

Die Schlacht um Moskau 1941/1942 endete für die deutsche Wehrmacht jedoch in einer Katastrophe, unter anderem weil die deutschen Soldaten auf die eisigen Temperaturen nicht vorbereitet waren. Die sowjetischen Truppen nützten hingegen den Winter, um aufzurüsten und zum Gegenangriff anzusetzen.

Zur Jahreswende 1941/1942 hatte sich der Krieg auch zu einem Weltkrieg ausgeweitet, denn am 7. Dezember 1941 griff das mit Deutschland verbündete Japan den US-Stützpunkt Pearl Harbour an. Hitler erklärte daraufhin am 11. Dezember 1941 auch den USA den Krieg.

Haupteingang des KZ Auschwitz in Polen. Das Vernichtungslager wurde am 27.01.1945 von der Roten Armee befreit.
© JANEK SKARZYNSKI

Mitte 1942 war das von Deutschland eroberte Gebiet am Höhepunkt seiner Ausdehnung angekommen, bevor die Wende einsetzte. Am 22. November wurde die deutsche 6. Armee bei Stalingrad (heute Wolgograd) vollständig eingekesselt. In der Sowjetunion kämpfte die Wehrmacht mittlerweile gegen den Zusammenbruch der Front, die anfängliche Angriffskraft war weg.

Im Jahr 1943 intensivierten sich auch die alliierten Flächenbombardements auf das Deutsche Reich. An der Ostfront geriet die Wehrmacht in die Defensive. Im Gegensatz zur Roten Armee waren die Ressourcen Deutschlands nahezu aufgebraucht. Der Ruf nach dem "totalen Krieg" sowie Durchhalteparolen konnten nicht verhindern, dass zahlreiche besetzte Gebiete verloren gingen. Auch die letzte entscheidende Schlacht um Kursk im Juli 1943 scheiterte vollkommen.

Nach der alliierten Landung auf Sizilien im Juli 1943 wurde in Italien Mussolini entmachtet. Das Land wechselte die Seiten und erklärte Deutschland den Krieg. Deutsche Truppen besetzten daraufhin große Teile Italiens und der von Italien besetzten Gebiete auf dem Balkan und lieferten sich dort bis Kriegsende erbitterte Kämpfe mit den alliierten Truppen und mit lokalen Partisanen.

Im fortgeschrittenen Kriegsjahr 1944 verschoben sich sämtliche Fronten in Richtung Deutsches Reich. Am 6. Juni landeten die Alliierten in der Normandie ("D-Day") und begannen die Befreiung Westeuropas. Die Niederlage zeichnete sich immer deutlicher ab. Auch die deutsche Bevölkerung zweifelte immer mehr am propagierten "Endsieg". Das gescheiterte Attentat der Gruppe um den Wehrmachtsoffizier Claus Schenk von Stauffenberg auf Hitler am 20. Juli verschärfte zudem die innenpolitische Situation.

Zum letzten Kriegsjahr 1945 hin brachen die Frontlinien noch mehr zusammen. Am 27. Jänner wurde das NS-Vernichtungslager Auschwitz nahe der polnischen Großstadt Krakau von sowjetischen Truppen befreit.

Im April 1945 begann die sowjetische Offensive gegen Berlin. Hitler nahm sich am 30. April im Berliner "Führerbunker" zusammen mit seiner Frau Eva Braun das Leben. Am 4. Mai kapitulierten Hitlers Truppen in Norddeutschland, Dänemark und den Niederlanden.

Kapitulation von 8. auf 9. Mai, Kriegsende am 2. September

Die bedingungslose Kapitulation Deutschlands erfolgte schließlich in der Nacht von 8. auf 9. Mai 1945 in Berlin-Karlshorst, womit der Zweite Weltkrieg in Europa beendet war.

An der asiatischen Front führte erst der Abwurf der US-Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki im August das Ende des Krieges herbei. Kaiser Hirohito gab daraufhin am 15. August die Kapitulation seines Landes bekannt. Offiziell endete der Zweite Weltkrieg am 2. September 1945 mit der Kapitulationsunterzeichnung Japans.

Die Folgen des Krieges, dessen Brutalität nie da gewesene Ausmaße erreicht hatten, wirkten noch lange nach. Weltweit kamen mehr als 50 Millionen Menschen ums Leben, Millionen Menschen wurden zu Flüchtlingen. Die meisten Toten gab es mit über 25 Millionen in der Sowjetunion. Zusätzlich zu jenen Menschen, die durch Kämpfe, Bombardements, Massaker, Hunger und Todesmärsche getötet wurden, wurden über sechs Millionen Menschen in Konzentrations- und Vernichtungslagern systematisch ermordet - in der überwiegenden Mehrzahl Juden, vom Baby bis zum Greis. (APA)

Chronologie des Zweiten Weltkriegs

1939

01.09.: deutscher Überfall auf Polen

03.09.: Frankreich und Großbritannien "antworten" mit Kriegserklärungen, bleiben aber vorerst passiv

17.09.: Sowjetische Truppen marschieren in Polen ein

28.09.: Vierte Teilung Polens durch den deutsch-sowjetischen Freundschaftsvertrag

8.11.: Ein Bombenattentat auf Hitler im Bürgerbräukeller in München scheitert

1940

9.04.: Deutschland besetzt die neutralen Länder Dänemark und Norwegen ohne Kriegserklärung. Norwegen kapituliert am 10.04

10.05.: Beginn eines "Blitzkrieges", durch den Belgien, die Niederlande und Frankreich unterworfen werden. Paris wird am 14.06. kampflos eingenommen. Bei Dünkirchen retten sich 340.000 britische Soldaten über den Ärmelkanal

13.08.: Hitler beginnt Luftschlacht um England

27.09.: Dreimächtepakt aus Deutschland, Italien und Japan, nach vorangegangenen Bündnissen Achse Berlin-Rom und Antikominternpakt (beide 1936) sowie Stahlpakt (1939).

November: Rumänien, Ungarn und die Slowakei treten dem Dreimächtepakt bei

1941

Februar: Deutscher General Erwin Rommel beginnt den Afrikafeldzug

01.03.: Bulgarien tritt dem Dreimächtepakt bei

06.04.: Wehrmacht marschiert in Jugoslawien und Griechenland ein

22.06.: Beginn des "Unternehmen Barbarossa", bei dem die Wehrmacht mit drei Millionen Soldaten in die Sowjetunion einfällt. Schneller Vormarsch wird mit Einbruch des Winters gestoppt

14.08.: Roosevelt und Churchill verkünden mit Atlantikcharta gemeinsame Kriegsziele

07.12.: Japanischer Überraschungsangriff auf amerikanischen Marinestützpunkt in Pearl Harbor, gefolgt von deutscher Kriegserklärung an die USA am 11.12.

1942

20.01.: Auf der Wannseekonferenz wird "Endlösung der Judenfrage" beschlossen

Juni: Niederlage in der Seeschlacht von Midway leitet Ende der japanischen Überlegenheit in Ostasien ein

23.10.: Britische Gegenoffensive bei El Alamein zwingt das Afrika-Korps, das bereits weniger als 100 Kilometer vor Alexandria gestanden war, zum Rückzug.

22.11.: Die 6. Armee der Wehrmacht wird von sowjetischen Truppen bei Stalingrad eingeschlossen

1943

31.01.: Schlacht um Stalingrad endet mit Kapitulation der 6. Armee. 90.000 deutsche Soldaten kommen in sowjetische Gefangenschaft

13.05.: Mit Kapitulation endet der Afrikafeldzug der Achsenmächte. Rund 250.000 Deutsche und Italiener kommen in Kriegsgefangenschaft

19.04.: Beginn des Aufstands im Warschauer Ghetto, der nach wochenlangen Kämpfen am 16.05. endgültig zusammenbricht

24.05.: Der deutsche U-Boot-Krieg gegen Geleitzüge im Nordatlantik wird aufgrund großer Verluste abgebrochen

11.06.: Die Alliierten beginnen mit einem Angriff auf Düsseldorf die auf der Konferenz von Casablanca (14.-24.01.) beschlossenen Flächenbombardements deutscher Städte

9./10.07.: Landung britischer und amerikanischer Truppen auf Sizilien, anschließend Sturz des italienischen Diktators Benito Mussolini

03.09.: US-amerikanische Truppen landen auf italienischem Festland, Italien schließt sich den Westmächten an und erklärt am 13.10. Deutschland den Krieg

28.11: Beginn Konferenz der "Großen Drei" in Teheran zur Planung militärischer Ziele und Neuregelung Nachkriegseuropas.

1944

06.06.: Landung der Alliierten in der Normandie ("D-Day")

20.07.: Das Attentat von Oberst Claus von Stauffenberg und seiner Mitverschwörer auf Hitler schlägt fehl

Dezember: Letzte Offensive der Wehrmacht scheitert in den Ardennen. Bereits am 21.10. haben die Amerikaner als erste deutsche Großstadt Aachen besetzt.

1945

27.01: Das NS-Vernichtungslager Auschwitz wird von der Roten Armee befreit

13./14.02: Alliierter Luftangriff auf Dresden mit weitgehender Zerstörung der Altstadt

05.-11.02.: Jalta-Konferenz legt unter anderem Entmilitarisierung und Reparationszahlungen für Nachkriegsdeutschland fest

29.03.: Sowjetischen Truppen erreichen Österreich. Die Westalliierten betreten erst einen Monat später, am 28. April, in Tirol Österreich

5.04: Beginn der Schlacht um Wien, das am 13.04. befreit wird

20.04.: Mit Artilleriebeschuss beginnen insgesamt 2,5 Millionen sowjetische Soldaten den "Sturm auf Berlin"

27.04.: In Wien proklamiert die provisorische Staatsregierung die "Wiederherstellung der Republik Österreich"

29.04.: Konstituierende Sitzung der Regierung von Karl Renner in Österreich

30.04.: Selbstmord Hitlers in Berlin. Nachfolger wird Admiral Karl Dönitz

03.05.: Die ersten US-Truppen erreichen Innsbruck

05.05.: Als letztes Konzentrationslager des Naziregimes wird Mauthausen in Oberösterreich von alliierten Truppen befreit. Die 7. US-Armee rückt in Linz ein

08.05.: Bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht ("Victory in Europe Day", VE Day); in der Sowjetunion gilt der 09.05. als "Siegestag"

06.08.: USA werfen erste Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima, gefolgt von zweiter Bombe am 09.08. auf Nagasaki

15.08.: Der japanische Kaiser Hirohito verkündet im Radio die Kapitulation Japans ("Victory over Japan Day", VJ Day)

02.09: Japan unterzeichnet Kapitulation auf dem US-Kriegsschiff USS Missouri; offizielles Ende des Zweiten Weltkriegs


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