Offener Brief an Regierung: Österreichs Festivalleiter fordern Fairness

In dem siebenseitigen Brief wird ein grundsätzliches Bekenntnis zur Kultur und Unterstützung gefordert – sowie die bisherige Vorgangsweise kritisiert.

Der Festivalsommer fällt heuer den Corona-Maßnahmen zum Opfer.
© HERBERT P. OCZERET

Wien – Über 50 Künstler und Festivalleiter richten sich in einem Offenen Brief an Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Vizekanzler Werner Kogler und Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (beide Grüne), um auf die Situation im Kulturbereich – mit besonderem Fokus auf "die vielen kleinen und mittleren Sommerfestivals" – aufmerksam zu machen und konkrete Maßnahmen einzufordern.

In dem siebenseitigen Brief wird nicht nur ein grundsätzliches Bekenntnis zu Kunst und Kultur gefordert – und der Mangel eines Kulturministeriums kritisiert –, sondern auch die bisherigen Maßnahmen infrage gestellt: "Sie haben nun mit sechswöchiger Verspätung und nach verständlicher, medialer Empörung Gespräche mit einigen tatsächlichen ExpertInnen aus der Kunst- und Kulturbranche gesucht. Diese dürften, glaubt man den darüber berichtenden Medien, kontroverse Erkenntnisse und vorerst keine konkreten Ergebnisse gebracht haben", heißt es etwa. "Deutlich über 100 kleine und mittelgroße Sommerfestivals stehen entweder vor dem saisonalen oder, in Abhängigkeit davon, vor dem kompletten Aus, so sie nicht bereits abgesagt wurden. Eine Aufrechterhaltung der österreichischen Kulturlandschaft weit über den Sommer und den Herbst hinaus wird aber durch Pauschallösungen, die ausschließlich an den Handel angelehnt sind, nicht möglich sein", kritisieren die Unterzeichner.

Fünf dringende Punkte aufgeführt

Abschließend werden fünf Punkte aufgeführt, die "schnellstmöglich" realisiert werden sollten: Darunter findet sich "die weitestgehende Ermöglichung kultureller Veranstaltungen unter Berücksichtigung eines größtmöglichen Schutzes der Bevölkerung und eine der Kulturnation Österreich würdige Fairness-Angleichung an andere Branchen". Weiters werden "interdisziplinäre Gesprächsrunden mit hochrangigen VertreterInnen möglichst aller kultureller Bereiche inklusive der bisher größtenteils ausgesparten Sommerkultur (abseits von Salzburg und Bregenz) gemeinsam mit den einschlägigen BeraterInnen des Gesundheitsministeriums" gefordert.

Ein weiterer Punkt nimmt das bereits vielfach ventilierte Thema Contact-Tracing auf: So sollen die nötigen gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, ein auf Freiwilligkeit basierendes, lückenloses Contact-Tracing-Systems im Zusammenhang mit bestehenden Ticketing-Systemen speziell für Kulturanbieter zu realisieren (und zu finanzieren). Schlussendlich soll es "keine finanzielle Benachteiligung bei Entschädigungs- und/oder Förderungsauszahlungen" für Veranstalter geben, "die bereits absagen mussten und ihre Liquidität nicht über die beschlossene Gutschein-Verordnung sichern".

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Initiiert wurde der Brief von dem Pianisten und Dirigenten Florian Krumpöck, der auch als Intendant des Kultur.Sommer.Semmering fungiert. Unter den Unterzeichnenden finden sich etwa Theaterdirektoren wie Wolfgang Sturm (Theater Akzent) und Nuschin Vossoughi (Theater am Spittelberg), Schauspieler wie Erwin Steinhauer, Johannes Krisch oder Gerti Drassl sowie Musikerinnen, darunter die Sängerin Angelika Kirchschlager oder Roland Neuwirth. Auch Festivalleiter wie Andrea Eckert (Raimundspiele Gutenstein), Hildegard Koller (Burgfestspiele Güssing) und Christian Knaller (Weissensee Klassik Festival) erheben ihre Stimme. (APA)


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