WTO-Chef Roberto Azevedo tritt überraschend im August ab

Er stelle seinen Posten nach sieben Jahren im Amt am 31. August zur Verfügung, teilte Azevedo den Vertretern der Mitgliedsländer am Donnerstag in Genf mit.

Roberto Azevedo.
© FABRICE COFFRINI

Genf – Inmitten der Virus-Krise und scharfer Kritik der USA tritt der Chef der Welthandelsorganisation (WTO) überraschend zurück. Der Brasilianer Roberto Azevedo erklärte am Donnerstag, er werde seinen Posten im August 2020 und damit ein Jahr vor Ende seines Vertrags räumen. Dies sei seine persönliche Entscheidung, von der er hoffe, dass sie auch im besten Sinne für die WTO sei.

Da die Organisation derzeit an ihrer Agenda für die Zeit nach Covid-19 arbeite, sollte sie dies mit einem neuen Chef tun. Azevedo hatte das Amt 2013 vom Franzosen Pascal Lamy übernommen, der die WTO acht Jahre lang geleitet hatte.

Die WTO mit 164 Mitgliedsländern soll Regeln für den weltweiten Handel etablieren und Konflikte schlichten. Sie ist aber zerstritten und hat es in den vergangenen Jahren nicht geschafft, global verbindlichen Absprachen auszuhandeln. US-Präsident Donald Trump hat der WTO wiederholt vorgeworfen, sein Land „über den Tisch ziehen" zu wollen. Er sieht die USA im Welthandel benachteiligt und liegt deshalb vor allem mit China und der EU über Kreuz. Die WTO soll eigentlich solche Konflikte über ein Schiedssystem lösen. Trump hat aber die Neubesetzung wichtiger Posten am WTO-Berufungsgericht blockiert. Damit ist das Gremium lahmgelegt.

Auch andere Mitglieder fordern seit längerem eine WTO-Reform, die dem größeren Einfluss Chinas in der Welt Rechnung trägt und sich dabei etwa Fragen wie staatlicher Beihilfen und erzwungener Technologie-Transfers stärker annimmt.

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Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer erklärte, sein Land werde sich bei der Suche nach einem Nachfolger Azevedos einbringen.

EU-Handelskommissar Phil Hogan teilte mit, die Nachfolge müsse noch in diesem Jahr geklärt werden. Die WTO stehe vor großen Herausforderungen.

Azevedo gilt als Karriere-Diplomat. Der Handelsexperte Simon Evenett von der Universität St. Gallen sagte, der künftige WTO-Chef dürfe kein Diplomat sein, sondern eine Person mit hochrangiger Erfahrung in einer Regierung. (APA/Reuters)


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