Lage wird unübersichtlich: Zwischen freier Fahrt und strenger Kontrolle

Bei der Öffnung seiner Grenzen zu den Nachbarländern fährt Österreich gegenüber Italien einen härteren Kurs. Die Grenzen zu Deutschland, Liechtenstein, der Schweiz sowie zu Tschechien und Ungarn sind wieder offen, kontrolliert wird aber weiterhin. Slowenien machte mittlerweile einen Rückzieher.

Bis zur Wiederaufnahme von unbeschränkten Fahrten zwischen Innsbruck und Bozen wird es noch dauern.
© Thomas Böhm

Wien, Innsbruck - Wünschen kann man sich vieles - in der Politik allerdings oft ohne die erhofften Folgen. Das gilt auch für die von Tirol und Südtirol forcierte Lockerung der Grenzkontrollen zwischen Italien und Österreich. Italien gewährt ab 3. Juni wieder freie Fahrt bei der Einreise, gilt es doch Reste des Sommertourismus zu retten. Im Gegenzug beharrt aber Österreich auf strengen Regeln bei der Einreise aus Italien. Schließlich war der südliche Nachbar von Corona besonders stark betroffen.

LH Günther Platter bezeichnet das Tiroler Interesse einer erleichterten Ein- und Ausreise aus und nach Südtirol eben als "Wunsch". Er verweist aber auf die immer noch hohen Infektions- und Todeszahlen in der Lombardei. Und mit 3. Juni darf innerhalb Italiens auch über Regionsgrenzen hinweg wieder frei gereist werden.

Südtirols LH Arno Kompatscher sieht zunächst das Positive: Die freie Einreise nach Italien sei eine Erleichterung. Nord- und Osttiroler könnten somit ihre Verwandtschaft in Südtirol besuchen, ohne wie bisher nach erfolgter Einreise in eine zweiwöchige Quarantäne geschickt zu werden.

Die Frage der Rückreise sei freilich eine ganz andere, ist sich Kompatscher bewusst: "Italien kann nicht regeln, wie Österreich das handhaben wird." Die Frage werde sein, ob Österreich seine Reisewarnung und das Ausreiseverbot aufhebt bzw. ebenfalls lockert. Nach Auskunft aus dem Wiener Innenministerium ist damit aber noch länger nicht zu rechnen.

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Freie Fahrt soll es hingegen ab 15. Juni zwischen Österreich und seinen Nachbarn Liechtenstein, Schweiz und Deutschland geben. Die Grenzen sind hier schon länger wieder offen. Kontrolliert wird aber noch. Und speziell an den Übergängen zu Deutschland gibt es für Tiroler manch unliebsame Überraschung und Abweisung (die TT berichtete).

Für Klarheit, aus welchen Gründen der Grenzübertritt schon jetzt ohne Auflagen möglich ist, sollte der deutsche Innenminister Horst Seehofer heute sorgen. Er informiert an der bayerisch-österreichischen Grenze über das weitere Vorgehen.

Mit Kroatien hat ein weiteres beliebtes Urlaubsland der Österreicher, die Grenzen für Urlauber aus allen EU-Ländern geöffnet. Die Buchung einer Ferienunterkunft in Kroatien zählt als "wirtschaftliches Interesse". Damit ist die Einreise ohne negativen Coronatest und ohne Quarantäne möglich. Bei der Rückreise gelten die Corona-Beschränkungen allerdings noch. Ebenso bei einer Ausreise nach Tschechien.

Slowenien führt Einreisebeschränkungen wieder ein

Nach Slowenien können Österreicher können ohne einen triftigen Grund mittlerweile doch nicht mehr einreisen. Seit Sonntagabend gilt ein neues Grenzregime, mit dem die slowenische Regierung ihre am Freitag verkündete Grenzöffnung wieder zurückgezogen hat. Nunmehr können nur Bürger jener EU-Länder ohne Einschränkungen einreisen, mit denen es bilaterale Vereinbarung gibt. Die Liste der Länder steht noch nicht fest.

"Österreichische Staatsbürger, die keinen Wohnsitz in Slowenien haben, keine Immobilie besitzen oder nicht Durchreisen, müssen einen bestimmten Grund für die Einreise haben", verkündete die Leiterin der Grenzpolizeiabteilung der slowenischen Polizeibehörde, Melita Mocnik, bei einer Pressekonferenz am Montag. Wenn man etwa in medizinischer Behandlung in Slowenien ist, dann werde einem der Eintritt nach Slowenien ermöglicht, erklärte sie. "Ohne Grund können österreichische Staatsbürger nicht nach Slowenien einreisen", so Mocnik. (TT.com, TT, mami)


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