„Vielleicht haben wir den Wegfall von Marcel Hirscher unterschätzt"

Österreichs Alpin-Herren feilen im Ötztal und Kaunertal an ihrer Form. Die jüngste Saisonanalyse räumte mit den vergangenen Monaten auf.

Es sieht nicht mehr nach Winter aus, aber der kommt am Rettenbachferner ja schon bald wieder.
© GEPA pictures/ Harald Steiner

Von Florian Madl

Innsbruck – Selbst ist der Mann! Die Alpin-Asse müssen dieser Tage in ihren Appartements im Ötztal und Kaunertal nicht nur bei ihrem Ski-Material nach dem Rechten sehen, sondern auch beim Geschirr. „Aufgetischt und abgeräumt wird selbst, das schadet nicht“, meint Herren-Chef Andreas Puelacher lächelnd. Das Lächeln zaubern ihm auch die Bedingungen am ewigen Eis ins Gesicht, von Materialtests bis Technikprogramm ist im Rahmen der Corona-Bestimmungen alles durchführbar.

„Anfangs war mir bange, ob wir das hinbringen. Aber es funktioniert gut“, verweist Puelacher auf die hervorragende Infrastruktur (Ski-Doos etc.). Die lange Pause, meint der Oberperfer, sei spurlos an seinen Schützlingen vorübergegangen: „Man merkt nichts.“ Aber man spüre, dass „die Burschen etwas zeigen wollten“. Für manchen sei die vergangene Saison ein wenig in die Hose gegangen: „Die Mannschaft will zeigen, dass sie besser als letzten Winter ist. Wir wollen zeigen, dass wir die Nummer eins sind.“

Unweigerlich fällt der Name eines Manns, dessen bloße Anwesenheit vieles übertüncht hatte: „Vielleicht haben wir den Wegfall von Marcel Hirscher unterschätzt. Vielleicht haben wir gemeint, dass es schneller geht, die Lücke zu schließen. Das hörte man oft auch bei Analysen.“ Konstruktive Selbstkritik, denn der Abgang von Hirscher ließ sich eben doch nicht so einfach kompensieren wie erwünscht: „Man dachte, man bringt das hin. Erreichen kann man ihn zwar nicht, aber nachrücken. Das weiß man.“

Hohe Rate an Knieverletzungen wirft Fragen auf

Es wird insofern eine spannende Saison, bei der nur die äußeren Parameter gleich bleiben: Marginale Änderungen in der Startreihenfolge scheinen möglich, Korrekturen beim Parallelbewerb, aber nicht bei Material und Kurssetzung. Die hohe Rate an Knieverletzungen hätte für Außenstehende Fragen aufgeworfen, Herren-Chef Puelacher sieht das nüchtern: „In unserer Sportart musst du mit Verletzungen rechnen. Und wir müssen mit drei Kreuzband-Verletzungen bei den Abfahrern fast schon zufrieden sein. Wir befinden uns statistisch im Mittelfeld.“

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Bleibt die Kardinalfrage: Beginnt die Weltcup-Saison Ende Oktober in Sölden? „Das ist eine der schwersten Fragen überhaupt. Aber ich kann es mir vorstellen.“ Nahezu alle europäischen Nationen würden schon trainieren, von Amerikanern und Kanadiern weiß man es nicht. Noch sind es 159 Tage bis zum Rennen.


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