Ab Mittwoch endgültiges Aus: Verkauf von Menthol-Zigaretten in EU verboten

Am heutigen Mittwoch endet eine vierjährige Übergangsphase: Das 2014 beschlossene EU-Gesetz betrifft allgemein Zigaretten und Rolltabak mit Aromastoffen. Menthol-Zigaretten sind davon mit Abstand am meisten verbreitet.

Die Regelung ist Teil der EU-Tabakrichtlinie, die 2014 verabschiedet wurden und 2016 in Kraft traten.
© Thomas Böhm

Brüssel, Wien – Mit Mentholzigaretten ist in der EU nun endgültig Schluss. Ab Mittwoch sind in den EU-Staaten ausnahmslos alle Zigaretten mit charakteristischen Aromen verboten, weil sie den Tabakgeschmack überdecken und so zur Förderung des Tabakkonsums beitragen. Dann endet eine vierjährige Übergangsphase für Produkte mit einem höheren Marktanteil als drei Prozent. Der Marktanteil von Menthol-Zigaretten war seit Anfang der Nullerjahre bis 2012 EU-weit sogar auf fünf Prozent angestiegen. In östlichen EU-Ländern liegt er noch deutlich höher.

Die Regelung ist Teil der EU-Tabakrichtlinie, die 2014 nach mühsamen Verhandlungen verabschiedet wurden und 2016 in Kraft traten. Seitdem müssen auch zwei Drittel der Vorder- und Rückseite von Zigarettenschachteln und Drehtabakverpackungen für Schockbilder und aufklärende Warnhinweise reserviert sein. Beides zielt in erster Linie darauf ab, junge Menschen davon abzuhalten, mit dem Rauchen anzufangen. Wissenschaftlichen Studien zufolge erleichtern Aromen wie Menthol die Inhalation und könnten deshalb das Rauchen für Anfänger erleichtern. Derzeit führt die EU-Kommission eine Studie zur Anwendung der Tabakrichtlinie aus.

Vorräte in den Niederlanden, in der Schweiz weiter erlaubt

In Polen enthält nach Angaben der Handelskammer fast jede dritte gerauchte Zigarette Menthol-Aroma. Dort hat das Verkaufsverbot anscheinend viele Raucher überrascht: Laut einer Umfrage der Verbraucherorganisation Forum Konsumentow wusste über die Hälfte der polnischen Raucher eine Woche vor Ablauf der Frist noch nichts davon. Jeder fünfte Befragte gab demnach an, notfalls Menthol-Zigaretten auf dem Schwarzmarkt zu kaufen.

In den Niederlanden haben viele Verbraucher in den vergangenen Monaten Vorräte an Menthol-Zigaretten angelegt, wie Medien berichteten. In anderen Ländern wie zum Beispiel in der Schweiz ist der Verkauf weiterhin erlaubt.

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Aromakarten statt Mentholzigaretten

Kurz vor Inkrafttreten bestätigte der Europäische Gerichtshof (EuGH) die verschärften Regeln. Die Luxemburger Richter lehnten Anfang Mai 2016 Klagen von Polen und mehrerer Tabakunternehmen ab. Mit Blick auf die Aromen wiesen sie darauf hin, dass Produkte wie Mentholzigaretten mit „angenehmem Aroma" das Rauchen gerade für Einsteiger attraktiver machen sollten. Die EU-Gesetzgeber seien daher befugt gewesen, zur Eindämmung des Tabakkonsums diese Produkte zu verbieten.

Das Verbot von Mentholzigaretten bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass Raucher künftig auf Zigaretten mit Menthol-Geschmack verzichten müssen – zumindest in Deutschland. So weist ein Händler auf seiner Internetseite darauf hin, dass diverse Hersteller mit Nachfolgeprodukten in den Startlöchern stünden. Das deutsche Unternehmen Reemtsma etwa setzt seit April auf Aromakarten. Diese müssen einem Sprecher zufolge mindestens eine Stunde in die Zigarettenschachtel gesteckt werden, um ihr Aroma abzugeben.

In der EU ist der Anteil der Raucher von 40 Prozent im Jahr 2002 auf 28 Prozent im Jahr 2012 zurückgegangen. Nach wie vor aber gehen dort rund 700.000 vorzeitige Todesfälle auf Tabakkonsum zurück. (APA, dpa, TT.com)


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