Ministerium zu Warnungen in Ischgl: „Alle relevanten Informationen übermittelt"

Das Gesundheitsministerium soll das Land Tirol nicht über alle Coronavirus-Fälle informiert haben, die aus europäischen Ländern gemeldet worden waren. Dazu liegt der TT nun eine Stellungnahme aus Wien vor.

(Symbolbild)
© EXPA/JOHANN GRODER

Innsbruck, Wien – Verwirrung herrscht derzeit über weitere detaillierte Einträge im europäischen Frühwarnsystem bzw. einer Meldung an die AGES zu Ischgl sowie zu anderen Wintersportorten, u. a. Sölden. Von mehr als 250 positiv getesteten dänischen Urlaubern (Meldung vom 13. März an die AGES) in mindestens neun Wintersportgemeinden Österreichs hat das Land laut Landesamtsdirektor Herbert Forster bisher keine Kenntnis. Dasselbe trifft auf offizielle Informationen aus Kroatien vom 13. März über zwei in Kroatien positiv getestete Personen sowie auf zwei Deutsche und zwei Briten mit Bezug zu Ischgl zu – die Meldungen stammen jeweils vom 10. März.

Dazu nahm das Gesundheitsministerium auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung nun Stellung. Das Ministerium fungiere in der Kontaktpersonennachverfolgung als Schnittstelle zwischen dem Ausland und den Gesundheitsbehörden in den Bundesländern, heißt es in dem Schreiben. Zwischen 3. und 14. März 2020 wurden demnach insgesamt 21 Meldungen aus Belgien, Deutschland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Island, Norwegen und den Niederlanden mit konkreten Daten und Hinweisen zu bestätigten Covid-19 Fällen beziehungsweise Kontaktpersonen zu bestätigten Covid-19 Fällen an die Tiroler Gesundheitsbehörden weitergeleitet. "Nach Überprüfung tausender Einmeldungen in das EWRS stellt das Gesundheitsministerium fest: Alle für die Arbeit des Kontaktpersonenmanagements der Tiroler Behörden relevanten internationalen Informationen wurden den Tiroler Behörden übermittelt."

Meldungen ab 5. März nach Tirol

Das „Early Warning and Response System“ (EWRS) der Europäischen Kommission ist eine vertrauliche Plattform zum Austausch von Personen-Informationen zwischen den Gesundheitsbehörden verschiedener Länder des Europäischen Wirtschaftsraums. Alle Mitgliedsstaaten verpflichten sich, dieses System vertraulich zu nutzen, um personenbezogene Daten zu schützen. Der mittlerweile bekannt gewordene Chat-Verlauf zwischen dänischen Behörden und anderen EU-Mitgliedsländern werde nun von der EU Kommission geprüft, da offensichtlich die Verpflichtung zur Vertraulichkeit nicht eingehalten worden sei.

Zwischen 5. und 11. März seien die Landessanitätsbehörden in Tirol seitens des Gesundheitsministeriums, wie bereits bekannt, über mehrere Fälle mit Tirol-Bezug aus Island, Norwegen und Dänemark informiert worden. "Am 11. März erging eine weitere Meldung über 82 an Covid-19 erkrankte Däninnen und Dänen, von denen unter anderem 21 die Bar ,Kitzloch' besucht hatten, aus dem Gesundheitsministerium an das Land Tirol. Diese wurde im Laufe des selben Tages noch einmal von Dänemark präzisiert, genaue Aufenthaltsorte wie Bars und Restaurants wurden bekannt gegeben und aus dem Gesundheitsministerium ebenfalls an die Landessanitätsbehörden in Tirol weitergeleitet", heißt es in der Stellungnahme an die Tiroler Tageszeitung.

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1300 Fälle an Bundesländer gemeldet

Aus dem epidemiologischen Meldesystem (EMS) gehe hervor, dass bis zum 12. März den zuständigen Bezirksverwaltungsbehörden in Tirol bereits 150 bestätigte Covid-19 Fälle bekannt waren. Die Zahl erhöhte sich innerhalb eines Tages um weitere 60 Fälle auf 210. Betroffen waren zu dieser Zeit bereits Personen aus über 25 Nationen, positiv getestet in Tirol.

Weitere Meldungen über Einzelfälle, ohne konkrete Informationen zu Personendaten, Aufenthaltsorten – etwa dem Hotelnamen – oder Kontaktpersonen seien ab diesem Zeitpunkt nicht mehr vom Gesundheitsministerium an die Landessanitätsbehörde weitergeleitet worden. Der Grund: Ohne die fehlenden Informationen sei eine Quellensuche bzw. eine Kontaktpersonennachverfolgung unmöglich.

"Bis zum Stichtag 31.03.2020 wurden ungefähr 16.900 positiv getestete Personen und deren Kontakte an 94 Staaten (davon 64 Drittstaaten) weitergemeldet. Davon wurden ungefähr 13.300 Personen den EWRS Ländern und ungefähr 2300 Personen an Drittstaaten weitergemeldet. Den Bundesländern wurden ungefähr 1300 Personen weitergemeldet." (pn, TT.com)


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