ÖSV-Star Veith steht vor Rücktritt: Erinnerungen dreier Weggefährtinnen

Österreichs Ski-Star Anna Veith wird heute wohl ihr Karriereende bekannt geben. Sie tut das ab 18.55 Uhr live auf ORF 1. Die TT blickte mit Nicole Hosp, Michaela Kirchgasser und Eva-Maria Brem auf eine Große.

Bei allen Entbehrungen hat Anna Veith auch stets dem Genuss gefrönt – und dazu zählt für die 30-jährige Salzburgerin auch eine Ausfahrt auf ihrer Harley Davidson.
© gepa steiner

Von Max Ischia

„Anna hat schon immer gewusst, was sie will“

An die erste Begegnung kann sich Nicole Hosp nicht mehr so genau erinnern. Dafür umso mehr an dieses talentierte Mädchen, das immer wieder „als neue Annemarie Moser-Pröll“ angepriesen worden war. Ein Vergleich, dem Anna (damals noch Fenninger) erst einmal nicht gerecht werden konnte. Bei Junioren-Weltmeisterschaften reichlich mit Edelmetall dekoriert und im Europacup eine Klasse für sich, dauerte es eine Weile, bis Fenninger auch im Weltcup zur Größe heranreifte. „Aber“, erinnert sich Hosp an den damaligen Jungspund im Team, „die Anna hat schon immer gewusst, was sie will und Ansagen gemacht, dass man nur so geschaut hat“.

Und als die Allrounderin nach einer gewissen Anlaufzeit ihren ehrgeizigen Worten entsprechende Taten folgen ließ, war der Weg frei für eine Ausnahmekarriere. Eine Laufbahn, die in den vergangenen Jahren verletzungsbedingt wiederholt auf schwere Proben gestellt wurde. „Wie Anna nach ihrem Kreuzband- und Patellasehnenriss noch einmal zurückgekehrt ist, verdient höchsten Respekt. Eigentlich bedeutet solch eine Verletzung den Todesstoß für eine Karriere, aber Anna hat gezeigt, dass sie aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt ist. Sie ist ganz einfach ein Champion.“

2014 in Sotschi glänzten Anna Veith und Nicole Hosp (rechts) mit reichlich olympischem Edelmetall.
© gepa walgram

„Es ist eine unglaubliche Freundschaft entstanden“

Dass auch im knallharten Spitzensport Platz für wahre Freundschaften ist, weiß kaum eine besser als Michaela Kirchgasser. Von 2012 bis zu ihrem Karriereende 2018 war die Salzburgerin Zimmerkollegin von Anna Veith. „Wir haben uns nie als Konkurrentinnen, immer als Freundinnen gesehen.“ Und über die Jahre sei eine unglaubliche Freundschaft entstanden. Die sportive Formel dafür klingt einleuchtend: „Wenn du erfolgreich sein willst, dann musst du auch verlieren können und dem anderen etwas gönnen. Im Endeffekt kannst du nur deine eigene Leistung beeinflussen.“

An Anna hätte sie stets den Ehrgeiz, den zielgerichteten Fokus und die unglaubliche Willensstärke bewundert. Auch oder insbesondere in den Zeiten, als sie verletzungsbedingt mehrfach zurückgeworfen wurde. „Anna hatte auch Zweifel, keine Frage, aber verzweifelt war sie nicht. Sie hat immer wieder geschaut, für sich den besten Weg zurück zu finden.“

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Die letzten Jahre waren die Ehepaare Veith und Kirchgasser wiederholt gemeinsam auf Urlaub – zweimal in der Toskana, im Vorjahr in Schottland. Und noch eines kann sie, die Kämpferin Anna: „richtig genießen“.

Schon eine Weile her – Anna (damals noch) Fenninger (r.) und Michaela Kirchgasser 2006 beim Heimweltcup auf der Reiteralm.
© gepa simonlehner

„Wenn es gezählt hat, war Anna stets voll da“

Das unten stehende Bild hat sich tief in das Gedächtnis von Eva-Maria Brem gebrannt: „Es war beim Weltcup-Finale 2015 in Meribel. Ich hatte noch Chancen auf die Riesentorlaufkugel und Anna hat sich mit Tina Maze um den Gesamtweltcup gematcht.“ Der Ausgang des Rennens sei sinnbildlich für die Ausnahmekarriere von Veith gewesen: „Anna hat den Riesentorlauf vor mir und Tina gewonnen und sich damit die große und kleine Kugel gesichert.“

Alles, nur kein Zufall: „Wenn es gezählt hat und Anna fit war, war sie stets voll da und hat geliefert. So wie es eben nur die ganz großen Champions machen.“

Brem nahm gewissermaßen Anleihe bei ihrer ein Jahr jüngeren Teamkollegin und sicherte sich im Jahr darauf in einem Herzschlagfinale die RTL-Kugel und wurde 2016 zu Österreichs Sportlerin des Jahres gekürt. Quasi als Nachfolgerin Veiths, die von 2013 bis 2015 ein stolzes Triple hingelegt hatte.

Während Brem und Veith zumeist in verschiedenen Trainingsgruppen waren, bildeten deren Lebensgefährten eine private Schnittlinie. Annas Mann Manuel und Eva-Marias Freund Andreas teilten sich in der Hotelfachschule Bad Gastein das Zimmer und sind bis heute gute Freunde. 2011 urlaubten beide Paare gemeinsam in Portugal.

Wegweisend: Anna Veith gewann 2015 den Riesentorlauf in Meribel vor Eva-Maria Brem und sicherte sich damit gleich zwei Kugeln.
© BARBARA GINDL

Kommentieren


Schlagworte