Olympiasiegerin Veith: "Glücklich, dass ich Karriere gesund beenden kann"

Knapp vier Wochen vor ihrem 31. Geburtstag gab die dreifache österreichische Sportlerin des Jahres ihren Rücktritt bekannt.

Anna Veith kann mit einem Lächeln die Ski-Pension antreten.
© EXPA/JOHANN GRODER

Rohrmoos - Olympiasiegerin Anna Veith hat am Samstag ihren Rücktritt vom aktiven Skisport erklärt. "Ich bin glücklich, dass ich heute meine Karriere gesund und erfolgreich beenden kann", sagte die aktuell erfolgreichste Skirennläuferin Österreichs in einer ÖSV-Aussendung. "Ich habe meinen Kindheitstraum gelebt. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt aufzuhören."

📽 Video | Anna Veith verabschiedet sich

Die Olympiasiegerin von 2014, dreifache Weltmeisterin und zweifache Gesamtweltcupsiegerin hat alles gewonnen, was im Skisport möglich ist. "Ich bin sehr stolz auf das, was ich erreicht habe", erklärte Veith. "Aber ich weiß auch, wie viele Mühen und Entbehrungen dazu gehört haben. Meine Leidenschaft für den Sport hat mich immer angetrieben, ich habe alles gegeben und die harte Arbeit wurde immer belohnt", betonte die Salzburgerin.

Anna Veith präsentiert stolz ihre Medaillen- und Kugel-Sammlung.
© MIRJA GEH

Dies sei aber nun anders. "Im letzten Winter habe ich alles darangesetzt, wieder zurückzukommen und Vertrauen zu finden, aber es ist mir einfach nicht mehr gelungen, dahin zu kommen wo ich hin wollte." Darum hat Veith die Bereitschaft gefunden, den Schlussstrich zu ziehen. "In meinem Leben war der Sport so viele Jahre die absolute Nummer eins. Ich durfte das machen, was ich unbedingt wollte und am meisten liebte. Das weiß ich sehr zu schätzen, aber für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt aufzuhören."

Der größte Erfolg aus Sicht der 30-Jährigen, ist der, der sie auch am meisten bewegt hat: "Der emotionalste Moment war zweifelsohne die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang. Nach meiner ersten schweren Verletzung im Jahr 2015 wusste niemand, ob es wieder möglich sein wird so Ski zu fahren, wie ich es davor gemacht habe. Diese Medaille war der Beweis dafür und der Lohn für die harte Arbeit", erinnert sich die dreifache österreichische Sportlerin des Jahres.

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"Ein weiterer Wahnsinns-Moment, an den ich mich mein Leben lang erinnern werde, war das Weltcup-Finale in Meribel, wo ich mich in letzter Sekunde im Gesamtweltcup gegen Tina Maze durchsetzen konnte. Nach wochenlangem Zweikampf auf höchstem Level ein sehr spezieller Sieg für mich. Ein Sieg im Gesamtweltcup ist etwas, wovon jeder Skifahrer seit seiner Jugend träumt. Es heißt, du bist die Beste. Es gibt niemanden in diesem Sport, der in dieser Saison besser war als du. Das ist ein besonderes Gefühl."

Veith freut sich nun auf ihr Privatleben. Familienplanung wird dabei in Zukunft ebenso eine Rolle spielen, aber nicht sofort. "Manuel und ich wünschen uns eine eigene Familie, aber wir haben nicht so einen Stress und genießen die Zeit für uns", sagte sie im ORF-Interview mit Alexandra Meißnitzer.

Was sie nun macht, kann Veith noch nicht konkret beantworten. "Ich stelle mir jeden Tag die Frage, es gibt noch nichts Konkretes." Sie möchte ihre Werte weiterverfolgen, die Jugend unterstützen und "meine Erfahrungen weitergeben". Einen Trainerjob im klassischen Sinn könne sie sich aber nicht vorstellen. Sie möchte die Zeit auch nutzen, daheim Wurzeln zu schlagen, aber gerne in Zukunft "mit einzelnen Athleten über aktuelle Geschehnisse sprechen".

Veith freut sich auf ihr Privatleben und das, was kommt: "Ich fühle mich befreit, es ist schon eine gewisse Last von den Schultern gefallen", sagte sie nach der Bekanntgabe. "Mein Leben lang durfte ich Skirennlauf als meinen Beruf bezeichnen. Nie habe ich etwas anderes gemacht. Nie habe ich etwas anderes so sehr geliebt. Der Geruch von frischem Schnee. Die frühen Morgenstunden am Gletscher. Das Team. Das alles wird mir schon fehlen. Was jetzt kommt, weiß ich noch nicht, aber ich freue mich drauf."

💬 Reaktionen zum Rücktritt von Anna Veith:

Bundespräsident Alexander Van der Bellen:

Bundeskanzler Sebastian Kurz:

Peter Schröcksnadel (ÖSV-Präsident): „Anna hat mir ihre Entscheidung vor einigen Wochen mitgeteilt und ich muss ehrlich sagen, dass ich es sehr bedaure. Ihr Rücktritt ist schade, aber wenn der Körper nicht mehr mitspielt, macht es keinen Sinn. Sie hatte in den letzten Jahren permanent mit Knieproblemen zu kämpfen. Umso bewundernswerter, dass sie bei den letzten Olympischen Spielen noch einmal eine Silbermedaille gewinnen konnte. Anna war, sowohl was ihre Erfolge als auch ihre starke Persönlichkeit betrifft, eine Ausnahme-Athletin, an die man sich lange erinnern wird. Natürlich wird sie uns fehlen, aber es werden wieder Neue in den Vordergrund rücken; das ist im Sport so. Ich wünsche Anna für ihren neuen Lebensabschnitt und ihre Zukunft alles Gute."

Nicole Hosp (Ex-ÖSV-Teamkollegin):

Toni Giger (ÖSV-Sportdirektor): „Mit Anna Veith verlässt eine der ganz Großen die Bühne des alpinen Skisports. Olympiasiegerin, Weltmeisterin, Gesamtweltcupsiegerin, das schaffen nur ganz wenige. Für mich persönlich war es beeindruckend, wie sie mit ihrem eleganten Fahrstil, gepaart mit ihrer Entschlossenheit so viele große Erfolge gefeiert hat. Auch dafür, dass sie nach ihren schweren Verletzungen immer wieder den Anschluss an die Weltspitze geschafft hat, gebührt ihr größter Respekt. Wir sagen Danke für viele herausragende Momente und wünschen Anna viel Gesundheit und Erfolg für die Zukunft."

Marcel Hirscher: "Auch ich möchte dir alles Gute für deine Zukunft wünschen und dir von Herzen gratulieren zu dieser Entscheidung. Ich bin mir sicher, es war auch für dich keine leichte Entscheidung, aber du wirst es sehr genießen in Zukunft, auch wenn der Anfang wahrscheinlich auch nicht so einfach ist. Es ist dann doch eine große Umstellung. Von meiner Seite die allergrößte Wertschätzung und Hochachtung vor deiner Leistung. Ich glaube, ich bin einer der wenigen Österreicher, die wirklich von den ersten Tagen an deine Karriere mitverfolgt hat. Wir sind mehr oder weniger den gleichen steinigen Weg gegangen. Ich habe viel weniger Verletzungen gehabt als du, das war mein großes Glück, aber du warst uns allen ein Vorbild und an dem dürfen wir uns alle orientieren. Alles Gute und ich wünsche dir das Allerbeste für die Zukunft."

🔗 Steckbrief der zurückgetretenen Olympiasiegerin Anna Veith

Geboren: 18. Juni 1989 in Hallein/Salzburg

Mädchenname: Anna Fenninger

Wohnort: Adnet/Salzburg, Rohrmoos/Schladming (Stmk)

Größe/Gewicht: 1,66 m/60 kg

Familienstand: Verheiratet seit April 2016 mit Ex-Snowboarder Manuel Veith

Ausbildung: Hotelkauffrau

Verein: SK Hallein

Ski/Schuhe: Head

Hobbys: Sport

Erster Weltcup-Start: 11. November 2006 Levi (Slalom/ nicht für 2. Durchgang qualifiziert)

Letzter Weltcup-Start: 9. Februar 2020 Garmisch (Super-G/Ausfall)

(Laut FIS-Website 251 Weltcup-Starts)

Homepage: www.anna-veith.com

Größte Erfolge:

Olympia (1 Gold/2 Silber):

Gold Super-G und Silber Riesentorlauf 2014 Sotschi, Silber Super-G 2018 Pyeongchang

WM (3 Gold/2 Silber/1 Bronze):

Gold Super-Kombination 2011 Garmisch, Super-G und Riesentorlauf 2015 Beaver Creek, Silber Teambewerb 2011 Garmisch, Abfahrt 2015 Beaver Creek, Bronze Riesentorlauf 2013 Schladming

Weltcup: Gesamtsiegerin 2013/14 und 2014/15, 15 Siege - 11 Riesentorlauf, 3 Super-G, 1 Super-Kombi (insgesamt 46 Podestplätze)

Junioren-WM: Gold Super-G und Kombi 2006 Quebec, Gold RTL und Kombi 2008 Formigal, Silber Abfahrt 2006 und Super-G 2008, Bronze Super-G 2009

Sonstiges: Österreichs "Sportlerin des Jahres" 2013, 2014, 2015; Skieur d'Or: 2014, 2015


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