BBT: Tunnelgesellschaft deutet Verzögerung an, RH-Empfehlungen umgesetzt

Nach dem Bundesrechnungshof deutet nun auch die Tunnelgesellschaft eine mögliche Verzögerung der Inbetriebnahme des BBT an. Neun der insgesamt 15 Empfehlungen des Bundesrechnungshofes seien indes bereits umgesetzt worden, der Follow-up-Bericht wurde positiv gewertet.

Die Fertigstellung des Tunnels wird durch Corona möglicherweise verzögert.
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck – Die Brenner-Basistunnelgesellschaft (BBT SE) wertet den nun vorliegenden Follow-up-Bericht „Bahnprojekt: Brenner Basistunnel“ des Bundesrechnungshofes (RH) als positiv, wie sie einer Aussendung am Dienstagnachmittag bekannt gab. Bis dato habe die Gesellschaft bereits 75 Prozent der Empfehlungen realisiert. Sie sei „als öffentlich finanziertes Unternehmen bestrebt, konstruktiv mit dem RH zusammenzuarbeiten und die Empfehlungen sowie auch Beanstandungen im laufenden Projektbetrieb einzubeziehen".

Neun der insgesamt 15 Empfehlungen seien von der BBT SE bereits umgesetzt worden, eine Empfehlung teilweise, fünf noch nicht.

Die sogenannte „Follow-up-Überprüfung“, die im Juli 2019 durchgeführt wurde, ist eine Folgeüberprüfung des Rechnungshofs, in der kontrolliert wird, ob seine vorangegangenen Empfehlungen umgesetzt wurden. Die Prüfung des Bahnprojekts Brenner Basistunnel, im Zuge derer diese Empfehlungen des Rechnungshofes abgegeben wurden, fand 2017 statt.

Als lobenswert erachtet der Rechnungshof in seinem Bericht auch, dass durch Wissens- und Personaltransfer sowie Erfahrungsaustausch die veranschlagten Rohbaukosten gesenkt werden konnten.

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125 Kilometer Baufortschritt, Inbetriebnahme vielleicht verzögert

Mit Stand Mai 2020 wurden bereits125 Kilometer des insgesamt 230 Kilometer langen Tunnelnetzes vorgetrieben. In den nächsten Wochen soll der Durchschlag des Erkundungsstollens auf österreichischem Projektgebiet gelingen. Im kommenden Sommer wird außerdem ein weiteres Baulos in Österreich (Sillschlucht) starten.

Der bis dato avisierte Fertigstellungstermin 2028 sei im Jänner 2019 letztmalig aktualisiert und durch den Beschluss des Aufsichtsrates des BBT genehmigt worden. Im darin enthaltenen Bauzeitplan seien aber weiter „mögliche Verzögerungen aufgrund des Eintretens der für die einzelnen Baulose ermittelten Risiken" dargestellt.

Es sei, auch infolge der jüngsten Ereignisse und der aktuellen Situation, eine vertiefende Risikoanalyse im Gange: so werde sich die Coronavirus-Pandemie ebenfalls auf den Bauzeitplan des Brenner Basistunnels auswirken, da laut Gesellschaft nicht bekannt ist, welche Maßnahmen wann zur Eindämmung der Pandemie beschlossen und zur Anwendung kommen werden. Die Inbetriebnahme des Brenner Basistunnels könnte sich somit im Vergleich zur bisherigen Planung verschieben.

Die Ausschreibung zur bahntechnischen Ausrüstung werde derzeit vorbereitet. Zu diesem Zweck sei bei der BBT SE Ende 2019 die Abteilung Bahntechnik/Betrieb neu organisiert worden. Die Abstimmungen zwischen den Infrastrukturbetreibern betreut die BBT SE, um in möglichst kurzer Zeit zu einer gemeinsamen Festlegung der Grundanforderungen zu gelangen und die Planungsausschreibung zu veröffentlichen.

Der gesamte Projektablauf wird derzeit durch den neuen BBT-Vorstand evaluiert. Eine aktualisierte Information über den Zeitpunkt der Inbetriebnahme ist im Sommer 2020 geplant.

Prognostizierte Gesamtkosten bei 9,3 Milliarden Euro

Der Brenner Basistunnel hat bis dato von der Europäischen Kommission stets die höchstmögliche Finanzierungsquote zugesprochen bekommen. Die Anfang 2019 genehmigten, prognostizierten Gesamtkosten des BBT betragen einschließlich nicht identifizierter Risiken und inklusive Vorvalorisierung bzw. Wertanpassung derzeit rund 9,3 Milliarden Euro. Die EU übernimmt die Finanzierung von 40 Prozent der Bauarbeiten und 50 Prozent der Studien. Der verbleibende Anteil wird zu gleichen Teilen zwischen den Regierungen Österreichs und Italiens aufgeteilt. (TT.com)


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