G7 "überholt": Trump kündigt Verschiebung und Erweiterung des Gipfels an

Nach der Ablehnung seiner Einladung durch die deutsche Kanzlerin Merkel will der US-Präsident den Gipfel nun im Herbst statt im Juni abhalten. Russland, Indien, Australien und Südkorea sollen dazukommen.

Trumps Gipfel-Ideen sorgen noch für verhaltene Reaktionen.
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Washington – Gerade erst hat er von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Korb für den im Juni in Washington geplanten G7-Gipfel bekommen – da kündigt US-Präsident Donald Trump eine Verschiebung und ein neues Format mit zusätzlichen Ländern an.

Das Treffen könne im September oder auch erst nach der US-Präsidentschaftswahl im November stattfinden, sagte Trump am Wochenende. Weil die G7 ein "sehr überholtes" Format seien, wolle er unter anderem Russland dazu bitten.

Ein Gipfeltreffen im Format der Gruppe der sieben führenden Industriestaaten (G7) spiegle nicht korrekt wider, "was in der Welt passiert", sagte Trump am Samstag an Bord der Air Force One vor Journalisten: "Es ist eine sehr überholte Gruppe von Ländern." Daher wolle er zu dem Gipfeltreffen im Herbst auch Russland, Südkorea, Australien und Indien einladen.

"G10 oder G11"

Das von ihm geplante neue Format bezeichnete Trump als "G10 oder G11". Er habe seine Idee bereits "grob" mit den Staats- und Regierungschefs der vier neuen Staaten besprochen.

Laut Trump könnte der Gipfel im September vor oder nach der Generaldebatte der UNO-Vollversammlung in New York stattfinden - oder "ich mache es vielleicht nach der Wahl", fügte der US-Präsident hinzu. Trump hofft bei der US-Präsidentschaftswahl Anfang November auf seine Wiederwahl.

Mit mehr als 1,7 Millionen Infektionen und mehr als 103.000 Todesopfern sind die USA das am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Land weltweit. Im März teilte das Weiße Haus mit, wegen der Pandemie müsse der für Juni geplante G7-Gipfel auf Trumps Landsitz Camp David durch eine Videokonferenz ersetzt werden.

Vor einigen Tagen erklärte Trump dann aber überraschend, da sein Land sich bereits von der Pandemie erhole, könne im Juni doch ein persönliches Treffen stattfinden. Zunächst nannte er seinen Landsitz Camp David als Gipfelort, kurz darauf das Weiße Haus in Washington.

Verhaltene Reaktionen

Die Reaktionen der anderen G7-Staats- und Regierungschefs fielen verhalten aus, wobei Merkel als einzige öffentlich eine vorläufige Absage erteilte. "Stand heute kann sie in Anbetracht der Pandemie-Gesamtlage ihre persönliche Teilnahme, also eine Reise nach Washington, nicht zusagen", erklärte ein Regierungssprecher in Berlin am Samstag nach einem Telefonat der Kanzlerin mit Trump. Merkel werde die Entwicklung der Corona-Pandemie aber "weiter im Blick haben".

Der französische Staatschef Emmanuel Macron ließ daraufhin am Samstagabend erklären, er stehe für eine persönliche Gipfelteilnahme bereit, es sei aber "die Anwesenheit aller erforderlich". "Die Anwesenheit der (deutschen) Kanzlerin und die Einheit der Europäer sind wichtig", hieß es in der Erklärung des Elysee-Palasts nach einem Telefonat Macrons mit Trump. Frankreich warte darauf, "dass die G7-Präsidentschaft der USA ihre Absichten präzisiert".

Auf Trumps daraufhin folgende Ankündigung des Gipfels im Herbst in neuem Format reagierte die deutsche Regierung zunächst zurückhaltend. "Wir warten auf die weiteren Informationen durch die USA, die ja Gastgeber sind", erklärte ein Regierungssprecher.

Der G7 gehören außer den USA, Deutschland und Frankreich auch Italien, Großbritannien, Kanada und Japan an. Wegen der Annexion der Krim durch Moskau 2014 gibt es das G8-Format gemeinsam mit Russland nicht mehr.

Auch Russland reagiert verhalten

Auch Moskau reagierte am Sonntag Verhalten auf Trumps Pläne. Russland sei bereit zu beliebigen Formaten des Dialogs, aber nur auf Augenhöhe mit anderen Teilnehmern, sagte der Außenpolitiker Konstantin Kossatschow der Agentur Interfax.

"Ein Platz als Zuschauer passt Russland nicht", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat (zweite Parlamentskammer, Anm.). Vor allem erwarte Russland nun Details zu der Initiative, um über eine Teilnahme zu entscheiden.

Staatschefs gehören zu Risikogruppe

Merkel ist 65 Jahre alt, Putin 67, Trump 73 und der japanische Regierungschef Shinzo Abe 65. Statistisch gesehen gehören alle vier damit zur Corona-Risikogruppe. Die Staats- und Regierungschefs werden zu solchen Gipfeln üblicherweise von großen Delegationen sowie zahlreichen Journalisten begleitet.

Der 55-jährige britische Premierminister Boris Johnson hat bereits eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus hinter sich und musste deswegen mehrere Tage auf der Intensivstation behandelt werden. Nach Angaben des Weißen Hauses vom Freitag betonte auch Johnson in einem Gespräch mit Trump "die Wichtigkeit, die G7 in naher Zukunft persönlich zusammenzubringen". (APA/AFP)


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