11,5 Prozent in Österreich ohne Job, plus 111 Prozent Arbeitslose in Tirol

Die Arbeitslosenquote in Österreich belief sich im Mai auf 11,5 Prozent. Am stärksten war der Zuwachs in Tirol mit plus 111 Prozent auf 41.000 Betroffene. Die Auszahlung der Kurzarbeits-Gelder nimmt Fahrt auf.

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) und Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) (v.li.)
© APA/Wenzel

Wien – Die Coronakrise führt weiter zu extrem hohen Arbeitslosenzahlen in Österreich. Ende Mai waren mehr als 517.000 Personen arbeitslos oder in Schulung, das sind um 174.000 mehr als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote belief sich auf 11,5 Prozent.

In Tirol kam es im Vergleich mit dem Vorjahresmonat im Mai 2020 mit plus 20.636 oder plus 111,1 Prozent zu einem deutlichen Anstieg der in Tirol arbeitslos vorgemerkten Personen auf 39.210. Das war österreichweit der höchste Anstieg

Arbeitsmarkt nimmt langsam wieder Fahrt auf

Bei einem prognostizierten Stand von 302.000 unselbständig Beschäftigten in Tirol (ein Minus von 30.000 Personen im Vorjahresvergleich) und 39.210 vorgemerkten Arbeitslosen betrug zum Stichtag 31.05.2020 die Arbeitslosenquote in Tirol 11,5 Prozent (Mai 2019: 5,3 Prozent ).

Bis inklusive Montag, den 01.Juni wurden in Tirol 10.794 Corona-Kurzarbeitsanträge für 99.506 Arbeitsplätze erfasst. 70 Millionen Euro Corona-Kurzarbeitsbeihilfe wurden in Tirol an 6046 Unternehmen für 42.376 Personen bereits ausgezahlt.

Mit den Lockerungen durch die Bundesregierung beginnt sich aber auch der Tiroler Arbeitsmarkt langsam vom Corona-Schock zu erholen.

Die Lockerungen im Laufe des Monats Mai wirken sich auf die Arbeitslosigkeit in Tirol positiv aus. 6572 Personen oder minus 14,4 Prozent haben sich im Laufe der letzten sechs Wochen vom AMS abgemeldet.
Anton Kern, AMS-Chef Tirol

Mit Erleichterung der Reisebeschränkungen am 15.06.20 sei ein weiterer positiver Effekt zu erwarten."Im Vorjahresvergleich haben wir dennoch eine sehr hohe Arbeitslosigkeit, speziell in den dienstleistungsnahen Branchen und Berufen,“ so Kern.

Große Unterschiede je nach Bundesland

Die Coronakrise wirkt sich unterschiedlich stark auf den Arbeitsmarkt in den einzelnen Bundesländern aus. Am geringsten fiel der prozentuelle Anstieg per Ende Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat in Wien mit plus 38 Prozent auf über 187.00 Arbeitslose und Schulungsteilnehmer aus.

📽 Video | Das war die Pressekonferenz

Das Wiederhochfahren der Wirtschaft hat teilweise zu einer Entspannung am Arbeitsmarkt geführt. Im Vergleich zu Ende März haben 45.000 Arbeitslose wieder einen Job gefunden.

Gemeldete Arbeitslose und Schulungsteilnehmer 2011-2020.
© APA

In Niederösterreich lag das Arbeitslosenplus im Mai bei 44 Prozent, Burgenland (+48 Prozent), Oberösterreich (+55 Prozent), Vorarlberg (+56 Prozent), Kärnten (+57 Prozent), Steiermark (+63 Prozent) und Salzburg (+77 Prozent), geht aus Daten des Arbeitsmarktservice (AMS) hervor.

Arbeitslosenzahlen nach Bundesländern, Veränderung zum Vorjahr in Prozent.
© APA

Stärksten Zuwachs im Bereich Beherbergung und Gastronomie

Nach Branchen betrachtet gab es den stärksten Arbeitslosenzuwachs im Bereich Beherbergung und Gastronomie mit plus 122 Prozent auf 98.500 Betroffene. Die coronabedingte Sperre der Gastronomie endete nach zwei Monaten Mitte Mai, die Hotellerie durfte erst am 29. Mai wieder öffnen. Etwas niedriger fiel das Plus in der Verkehrsbranche und im Lagerwesen mit plus 72 Prozent sowie am Bau mit plus 71 Prozent aus. Bei der Warenherstellung gab es Ende Mai um knapp 50 Prozent mehr Arbeitslose und Schulungsteilnehmer als vor einem Jahr, bei der Arbeitskräfteüberlassung (plus 47,0 Prozent), im Handel (plus 45 Prozent) und im Gesundheits- und Sozialwesen (plus 41 Prozent).

Die Zahl der sofort verfügbaren Stellen war Ende Mai mit 57.600 Jobs um 30 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat. Auch die Anzahl der sofort verfügbaren Lehrstellen war mit rund 4600 Stellen um 21 Prozent niedriger als im Mai 2019. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck verwies am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit Arbeitsministerin Christine Aschbacher (beide ÖVP) auf das Lehrlingspaket der Regierung. Bis 31. Oktober können Unternehmen einen Lehrstellen-Bonus beantragen, 1000 Euro beim Start der Lehre und 1000 Euro beim Behalten des Lehrlings nach der Probezeit.

Arbeitslose Männer, Frauen, In-/Ausländer, Jüngere und Ältere.
© APA

Kurzarbeit: Eine Milliarde Euro bald ausgezahlt

Die Auszahlung der Corona-Kurzarbeitsgelder nimmt Fahrt auf. Heute oder morgen soll voraussichtlich die Marke von einer Milliarde Euro überschritten werden, wie Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) am Dienstag mitteilte. Gegenüber der Vorwoche ist dies eine Verdoppelung der Auszahlungen.

Aschbacher zeigte sich mit dem Auszahlungsstand der Kurzarbeitsgelder zufrieden. „Die Abrechnung der Kurzarbeit ist voll auf Schiene." Für 1,37 Millionen Arbeitnehmer ist Kurzarbeit möglich. Es sei aber noch nicht berücksichtigt, dass einige Kurzarbeitsprojekte Ende Mai ausgelaufen sind, genauere Zahlen darüber würden nächste Woche vorliegen, so Aschbacher.

Laut Arbeitsministerium haben rund 60.000 Unternehmen Corona-Kurzarbeitsgeld erhalten, rund 100.000 Abrechnungen in Höhe von 907 Mio. Euro sind bearbeitet. „Vor allem größere Betriebe mit größeren Abrechnungssummen haben erst kurz vor Ende des Monats ihre Abrechnungen übermittelt. Dadurch können auch erst jetzt die Auszahlungssummen stärker steigen", erklärte Aschbacher.

Bis dato hat die türkis-grüne Regierung rund 12 Milliarden Euro für die Corona-Kurzarbeit budgetiert.

"Lage am Arbeitsmarkt bleibt "herausfordernd"

Die SPÖ wiederholte am Dienstag ihre Forderung nach einer Erhöhung des Arbeitslosengeldes von 55 auf 70 Prozent des Letzteinkommens und nach einem Mega-Konjunkturpaket. Die Arbeitsministerin wollte sich zu einer möglichen Erhöhung am Dienstag nicht konkret äußern. Alle Vorschläge würden derzeit diskutiert.

Die FPÖ fordert von der türkis-grünen Regierung strukturelle Änderungen am Arbeitsmarkt. "Es müssen nun rasch entsprechende Begleitmaßnahmen wie eine sektorale Arbeitsmarktschließung für Nicht-Österreicher, eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes, eine Lohnsteuersenkung oder eine Befreiung von der Kommunalsteuer Platz greifen", so FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch in einer Aussendung.

NEOS-Sozial- und Arbeitsmarktsprecher Gerald Loacker drängt die Regierung zu Qualifizierungs- und Umschulungsmaßnahmen für Personen, deren Branche in der Coronakrise nachhaltig eingebrochen ist.

Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt für WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf "herausfordernd". "Anreize wie der Neustartbonus sind wichtig, um Menschen wieder rasch in Beschäftigung bringen. Wir setzen uns weiter für eben solche Maßnahmen für besonders betroffene Branchen ein", so der Wirtschaftskammer-Vertreter.

Gewerkschaft skeptisch bei Lehrstellen-Bonus

AK-Präsidentin Renate Anderl plädiert dafür in der Coronakrise "neue Arbeitsmärkte" zu erschließen, etwa im Bereich Bildung und Kinderbetreuung, Gesundheits- und Pflegebereich, Digitalisierung und "Klimakrise". In diesen Bereichen werde der Bedarf in Zukunft noch steigen, erwartet die Arbeiterkammer-Vertreterin.

Die Gewerkschaft sieht den von der Regierung angekündigten 2000 Euro Lehrstellen-Bonus skeptisch und fordert indes betriebsübergreifende Ausbildungsplätze für von der Coronakrise betroffene Unternehmen und eine Ausbildungsoffensive in den öffentlichen Unternehmen. (APA, TT.com)


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